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Haie hautnah

Grand Cay auf den Bahamas. In der Shark School gibt Erich Ritter sein Wissen über Haie weiter. Der promovierte Verhaltensforscher aus der Schweiz ist überzeugt, wer den Hai hier einmal hautnah erlebt, kann sich seiner Faszination nicht mehr entziehen. Erich Ritter, Haiforscher: "Es ist kein Pandabär, der uns mit goldigen Augen ansieht, es ist kein Delphin zu dem wir einen Bezug haben. Haie sind kalte, scheinbar dumme Fressmaschinen. Wenn ich jetzt aber die Gesinnung der Menschen ändern kann. Dass sie intelligente Tiere sind, das sie neugierig sind, aber auch vorsichtig. Dann ändere ich die Gesinnung der Menschen und dann ist es viel, viel einfacher die Massen zu bewegen, dass wir gemeinsam zum Schutz dieser Tiere aufstehen." Für Ritter gibt es keine gefährlichen Haie, sondern nur gefährliche Situationen, die es zu vermeiden gilt. Die eigene Angst im Griff zu haben ist dabei entscheidend. Erich Ritter, Haiforscher: "Morgen werden wir Tiere sehen, die unter uns schwimmen, über uns aber auch auf gleicher Höhe. Keines dieser Tiere ist ängstlich, das werdet ihr sehen. Also sollte eine Abwehr wirklich notwendig sein. Das Tier an sich vorbei gleiten lassen, in dem man es wegstößt, wegdrückt, vorbei dirigiert. Aber nie einen Hai schlagen." Der erste Tauchgang mit den Haien. Seit 450 Millionen Jahren durchkreuzen die intelligenten und perfekt angepassten Räuber die Ozeane. Doch es gibt auch kaum ein Tier, das so perfekt alle unsere Urängste vereint. Das Bild des heimtückischen Killers ist tief in unsere Köpfe gebrannt. Deshalb haben Haie kaum eine Lobby. Tausende werden jeden Tag sinnlos getötet. Dabei passen Menschen gar nicht in das Beuteschema von Haien. Für sie sind wir unbekannte Objekte, denen sie neugierig, aber mit äußerster Vorsicht begegnen. Der Tauchgang: Ein friedliches nebeneinander von Mensch und Tier. Auch wenn die Haie mit der Zeit näher kommen, halten sie immer einen gewissen Abstand. Erich Ritter, Haiforscher: "Wenn wir liegen, kommen Haie wesentlich näher heran, als wenn wir uns hinstellen, obwohl es scheint, der kommt ran. Sagt mir der Computer ganz klar, dass es ein Unterschied ist. Die Haie werden nicht so nah kommen in einer vertikalen Position. Das ist natürlich sehr hilfreich, wenn man mit Leuten redet, die Angst haben. Was muss ich tun, wenn ein Hai kommt? Vertikale Position. Nicht bewegen." Rund 100 Angriffe im Jahr gehen auf das Konto von Haien. Viele wären zu vermeiden, wenn Menschen gefährliche Situationen einschätzen und umgehen könnten. Doch bei aller Vorsicht: Auch Ritter wurde schon gebissen, seitdem fehlt ihm eine Wade. Es passierte, als Ritter im flachen Wasser umgeben von Haien ein Interview gab. Eigentlich eine Situation mit kalkulierbarem Risiko. Erich Ritter, Haiforscher: "Wenn man so etwas macht, dann gibt es einen heiklen Punkt, das sind die Haie, die von hinten kommen. Und dafür hatte ich immer eine Person eingestellt, die nichts anderes zu tun hatte, als mir zu sagen, wer von hinten kommt und welche Distanz. Und dieser Spotter hat einfach den Job nicht gemacht, hat etwas anderes getan als mir zu sagen, wer kommt und wie nahe und ich wurde gebissen. Also einmal mehr wurden die Haie für etwas bestraft woran sie keine Schuld haben." Böser Hai beißt lieben Wissenschaftler. In den skandalträchtigen Schlagzeilen nach dem Unfall war für Ritters These vom menschlichen Versagen kein Platz. Er selbst aber war kurze Zeit später schon wieder bei den Haien im Wasser.

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