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An der Nase rumgeführt, Duftmanipulation

Wo auch immer wir uns aufhalten, wir sind von Gerüchen umgeben. Wir riechen. Etwa 30 Millionen Riechzellen sind dafür in unserer Nase angelegt. Und was wir riechen, beeinflusst unser Tun. Ob wir wollen oder nicht. Denn Düfte wirken unbewusst. Hans Hatt, Uniklinik Bochum: "„Also Düfte haben einen direkten Zugang zu den ältesten Teilen unseres Gehirns also vor allem zum limbischen System, wie man sagt, dem Hypothalamus, dem Hippocampus, das sind die Teile, wo das Gedächtnis lokalisiert ist, aber auch Empfindungen und - äh - dann Emotionen, Stimmungen.“ Die Industrie will diesen Mechanismus mit Duftmarketing nutzen." Hans Hatt, Uniklinik Bochum„: "„Wir können zum Beispiel direkt mit Düften Erinnerungen auslösen, das ist schon bekannt, aber wir können auch richtig unsere Gefühle steuern, wir können vielleicht selbst so etwas wie Liebe produzieren und wir können mit Düften natürlich auch Entscheidungen beeinflussen, obwohl wir es gar nicht wissen, denn den Duft nehmen wir gar nicht bewusst wahr und trotzdem wird eine Entscheidung durch diese Erinnerung an den Duft eben in einer bestimmten Weise gelenkt und beeinflusst.“ Der Duft von Sonnencreme im Reisebüro etwa soll an den letzten Urlaub erinnern, der Geruch frischer Backwaren Appetit machen. Ist so etwas schon Verbrauchermanipulation?" Hans Voit, Spezialist für Duftmarketing„: "„Jedes Hochglanzprospekt, jede freundliche Verkäuferin ist, wenn sie so wollen, eine Manipulation, wir sagen Stimulation dazu. Nur ist es so, uns gelingt es nicht – leider oder Gott sei Dank, wie sie es wollen – dass sie sich jetzt 3 Kleider kaufen, obwohl sie nur eins wollten oder die Oma sich einen Porsche kauft, weil es dort riecht.“" Duft ist nicht nur ein großer Verführer, er hat auch positive Seiten. Etwa wenn Orangenduft beim Zahnarzt die Angst vor dem Bohrer nimmt oder die Klimaanlage mit Pfefferminzaroma gegen die Ausdünstungen von tausenden von Menschen kämpft. Der Einsatz von Düften bleibt trotzdem fraglich. Carel Mohn, Bundesverband der Verbraucherzentrale„: "„Das Problem ist, die Bürger, die Menschen, die Verbraucher, die sich da aufhalten, die wissen das nicht. Wir würden uns auch beschweren, wenn wir gefilmt werden von Videokameras in öffentlichen Räumen und uns wird das nicht mitgeteilt, wir erfahren das nicht, das ist ein Bürgerrecht und genauso gibt es eben auch das Bürgerrecht zu erfahren, was sonst mit meinem Körper passiert.“" Verbraucherschützer fordern, die Beduftung kenntlich zu machen. Denn eine permanente Beduftung über die Klimaanlage im Büro kann zum Beispiel auch zum Problem für die Gesundheit werden. Carel Mohn, Bundesverband der Verbraucherzentrale„: "„Man weiß, dass in der Luft vorhandene Duftstoffe auch Allergien auslösen können und insofern ist die Forderung ganz klar, dass wenn man es in der Hand hat, darauf verzichten sollte, die Risiken minimieren sollte und heißt konkret eben diese Stoffe eben nicht in die Luft einbringen.“" Damit wir nicht länger an der Nase herumgeführt werden, wollen Verbraucherschützer die Gesetzeslücke schließen.

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