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Lerche oder Eule?

Der wichtigste Zeitgeber für den Menschen ist das Licht der Sonne. Mit ihrer Hilfe wird unsere Innere Uhr jeden Tag von neuem abgeglichen. Wobei Morgenlicht die Innere Uhr vorstellt, Abendlicht stellt sie nach. Da jeder Mensch ein bisschen anders tickt, braucht es diesen äußeren Zeitgeber, um im richtigen Rhythmus zu bleiben. Die Schaltzentrale unserer inneren Uhr sitzt im Gehirn, im Suprachiasmatischen Nucleus, kurz SCN, über der Kreuzung der Sehnerven nur wenige Zentimeter hinter dem Nasenrücken. Dort werden Lichtreize, die von speziellen Zellen im Auge kommen, verarbeitet und zur Zirbeldrüse weitergeleitet. Dieses System aus SCN und Zirbeldrüse beeinflusst Körpertemperatur, Blutdruck und verschiedenste Stoffwechselvorgänge. Alle anderen zeitlich getriggerten Abläufe im Körper sind diesem Komplex untergeordnet. Erst seit dem Jahr 2002 weiß man, dass die so genannten retinalen Ganglienzellen diese Lichtinformationen einfangen. Sie gibt die Signale über die Sehnerven an das SCN weiter. Auch erst seit einigen Jahren weiß man, dass die innere Uhr nicht ein abstrakter Zeitmesser im Gehirn ist, sondern dass jede einzelne Zelle des Körpers ihre eigene innere Uhr besitzt. Der Puls der Zellen wird wie alle anderen Vorgänge auch von Genen kodiert. An der Universität Basel untersuchen Forscher die zelluläre Ebene der inneren Uhr. Was sie wissen: Die innere Uhr jedes Menschen tickt verschieden. Manche gehen vor, das sind die so genannten Lerchen, andere gehen nach, diese Menschen nennt man Eulen. Christian Cajochen, Chronobiologe, Basel: "Ob wir eine Lerche oder eine Eule sind, ein Abend oder Morgentyp, hängt von unseren Genen ab und kann nur ganz im kleinen Rahmen manipuliert werden, man spricht von einer bis höchstens zwei Stunden wo sich jemand entweder nach vorne oder nach hinten verschieben kann. Natürlich müssen wir das alle machen, wenn wir arbeiten. Um 6:00 Uhr aufstehen müssen zur Arbeit, dann müssen wir unseren Chronozyklus austricksen und das geht vielleicht 5, sechs Tage, aber am Wochenende, sobald wir in der Freizeit sind, müssen wir büßen für diesen auferlegten sozialen Druck. Man spricht auch von dem sozialen Jetlag, den man dann hat am Wochenende." Eule oder Lerche: Ein Fragebogen zeigt die eigene Wahrnehmung der Testpersonen in Bezug auf Schlaf- und Aufstehverhalten. Die Wissenschaftler haben zusätzlich von jedem Probanten Gewebeproben entnommen, bei der Untersuchung zeigt sich, ob die Gene dieselbe Sprache sprechen wie der Fragebogen. Denn: Wer morgens ausschlafen darf und wer nicht, darüber bestimmen die Gene. Wer permanent gegen die innere Uhr lebt, den können starke Schlafstörungen plagen. Vor allem Jugendliche haben mit der Frühaufsteherei so ihre Probleme. Denn die Jugend ist tendenziell auf spät eingestellt. Typische Eulen. Forscher vermuten, das liegt daran, dass sie die Abendstunden noch für die Partnersuche nutzen müssen. Denn der Rhythmus der inneren Uhr verändert sich beim Älterwerden. Ältere Menschen sind tendenziell früher wach, also eher Lerchen.

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