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Der Lügendetektor der Zukunft

Neurowissenschaftler versuchen überall auf der Welt, die Geheimnisse unseres Gehirns zu lüften. Erfolgreich tasten sie sich immer weiter vor. In Berlin, am Bernstein Center of Computational Neuroscience, setzen die Wissenschaftler auf ein neues Gebiet der Hirnforschung, die Computergestützte Neurowissenschaft. Sie verbindet Experiment, Datenanalyse, Computersimulation und Theoriebildung miteinander. Physiker, Biologen und Informatiker arbeiten hier eng zusammen. Das Ziel des Neurophysikers John-Dylan Haynes und seiner Kollegen: Gedanken lesen. Dazu entwickeln sie immer kompliziertere Versuche. Die Frage: Kann man an der Hirnaktivität erkennen, ob ein Mensch bestimmte Räume schon einmal gesehen hat? Eine Person besucht vier virtuelle Häuser, anschließend werden ihr im Scanner die vier bekannten und dazu vier fremde Häuser gezeigt. Ein neu entwickeltes Softwareprogramm kann die Muster im Gehirn nicht nur einzeln erkennen, sondern sie auch in Verbindung zueinander setzen. In rund 30.000 Arealen im Gehirn wird gleichzeitig der Informationsaustausch gemessen. Die Wissenschaftler waren selbst verblüfft vom Ergebnis. Bei 9 von 10 Personen konnten sie genau sagen, welches Haus die Testpersonen gesehen hatten und welches nicht. So könnten zum Beispiel die Lügendetektoren der Zukunft aussehen. Tatorte würden virtualisiert und im Scanner würde man genau erkennen, ob die Verdächtigen hier schon einmal waren. Die Wissenschaftler wissen, dass ihre Arbeit sehr unterschiedlich genutzt werden kann. John-Dylan Haynes, Hirnforscher: "Es gibt so ein ethisches Kontinuum bei dem Problem. Auf der einen Seite können wir die Absichten einer Person auslesen, die zum Beispiel ein künstliches Gliedmaß steuern möchte mit ihrer Gedankenkraft. Das heißt, ich stelle mir jetzt jemanden vor, der sich nicht mehr bewegen kann und kommunizieren möchte und einen künstlichen Arm zum Beispiel steuern möchte, so jemandem wollen wir natürlich helfen. Wir wollen dieser Person, die Hilfe, die wir ihr geben können mit unserer Forschung geben können nicht verwehren. Auf der anderen Seite haben wir auch Anwendungen, die umstritten sind, wir haben zum Beispiel die Lügendetektion." Auch wenn das menschliche Gehirn noch lange nicht entschlüsselt ist, so gibt es doch viele neue Erkenntnisse. Daraus entstehen Chancen, aber auch Gefahren. Die Forschung fördert das Verstehen, aber sie macht den Menschen auch gläsern.

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