wissen.de
Total votes: 69
VIDEO

Illegal in Paris

Paris. Eine der bedeutendsten Weltstädte keine Frage: Historisch, kulturell, international. Die logische Konsequenz: Paris ist ein Migrations-Magnet. Menschen aus 180 Nationen leben heute hier. Viele sind aus den afrikanischen Ländern, die früher von der Kolonialmacht Frankreich besetzt waren. In so manchem Viertel in Paris kommt man sich als Europäer ziemlich verloren vor. Hier kann es mit der Kamera ziemlich schnell schwierig werden, denn viele haben keine Papiere. "Das ist verboten, ihr müsst vorher fragen." "Warum macht ihr das? Man filmt keine Leute."Ungefähr 400 Tausend Illegale sind derzeit in Frankreich. Immer wieder mal will die Regierung tausende abschieben. Einer von ihnen ist Moussa. Er arbeitet seit eineinhalb Jahren in der Küche des Edel-Bistros "Marius et Jeanette" im noblen achten Bezirk. Seinen Job hat er mit gefälschten Papieren ergattert, aber jetzt kämpft er für Echte. Moussa "Ich verstehe den Unterschied nicht zwischen einem Illegalen und einem legalen Arbeiter, wenn der Illegale die selben Steuern und Abgaben zahlt wie der Legale. Sie sagen, sie wollen uns keine Aufenthaltsgenehmigungen geben. Dann dürfen sie doch unser Geld nicht nehmen."Vor dem Restaurant "Chez Papa" streiken Menschen, denen es genauso geht wie Moussa. Auch sie sind illegal in Frankreich, aber sie arbeiten seit Jahren hier, zahlen Steuern und Sozialabgaben. Eine wahrlich absurde Situation. Die Gewerkschaft "CGT" kämpft gegen diese Ungerechtigkeit und fordert Aufenthaltsgenehmigungen - nicht selten mit Erfolg: Einige haben sie schon erstritten. Moussa und seine Leidgenossen ackern meist über 50 Stunden pro Woche und verdienen dabei oft nicht einmal den Mindestlohn von 1400 Euro im Monat. Doch auch von seinem kleinen Budget schickt Moussa regelmäßig Geld an seine Familie nach Senegal. In Paris lebt er in einem prachtvollen Haus, in dem es riesige unheimlich teure Appartements gibt. Um in sein Zimmer zu gelangen, muss er sieben Stockwerke die Dienstboten-Treppe hinaufsteigen. Es ist eine typische Pariser "Chambre de bonne": Dreihundert Euro kostet sie pro Monat. Und es gibt keine Dusche oder Toilette in der Sieben-Quadratmeter-Bleibe. Sie ist zu klein und damit gesetzeswidrig. Aber Moussa ist Untermieter und als Illegaler hat er keine andere Wahl. Er hat eine Jahres-Karte für Bus und Métro, ein Konto und ist krankenversichert - nur das entscheidende fehlt: Die Papiere. Moussa "Meine Familie fehlt mir sehr. Ich fühle mich wie im Gefängnis, weil ich Frankreich nicht verlassen kann, um sie zu besuchen. Für mich ist diese Stadt kein Traum - sie ist ein Albtraum."Die Illegalen. Überall werden sie dringend benötigt - auch in den vornehmen Restaurants, denn sie stellen insgesamt neunzig Prozent des Küchenpersonals. Die Gäste bekommen davon nichts mitt. Ohne die Illegalen würden in Paris nichts mehr laufen. Und dennoch sind sie unsichtbar.

Total votes: 69