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Gefährliche Fracht

Hauptumschlagplatz in Europa für Waren aus Fernost ist der Hamburger Hafen. Neun Millionen Container kommen hier jedes Jahr an, 25.000 am Tag. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie enthält fast jeder fünfte Container erhöhte Schadstoffkonzentrationen. Viele sind derart belastet, dass sie als hoch gefährlich, sogar lebensbedrohlich, eingestuft werden. Besonders Restgase aus dem Herstellungsprozess der Waren werden beim Entladen zum Problem: "Die Ware wird frisch produziert in die Container gepackt, ist dort sehr eng gepackt, und hat dann während der Reise nach Europa, nach Deutschland, Zeit auszudunsten. Wir haben sehr hohe Konzentrationen gehabt bei Textilien und auch bei Schuhen. Schuhe, die im Ausland hergestellt werden mit benzolhaltigen Klebstoffen. Das ist hier bei uns einfach nicht erlaubt. Dieses Benzol dünstet dann während der Seereise in kompakten, verschlossenen Containern aus, und dann kommt es natürlich zu entsprechend hohen Konzentrationen von Benzol beim Öffnen des Containers." 600 Mitarbeiter des Zolls und der Gesundheitsbehörde kontrollieren die Ladungen. Ihr Job: Das Aufspüren vergifteter Waren und Container. Hier wird gerade eine Messung vorbereitet. Mit dem mobilen Gerät können Gase innerhalb von Sekunden in einem geschlossenen Container aufgespürt werden. Jedes Röhrchen misst ein eigenes Gas. Neben den eigentlichen Waren liegt das Problem oft in der Verpackung. Denn Behälter aus Übersee müssen, wenn sie Verpackungsmaterial aus Holz enthalten, vor dem Transport mit Chemikalien begast werden. Diese Methode gegen Schädlinge erfolgt oft unsachgemäß. Daher landen hier jedes Jahr zehntausende Container mit hochgiftigen Verpackungen. Ein neues Schleusensystem, im Hamburger Hafen weltweit zum ersten Mal installiert, soll Abhilfe schaffen. Das Prinzip ist einfach und effizient: Die Container werden an einen luftdichten Raum vor dem Terminal angedockt und geöffnet. Durch ein Lüftungssystem entweichen die Gase dann binnen Minuten ins Freie. Detlef Boels, Amt für Arbeitsschutz Hamburg: "Jetzt sind beide Container weit geöffnet. Hier ist die Verbindung zum Arbeitsraum geschlossen, so das keine Gefahr besteht, dass Schadstoffe hier in diesen Arbeitsraum gelangen." Trotz modernster Technik: Bei 25.000 Containern pro Tag gleicht das Aufspüren schadstoffhaltiger Produkte auch am Hamburger Hafen oft der berühmten Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

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