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Die Tradition des Wasserpuppenspiels in Hanoi

Unter den kritischen Blicken seines Urgroßvaters schnitzt der zwölfjährige Long an einem Stück Feigenholz. Es soll eine Marionette werden für eine Kunst, die es nur in Vietnam gibt: Das Wasserpuppentheater. Dessen Geheimnisse werden streng geheim gehalten und immer nur von Vätern an Söhne weitergegeben. Töchter könnten nach ihrer Hochzeit ja in die Fremde heiraten und Tricks verraten. Ur-Opa "Ich bin schon alt und werde aufhören. Aber ich werde das Handwerk an den Nachwuchs weiter geben. Sie sollen die Puppen herstellen können und auch Stücke vorführen."Longs Familie behauptet, direkte Nachfahren des Erfinders der Wasserpuppen zu sein. Dieser hat schon im 11. Jahrhundert Figuren aus Feigenholz geschnitzt und wasserfest bemalt um sie im Dorfteich tanzen zu lassen. Seit tausend Jahren ist das Spiel damit schon Bestandteil der Familientradition. Long steht kurz vor seiner Premiere. Long "Heute darf ich zum ersten Mal bei einer Vorstellung mitarbeiten. Ich bin ziemlich aufgeregt, ich weiß nicht, ob ich alle Erwartungen erfülle."Long hat nicht nur Angst seinen Einsatz zu verpatzen, sondern auch dass ihm die Kräfte ausgehen könnten. Eine einzige Wasserpuppe wiegt schon 15 Kilogramm. Größere Figurengruppen, die sich synchron bewegen, können sogar bis zu 100 Kilo schwer sein. Nun geht es los.Im 30 Kilometer entfernten Dorf Dong Nu werden die Puppenspieler schon sehnsüchtig erwartet. Früher hatten viele Dörfer rund um die Hauptstadt Hanoi eine Theatertruppe. Schon immer war das Wasserpuppenspiel eine Tradition des Nordens. Das Publikum bekommt von Long und seinen Kollegen nur Schatten zu sehen. Hinter einem geflochtenen Bambus-Vorhang organisieren sich die Puppenspieler auf einem schmalen Steg. Longs Großvater präpariert die Marionetten mit Knallkörpern. Es sind Geschichten, bei denen sich Feuerwerk und Wasserfontänen mischen, und bei denen sich die Puppenspieler Blutegel und Rheuma einhandeln, denn bei der Vorstellung stehen sie bis zur Hüfte im Wasser. Feuerspeiende Drachen spielen wie so oft in der vietnamesischen Kultur auch hier eine zentrale Rolle. Der Drache steht symbolisch für den Kaiser, eine Schutzfigur des einfachen Volkes. Drache heißt übersetzt Long - so wie der junge Puppenspieler. Das Publikum kennt alle Figuren und Abläufe, denn Handlung und Musik der Stücke sind immer wieder gleich. Es sind Geschichten aus dem Alltag, Märchen und Legenden. Am Ende der Vorstellung zeigen die Puppenspieler ein Ballett. Durch verborgene Schnüre ist dabei die ganze Marionettengruppe verbunden. Am Ende applaudieren sich Publikum und Akteure zu. Long ist überglücklich, dass er jetzt aufgenommen ist als richtiger Wasserpuppenspieler.O-Töne Long und sein Onkel "Ich bin ganz zufrieden mit meiner Arbeit. Ich freue mich sehr. Großonkel, bist du auch zufrieden?" "Ja, das hast du für das erste Mal gut gemacht. Später kannst du noch besser werden, damit unsere Familie und deine Heimat stolz auf dich sein können."Long muss weiter spielen, sich die Anerkennung seiner Familie weiter erarbeiten. Und irgendwann wird auch er das Geheimnis des Wasserpuppentheaters an seine Nachfahren weitergeben.

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