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Beben in Sicht

Die Wahrscheinlichkeit, dass Tokyo in den nächsten 30 Jahren von einem starken Beben erschüttert wird, liegt nach Meinung von Erdbebenforschern bei 70%. Man rechnet mit dem Schlimmsten: Ein Beben am frühen Abend um 18:00, dem Beginn der Rush Hour, würde nach Meinung von Experten fast 10.000 Todesopfer fordern. Das Ausmaß der Schäden ist kaum absehbar. Besonders gefährdet: Öffentliche Plätze wie Strassen, Bahnhöfe, vor allem aber volle Züge. Um das Fahrverhalten der Eisenbahn bei Erdbeben zu erforschen, werden Züge in Simulationen Erschütterungen ausgesetzt. Unterschiedliche Arten von Erdbeben erzeugen unterschiedliche Reaktionen des Fahrgestells. Nicht nur die Stärke des Bebens ist relevant. Auch die dadurch entstehende Erdbewegung und die Geschwindigkeit des Zuges. Die Gefahr der Entgleisung ist dabei sehr hoch. Aoki Toshiyuki, Ingenieur "Es ist extrem wichtig im Falle eines Erdbebens die Bahn zum Stehen zu bringen bevor es stark zu beben beginnt,. Die Bahn sollte bereits vor dem Auftreten eines Erdbebens gewarnt werden, damit sie früh genug reagieren kann. Seit kurzem stehen uns dafür seismographische Daten des nationalen Amtes für Meteorologie zur Verfügung." Am nationalen Erdbeben-Forschungsinstitut in Tsukuba laufen die seismographischen Daten aus dem ganzen Land zusammen. Hier werden sämtliche Erdstöße registriert. Japan hat weltweit die meisten spürbaren Beben zu verzeichnen. Jedes der Kügelchen stellt ein Beben dar, in unterschiedlichen Tiefenschichten. Shin Aoi ist Chef des seismografischen Zentrums, er ist Herr über ein Netz von mehr als 2.000 Sensoren, verteilt über das ganze Land. Die Seismographendichte wurde nach dem Kobe-Beben 1995 massiv ausgebaut. Ziel ist es, alle Erdstöße zu erfassen, um die Struktur der Beben zu analysieren und die Auswirkungen zukünftiger Beben besser kalkulieren zu können. Seit einigen Jahren hat sich jedoch der Schwerpunkt der Erdbebenforschung verändert. Shin Aoi, Erdbebenforscher "Dadurch das Erdbeben in der jüngsten Vergangenheit in Japan viele Opfer gefordert haben, wird die Erdbebenforschung nicht mehr nur als reine Wissenschaft verstanden. Es wird zunehmend die Entwicklung von Technologien gefordert, die Menschenleben retten können. Dazu gehören auch Vorwarnsysteme, alleine dadurch können die Schäden eines Bebens nicht vermieden werden, Aber wenn wir auch nur einige Sekunden vor dem Beben gewarnt werden, könnten Menschen sich in Sicherheit begeben, Maschinen abgeschaltet oder Züge zum Stehen gebracht werden." Die Analysen zeigen, dass sich vor der eigentlichen zerstörerischen Erdbebenwelle eine kaum spürbare Primär-Welle mit niedrigen Frequenzen schneller ausbreitet. Wenn man sie erfasst, kann man die verbleibenden Sekunden bis zum Eintreffen des eigentlichen Bebens und dessen Stärke berechnen. Die Daten aus dem Lagezentrum werden nach Eintreffen unmittelbar zum Kontrollzentrum der Bahn geleitet. Japans Forscher hoffen, so die Zahl der Opfer bei zukünftigen Beben zu begrenzen.

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