wissen.de
Total votes: 19
VIDEO

Korbflechten auf Madeira

Im Südosten der Insel Madeira ist das Zentrum der Korbflechterei. Hier sieht man überall Felder mit Korbweiden. Diese auch als Hanf-Weide bezeichneten Bäume wurden gepflanzt, um aus ihren langen Ruten Flechtwaren herzustellen. Nur die frischen, einjährigen Triebe finden Verwendung. Sie werden von Männern geerntet, die eine auf Madeira typische Kopfbedeckung tragen: Wollmützen mit Ohrenklappen, sie sollen vor dem rauen Wind schützen.Korbflechten findet auf Madeira in kleinen Familienbetrieben statt. Es ist Saisonarbeit: im Frühjahr wird geerntet, danach beginnt das Flechten. Zuerst werden die Zweige ihrer Länge nach sortiert. Anschließend bündeln sie die Frauen. Die Bündel kommen nun in große Eisenkörbe und werden über Nacht gekocht. Nur so lässt sich die Schale ablösen. In kleineren Betrieben müssen die Weiden Zweig für Zweig von Hand geschält werden. In größeren Betrieben, wie in diesem, übernehmen Maschinen die beschwerliche Arbeit. Anschließend werden die Bündel getrocknet. Dies muss zügig gehen, damit sie ihre weiße Farbe behalten. Nun folgt die eigentliche Arbeit, das Flechten. Die Ruten sind stark biegsam und zugleich fest. Zwei Wochen dauert es bis ein großes Möbelstück, etwa ein solcher Sessel fertig ist. Auf Madeira werden aber vor allem kleinere Gebrauchsgegenstände für Touristen und für den Export hergestellt. Das sind alle Arten von Körben, Schüsseln und Gefäßen. Früher wurde nach der Flechtarbeit getanzt. Auch bei der Musik spielten die Weidenbündel als Schlaginstrument eine Rolle. Dieser Tanz erzählt von der Weidenernte. Die älteren Frauen tragen die Tracht der Verheirateten. Ein weiteres typisches Musikinstrument ist der Schellenbaum mit seinen kleinen Figuren. Die Korbflechterei ist ein uraltes und heute teures Handwerk. Auf Madeira wird es deshalb fast nur noch für Touristen am Leben erhalten.

Total votes: 19