wissen.de
Total votes: 60
VIDEO

Höhlenforschung extrem - Klimaveränderungen im Dachsteingebirge

Dachsteingebirge Oberösterreich, bis zu 3000 Meter hoch und durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Das Gebirge ist von gewaltigen Hohlräumen durchzogen, eine Wassersammelstelle für das Schmelzwasser, das aus dem Hochgebirge abläuft. Doch wie viel Wasser können die Höhlen des Dachsteingebirges wirklich fassen? Eine Frage, die vor allem die Einwohner der Region beschäftigt, die immer wieder von starken Sturzfluten bedroht werden. Oft kommt die Flut völlig überraschend, erst Tage nach dem Tauwetter, wenn die Wassermassen mit Verzögerung aus den unterirdischen Höhlen austreten. Forscher sollen nun die Hohlräume mit einem modernen 3D Laser vermessen, um den Rauminhalt der Dachstein Südwand Höhle besser berechnen zu können. Langfristig soll aufgrund der ermittelten Daten ein Frühwarnsystem für Hochwasser entstehen. Die Expedition beginnt am Fuß des Dachstein Gebirges auf 1840 Metern Höhe. Geographen und Vermesser haben sich monatelang auf diesen Moment vorbereitet. Vor ihnen liegen mehrere Tage in völliger Dunkelheit. Die Bedingungen sind hart: Über 50 Meter hohe Steilwände, enge Fellsröhren, gewaltige Hallen. Die Forscher müssen mit minimaler Ausrüstung und wenigen Scheinwerfern zu recht kommen. Eine Vorhut hat bereits 7 Kilometer der Höhle erkundet und dabei Stege und Leitern angebracht. Doch die Geographen wollen diesmal noch tiefer in die Südwandhöhle eindringen, ein gefährliches Unterfangen denn das Gestein ist porös, Wasser tritt durch Ritze und Spalten in die Höhle ein. Die Funkgeräte haben längst ihren Dienst quittiert - wenn jetzt etwas schief geht ist es unmöglich Hilfe zu holen. Forschung extrem - hier sind Eiserne Nerven gefragt. Ziel der Vermesser ist der Ramsauer Dom, der größte Hohlraum des Gebirges. Zunächst werden so genannte Zielmarkenreflektoren aufgestellt, sie sind notwendig um den 3D Laser im Koordinatensystem Österreichs auszurichten. Dann kommen die Laser zum Einsatz - Hightech unter extremen Bedingungen: 4 Grad Celsius und 90 % Luftfeuchtigkeit. Werden die Vermessungsgeräte hier überhaupt funktionieren? Doch dann die Erlösung für die Forscher: Der Laserstrahl bewegt sich langsam durch die Höhle, die Wände reflektieren den Strahl, so kann am Computer ein dreidimensionales Abbild der Höhle errechnet werden. Allerdings ist der Ramsauer Dom komplizierter geformt als anfangs gedacht. Viele Vorsprünge und Risse machen dem Laser die Arbeit schwer. Das Abbild der Höhle ist dennoch sehr detailgetreu. Das 3D Modell erstaunt die Forscher, denn der Ramsauer Dom ist mit seinen 19 Metern weit höher als bisher angenommen. Die Expedition war erfolgreich, die Forscher sind einem Frühwarnsystem für die Dachsteinregion einen großen Schritt näher gekommen.

Total votes: 60