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Neue Arten in der Tiefsee

Die antarktische Tiefsee. Für die Wissenschaft noch immer so etwas wie ein schwarzes Loch. Mit jeder Forschungsreise kommt mehr Licht in das Dunkel des Lebensraums Tiefsee. Bis zu 6.000 Meter tief stoßen die Forscher mit ihren Großkastengreifern und Netzen vor. Vieles von dem, was dem Südpolarmeer dabei entlockt wird, hat noch niemals ein Mensch zuvor gesehen. Die Meeresbiologin Angelika Brandt war zuletzt auf dem Deutschen Forschungsschiff "Polarstern" in der Antarktis. Der spannendste Moment ist immer der erste Blick auf die Meerestiere, die von den Tauchrobotern mit an Bord gebracht werden. Die meisten haben den Transport wegen des gewaltigen Druckunterschiedes nicht überlebt. Doch an Bord werden größere Organismen untersucht. Fische, Seespinnen, Meeresasseln und Tintenfische. Das Fachgebiet von Angelika Brandt sind Kleinstlebewesen wie Muschelkrebse und Borstenwürmer. Für sie beginnt die eigentliche Arbeit im zoologischen Institut der Universität Hamburg. Prof. Dr. Angelika Brandt, Zoologisches Institut Hamburg: "Das ist schon relativ spannend, wenn man eine Probe dann öffnet. So ein Probenglas aufmacht, weil man ja gar nicht so genau weiß, was man zu erwarten hat. Und alle Organismen, die dann in dieser Probe drin liegen und die man findet, sind im Prinzip was ganz besonderes, besonders aus der antarktischen Tiefsee. Weil sie bisher biologisch in Bezug auf die ganzen Zusammenhänge, der verschiedenen Tiergruppen, der kleinen und der Großen noch niemals analysiert wurde."Unersetzliches Instrument, das Elektronenmikroskop. Bis zu 500-Tausendfach vergrößert es für das menschliche Auge unsichtbare Mikroorganismen. Wie diese Kieselalge. Unvorstellbare 18. tausendstel Millimeter klein. Über 700 neue Arten haben Angelika Brandt und ihre Kollegen so in den letzten Jahren entdeckt. Und dafür internationale Auszeichnungen eingeheimst. Prof. Dr. Angelika Brandt, Zoologisches Institut Hamburg: "Wenn wir eine neue Art gefunden haben, dann muss sie letztendlich ganz exakt dokumentiert werden. Das heißt: Sie wird gezeichnet. Die ganzen Extremitäten, die Mundwerkzeuge werden abpräpariert und einzeln dokumentiert. Zeichnerisch zunächst und dann aber auch beschrieben. Und dafür gibt es einen Code. Eine internationale Nomenklatur nach der Namen dann für diese neue Spezies vergeben werden. Und zusätzlich ist in dieser internationalen Schrift auch verzeichnet, dass die Typen hinterlegt werden müssen. "Dolichiscus Spinosetosus" heißt dieses von ihr entdeckte Exemplar, ein extrem winziges, aber auch äußerst wichtiges Glied in der Nahrungskette der Antarktis. Es sind solche Mikroorganismen, die in den unwirklichen Eislandschaften die Wunder des Lebens erst möglich machen. Noch birgt das Ökosystem der südlichen Polarregion viele Geheimnisse. Wissenschaftler wie Angelika Brandt lüften sie. Stück für Stück, Muschelkrebs für Muschelkrebs. Die Sammlung im zoologischen Museum Hamburg gehört zu den größten weltweit. Rote Aufkleber markieren neu entdeckte Arten. Es werden noch einige hinzukommen.

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