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Parabelflug

6 Uhr früh, Flughafen Bordeaux. Die Vorbereitungen für einen besonderen Flug laufen auf Hochtouren. Heute sollen in einem Parabelflug, also unter Bedingungen der Schwerelosigkeit einige Experimente durchgeführt werden, die Medizinern helfen, den Gesundheitszustand von Astronauten besser zu verstehen. Der Copilot macht noch einen letzten Check. In wenigen Stunden wird dieser Airbus Belastungen ausgesetzt wie kein anderes Verkehrsflugzeug. Im Cockpit teilt sich ein Drei-Mann-Team die Arbeit, anders wäre das Extremmanöver nicht zu fliegen. Jean-Claude Bordenave "Ein normales Verkehrsflugzeug zu fliegen ist sehr einfach, es gibt einen Autopilot. Den schaltet man an und das Flugzeug fliegt quasi von allein. Man muss keine Manöver fliegen außer bei Start und Landung. Bei einem Parabelflug muss man richtig von Hand fliegen. Wir schalten alle Geräte ab, die dem Piloten normalerweise helfen." Um Punkt 9 Uhr 30 werden die Türen geschlossen, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Der ZERO G Airbus, startet zu einem gesperrten Luftraum über dem Atlantik. Noch eine Stunde bis zur ersten Parabel. Dann wird für 20 Sekunden alles an Bord schwerelos sein. Die Testperson nimmt ihre Position ein und wird verkabelt. Jedes Kabel wird drei Mal geprüft. Erst wenn die Sensoren hier bewiesen haben, was sie können, dürfen sie zukünftig Astronauten im Außeneinsatz überwachen. Die Forscher hoffen heute etwas darüber zu lernen, wie sich Flüssigkeit im Körper verlagert. Forschung im Parabelflieger ist teuer, mehrere hunderttausend Euro kostet jeder Flug. Dann der Countdown zur ersten von 31 Parabeln. Jean-Claude Bordenave zieht das Höhenruder ganz nach hinten. Maximaler Schub. Der A300 zieht nach oben, 47 Grad Steigung ist das Ziel. Fast dreimal so steil, wie gewöhnliche Passagiermaschinen steigen dürfen. Schwerkraft und Beschleunigung nach oben addieren sich. Zwei G. Das heißt, alles wiegt doppelt soviel, jede Bewegung wird zur Qual. Der Countdown läuft. Im nächsten Moment senkt der Jet die Nase und geht in den Sturzflug über. Alles in seinem Inneren befindet sich jetzt im freien Fall. Das Resultat: 22 Sekunden an Bord scheint die Schwerkraft aufgehoben. Null G. Der Pilot zieht das Höhenruder mit großer Kraft nach hinten, maximaler Schub. Langsam fängt sich der Airbus. Wieder unangenehme zwei G an Bord. Nach 15 Parabeln wird die Testperson ersetzt. Die Experimente im Stehen zu bewältigen hat Kraft gekostet. Zeit für etwas Entspannung. Nach 45 Minuten und 15 weiteren Parabeln ist alles vorbei. Der ZERO G Airbus landet kurze Zeit später wieder sicher in Bordeaux. Jetzt müssen die in der Schwerelosigkeit gesammelten Daten zum Nutzen der Astronauten ausgewertet werden.

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