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Carrara-Marmor

Italien: 1.000 Meter hoch gelegen, der Marmorbruch von Canalgrande. Man ist hier nicht besonders zimperlich mit der Natur. Schweres Gerät setzt dem weißen Marmor zu: 60.000 Tonnen im Jahr werden hier abgebaut. Das ist 10 mal soviel Marmor wie noch vor 10 Jahren. Im Raum Carrara gibt es etwa 150 solcher Steinbrüche. Roberto Bombarda, Marmorbruch Canalgrande"Ich gebe ja zu, was die Umwelt angeht sieht das hier nicht sehr schön aus. Andererseits in unseren Genossenschaften hier arbeiten 7-800 Leute, das sind 700-800 Familien. Aber irgendwie, ja - wir verfrühstücken hier unser Naturerbe." Die Welt hungert nach dem Stein aus Carrara: Fußböden, Badezimmer und Fensterbänke werden hier abgebaut. So mancher Marmorblock reist per Schiff nach China, wird dort zugeschnitten und taucht als Platte oder Fliese in europäischen Baumärkten wieder auf. Der Marmor aus Canalgrande eignet sich besonders für Außenarbeiten. Er widersteht der Witterung, dem Menschen hingegen widersteht er nicht. Noch ein paar Jahre, dann ist auch dieser Gipfel verschwunden. Die Steinbrüche Carraras wurden vor ca. 2.000 Jahren, zur Zeit des Augustus entdeckt. Hier am Monte Altissimo hat schon das Bildhauergenie Michelangelo Marmor brechen lassen. Michelangelos Nacheiferer, heute kommen sie aus ganz Europa. Es sind allerdings vor allem die Ausländer, die Schönheit und Wert der Natur in dieser Ecke der Toskana zu schätzen wissen. Ihr Material holen sie nicht vom Berg, sondern aus dem nahegelegenen Fluss. Peter Rosenzweig, Bildhauer "Dieses Tal wurde vom Meister Michelangelo Buonarroti erschlossen und Teile der Steine, die wir hier sehen, die wir auch sammeln für unsere Arbeit, kommen aus Abbautätigkeit von vor 500 Jahren." Marmor aus dem Flussbett, das ist natürlich nichts für die Industrie. Aber so sehr sie den Marmorbergen auch zusetzt, das Umweltbewusstsein hat sich auch in der Industrie verändert:Peter Rosenzweig, Bildhauer "Vor 20 Jahren noch wurde da ziemlich rumgesaut, es wurde in den Fluss entsorgt, Sägeschlamm, der auch teilweise giftig ist und das wird heute alles nicht mehr gemacht. Man versucht also und das gelingt auch im großen Stil, die Industrie zu einer Moral zu bewegen, die sich selbst kontrolliert, selbst säubert. Und das funktioniert auch recht gut." Jahrtausende baut man nun schon in Carrara den weißen Marmor ab, allerdings nie so effizient wie heute. Das Resultat sieht man vielerorts schon von weitem.

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