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Die Regenwälder der Meere: Das Leben am Riff

Eine Insel auf einem Korallenriff der Südsee: Korallenriffe sind die größten Bauwerke der belebten Natur. So wundervoll sie aussehen: sie sind kein Paradies. Zahlreiche Jäger und eine gnadenlose Konkurrenz sorgen hier für einen ständigen Kampf ums Überleben. Unglaubliche Formen und Farben haben die Lebewesen hier entwickelt, nicht umsonst nennt man die Korallenriffe die „Regenwälder der Meere“.Karte:Fakarava: Das Atoll von Französisch Polynesien gehört wegen dem Reichtum seiner Ökosysteme zu einer von der UNESCO als schützenswert eingestuften Biosphäre. Atolle sind ringförmige Korallenriffe, die einen Saum schmaler Inseln bilden können. Ein Korallenriff ähnelt einer Großstadt unter Wasser. Viele Fische nutzen hier den Schutz, den die Versammlung im Schwarm bieten kann, während noch kleinere Fische sich zwischen den Korallen in Sicherheit bringen können. Baumeister dieser Riffe sind die Korallen, winzige Polypen, die sich von Plankton ernähren.Die Korallen leben in Symbiose mit winzigen Algen. Die Algen arbeiten für die Polypen wie das Chlorophyll in den Blättern der Pflanzen. Sie nutzen das Sonnenlicht, um Energie zu gewinnen.Und wie das Chlorophyll die Blätter grün färbt, gibt auch die Alge der Koralle ihre Farbe. Diese Lebensweise erklärt auch, dass die Riffe dem Sonnenlicht entgegen wachsen und dass sie nur im lichtdurchfluteten Flachwasser gedeihen können.Korallenriffe sind die Grundlage für hochkomplexe Ökosysteme. Das Riff selbst besteht aus verhältnismäßig wenigen verschiedenen Korallen - es gibt nur circa 5.000 Korallenarten - aber 20.000 Fischarten die in den Korallenriffen leben. Es sind also wenige Korallenspezies die eine riesige Vielfalt ermöglichen. Bei ihrer Nahrungssuche bauen manche Arten tatkräftig das Riff um. Dieser Gelbsaum-Drückerfisch (Pseudobalistes flavimarginatus ) sucht in den Steinkorallen nach Beute. Auch Sand-Lippfische lassen keinen Stein auf dem anderen wenn es um eine schmackhafte Mahlzeit geht. Der Napoleon-Lippfisch (Cheilinus undulatus) ist ein richtiger Gigant unter den Riffbewohnern. Er kann über 2 Meter groß werden und fast 200 Kilo schwer. Wenn er unter den Korallen nach Nahrung sucht zeigt er, was er für ein Muskelprotz ist. Einer der prächtigsten Rifffische ist der Papageienfisch.Sein Name stammt von dem krummen Schnabel, der an einen Papagei erinnert. Mit seinem Papageienschnabel schabt er die Korallen ab, um an die Algen zu gelangen. Das Gemisch aus Algen und Korallen schluckt er hinunter. Daher besteht sein Kot fast ausschließlich aus Korallensand. Deshalb ist der Fisch für den meisten Sand verantwortlich, den man im Riff antrifft!Dieser Sand stabilisiert das Riff und bietet wiederum einem ganz eigenen Ökosystem die Grundlage, denn darin wachsen wiederum Kleinstlebewesen heran. Die Varianten der Riffbewohner bei der Nahrungsbeschaffung sind vielfältig: Ein kleiner Fisch aus der Familie der Riffbarsche (lat. chromis / microspathodon) pflegt hier seinen eigenen Garten aus Algen.Algen können am Riff nur dort wachsen, wo keine Korallen sind oder wenn die Korallen tot sind.Überall sonst werden Algen sofort abgefressen aber dieser Fisch scheint seine eigene nachhaltige Farm zu betreiben und verteidigt sie aggressiv gegen Eindringlinge. Dabei knurrt er furchterregend. Auch für die Körperpflege gibt es bestimmte Orte, wo Putzerfische auf Gäste warten:Sie fressen die Parasiten von der Hautoberfläche und aus den Mündern und Kiemen der anderen Fische. Gerade am Riff lohnt sich die Zusammenarbeit von völlig verschiedenen Tierarten: Der Imperator-Kaiserfisch (Pomacanthus imperator ) lässt die viel stärkere Karettschildkröte für sich arbeiten, die unter den Korallen nach Schwämmen sucht und dabei ganze Teile der Koralle abbricht. Für den Kaiserfisch ideal: denn er ist auf der Jagd nach kleinen Krebstieren, die für ihn abfallen! Manche Fische nutzen die Tarnung und den Schutz anderer Arten: Diese Stachelmakrelen (lat: Carangidae/engl.: Jack) gehen im Schatten eines großen Napoleonfisches auf die Jagd. Die Silberspitzenhaie haben es mit einer ganzen Meute von Verfolgern zu tun:es gibt unterschiedliche Interpretationen für das was hier passiert: Entweder die Stachelmakrelen drängen den Hai aus ihrem Gebiet oder sie säubern sich an seiner rauen Haut. Dieser Trompetenfisch nutzt einen Rochen, um in einem Gebiet zu jagen, in dem er sich schlecht verstecken kann. Er gibt sich geschickt als Teil des Rochens aus. Denselben Trick wendet sein Kollege bei einem Zackenbarsch an. Korallenriffe sind durch die Erwärmung und Verschmutzung der Meere akut in Gefahr. Man schätzt, dass ungefähr 20% der Riffe schon verschwunden und ungefähr 30-40 Prozent stark gefährdet sind. Für den Schutz der letzten intakten Riffe ist es höchste Zeit.

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