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Das Gold der Kolchis

Georgien: Der Berg von Sakdrissi, etwa 50 Kilometer südwestlich von Tiflis. Der Montanarchäologe Professor Thomas Stöllner vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum stößt hier unter Tage auf seltsame Schächte, ein Labyrinth von engen Stollen und Gängen. Stöllner und seinen Kollegen wird sehr schnell klar, dass sie ein sehr altes Bergwerk entdeckt haben, in dem vor langer Zeit Menschen einer Erzader hinterher gruben. Der Zugang muss von oben erfolgt sein. Deshalb setzen die Archäologen auch da die Schaufel an und stoßen auf den alten Eingang in den durchlöcherten Berg. Zunächst muss der ganze Schutt raus. Dabei wird auch ein auffälliger Stein freigelegt, ein primitives Werkzeug. Damit schlugen sich die frühen Bergleute womöglich durch den harten Fels. Prof. Thomas Stöllner, Montanarchäologe: "Man muss mit sehr aufwendiger körperlich anstrengender Arbeit in sehr engen Gängen, mit Steinschlägel dieser Art, wie wir sie hier sehen, muss man das gewinnen und wir sehen schon, dass sie die Gerätekultur sehr stark an diese Gänge anpassen. Wir finden ganz spezialisierte Schlegeltypen, die praktisch gerade auf diese sehr schmalen Gänge ausgerichtet sind." Mit einfachen Steinwerkzeugen wurden 70 Meter lange Stollen in den Fels gehauen. Wo es zu eng wurde, schickte man Kinder vor. Die Erzprobe aus der Tiefe wird später im Labor den Grund dieser Schufterei verraten. Sie enthält fürs bloße Auge unsichtbar: Gold. Stück für Stück entschlüsselt das Team um Thomas Stöllner die Technologie der ersten Goldkumpel. Die Archäologen finden Holzkohle, die die Bergleute früher für Sprengungen benutzt haben müssen. Das unscheinbare Stück lässt sich mit der C14 Methode datieren. Das Ergebnis ist unglaublich. Die Holzkohle ist 5000 Jahre alt. Eine Sensation. Thomas Stöllner und seine Kollegen haben das wohl älteste Goldbergwerk der Menschheit entdeckt. Eine technische Meisterleistung in der frühen Bronzezeit. Stöllner beginnt mit der Vermessung. Er will herausfinden wie groß und weitreichend das dunkle Labyrinth unter Tage tatsächlich ist. Zum Einsatz kommt ein mobiler Laserscanner. Durch die Analyse der Daten wird schnell klar: Die Gänge folgten präzise den goldführenden Erzadern. Prof. Thomas Stöllner, Montanarchäologe: "Sakdrissi ist das älteste Goldbergwerk der Welt und es ist das erste, in der wir eine Technologie studieren können, die wir dann Tausend Jahre später ganz weit verbreitet in der alten Welt finden. Und das finden wir hier zum ersten Mal auf einem hohen technologischen Niveau. Wir haben, dass muss man sich vorstellen, ein Bergwerk, das 25 Meter tief geht. Das ist Weltspitze und für uns natürlich faszinierend zu sehen. Das man dem Gold mit so viel Aufwand, mit so viel Spezialisierung nachgegangen ist." Dass in der frühen Bronzezeit schon Gold in Stollen abgebaut wurde, überrascht die Wissenschaft weltweit. Unglaublich, aber die Funde beweisen eine perfekt organisierte 5.000 Jahre alte Goldindustrie am Kaukasus.  

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