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Design aus Qatar

Durch die Gesellschaft Qatars geht ein Ruck. Denn viele Frauen wollen sich mit der ihnen zugewiesenen Rolle nicht mehr länger zufrieden geben. Auch Mona Sulaiti strebt ihre eigene Karriere an. Nicht einfach in einem Land, dass in wenigen Jahrzehnten den Wandel aus einer von Beduinentraditionen geprägten Umgebung in eine moderne Urbanität schaffen musste. Mona Sulaiti:"Alles verändert sich, wir sind im Wandel und wir Frauen sollten an dieser Veränderung mitwirken." Mode aus Qatar war die Vision von Mona Sulaiti. Damals musste sie bei Null anfangen. Es gab in Katar kein Modehaus, also flog sie nach Paris und London, um sich auf den neuesten Stand in Sachen Mode zu bringen. Das war der Anfang - heute entwerfen neun Designerinnen für Mona Sulaitis Modelabel YD09. Für das traditionsbewusste Emirat, wo gewerbliche Arbeit als unschicklich für Frauen gilt, ist das fast ein Skandal. Mona Sulaiti"Ich habe mit meiner eigenen Firma überraschende Erfahrungen gemacht. Anfangs schlug mir nur Ablehnung von den Familien entgegen. Wieso ich denn ihre Töchter in einem Atelier arbeiten lassen wollte. Aber jetzt ein Jahr später, wo wir mit unserer Kollektion erfolg haben, sind sie plötzlich enthusiastisch und voller Lob für meine jungen Designerinnen. Es braucht halt Zeit." Hinter diesen Mauern wird gewissermaßen im Auftrag der Krone geschneidert. Die Frau des Herrschers befand vor Jahren, dass ihr kleines Land auch eine Hochschule für Gestaltung braucht. Langsam gewöhnt sich die Gesellschaft auch daran. Sandra Bell Wilkins, Professorin"Die Studentinnen arbeiten im Designstudio oft noch nach Vorlesungsschluss. Als ich hier vor neun Jahren anfing, war das undenkbar, die Eltern hätten das nie erlaubt. Also sie übernehmen nach und nach ein typisch westliches Arbeitsethos und tragen das auch in ihre Gesellschaft hinein, das wird der Wirtschaft zu gute kommen." Mona Sulaiti stammt aus einer einflussreichen Familie. Sie heiratete bereits mit 13 weil ihr Vater das so wollte. Die Mutter von drei Kindern versucht täglich aufs Neue die Tür für eine aktivere öffentliche Teilnahme der Frauen am Leben weiter zu öffnen. Mona Sulaiti:"Leider finanzieren wir noch alles selber, alles auf eigenes Risiko. Aber ich weiß, dass meine Designerinnen gut sind. Ich glaube an dieses Projekt, deshalb habe ich auch auf den ach so angesehenen Job an der Uni und all den Glanz verzichtetet und hab das hier aufgebaut. Ich will der Gesellschaft beweisen, dass wir das können, dass wir gut genug sind um am Markt bestehen zu können."In den noblen Einkaufzentren von Doha, wird YD 09 inzwischen auf derselben Etage geführt wie internationale Nobelmarken. Die ersten Schritte hat Mona Sulaiti schon gemacht. Aber es ist immer noch ein langer Weg.

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