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Boomtown McMurray

Riesige Ölvorkommen machten aus dem kleinen Nest Fort McMurray in der kanadischen Provinz Alberta die Boomtown schlechthin. Noch vor 10 Jahren galt das ehemalige Trapperdorf als verschlafene Kleinstadt in der Wildnis. Inzwischen hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Den Zuwachsraten stehen die Folgen des Booms gegenüber. Melissa Blake, Bürgermeisterin: "Wir sind extrem gefordert: Uns fehlen Mitarbeiter, die Steuereinnahmen sind zu gering und alles passiert zur selben Zeit. Wir brauchen nicht eine Straße sondern zehn. Wir brauchen kein normales Krankenhaus, sondern eins für 100.000 Menschen. Die Wasser- und Abwasserversorgung der Stadt muss funktionieren, sonst geht etwas schief."Das größte Problem: Die Wohnungsnot. Es gibt nicht genügend Raum für all die Glückssucher. Tausende Ölarbeiter führen ein provisorisches Leben auf dem Campingplatz. Um die Wohnungsnot einigermaßen zu lindern, werden jährlich etwa 1.600 dieser Häuser hochgezogen. Gebaut wird auch bei minus 30 Grad. Das Wachstum kennt keine Gnade. Erst recht nicht bei den Preisen: In fünf Jahren stieg der Wert eines Einfamilienhauses von 100.000 auf über 600.000 Dollar. In Kanadas teuerstem Ort findet trotzdem jedes Haus sofort einen Käufer. Wer nicht bereit ist so viel Geld auszugeben, der findet vielleicht ein kleines Zimmer in den Camps der Ölfirmen. Bis zu 20.000 Menschen wohnen in diesen Containern. Sie kommen nicht um hier zu leben sondern um zu arbeiten. Denn im Ölbusiness sind die Gehälter sehr hoch. Hier verdient man umgerechnet 100.000 Euro pro Jahr. Kein Wunder, dass in dieser Stadt keiner mehr als Kellner, Elektriker oder Arzt arbeiten will. Die meisten wollen nur das eine: Möglichst schnell zum großen Geld kommen. Und dafür stehen sie hier morgens und abends stundenlang im Stau. Viele wollen in der Ölindustrie nur so lange arbeiten, bis sie ihr Konto gut gefüllt haben.Doch das schelle Geld hat seine Schattenseiten: Die Drogen- und Kriminalitätsrate von Fort Mc Murray zählt zu den höchsten in Kanada. Die Ölsandindustrie hat das Leben in Fort Mc Murray auf den Kopf gestellt. Die Stadt, die im Volksmund längst Fort Mc Money heißt, kämpft mit den Schattenseiten des Ölbooms.

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