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Versprecher

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In seiner “Psychopathologie des Alltagslebens berichtet Sigmund Freud vom Präsidenten des österreichischen Abgeordnetenhauses, der eine Sitzung mit folgenden Worten eröffnete: “Hohes Haus! Ich konstatiere die Anwesenheit von so und soviel Herren und erkläre somit die Sitzung für geschlossen! An anderer Stelle führt Freud an, dass ein Angestellter, der einen Vorschuss bekommen wollte, seine Rede mit den Worten “Sehr geehrte Vorschussmitglieder anstelle von “Vorstandsmitglieder begann. Mit Beispielen wie diesen begründete der “Vater der Psychoanalyse sein bekanntes Erklärungsmodell für Versprecher, wonach das Unbewusste dem Sprecher einen Streich spielt und verdrängte Gedanken durch Versprecher ans Licht kommen. Laut Freuds Interpretation wünschte sich der Redner im ersten Fall also, die Sitzung zu beenden statt sie zu eröffnen. Obwohl der Begriff “Freudscher Versprecher weit verbreitet ist, beschreibt er lediglich diese spezielle Gruppe sprachlicher Fehlleistungen, die nur einen kleinen Teil aller Versprecher ausmachen. Und eine wissenschaftliche Untermauerung der Freudschen Wunsch-These steht bis heute aus.

Da der Sprachproduktionsprozess für uns nicht zugänglich ist, können wir nur schwer herausfinden, was genau zwischen der Intention einer Mitteilung und der Artikulation geschieht. Die beste Möglichkeit, Licht in diese Vorgänge zu bringen, bieten Versprecher. Sie ermöglichen interessante Rückschlüsse, da sie zeigen, welche sprachlichen und semantischen Einheiten in den einzelnen Stadien gebildet werden.

Sprachproduktion

Eine der Funktionen von Sprache ist es, Gedanken darzustellen und mitzuteilen. Sämtliche Sprachproduktionsmodelle gehen dabei von mindestens drei Stufen aus: Am Anfang steht die gedankliche und inhaltliche Planung, in der darauf folgenden Phase bekommen die Inhalte ihre richtige sprachliche Form, bevor zum Schluss die sprachlichen Formen in Laute umgewandelt und ausgesprochen werden. Wenn wir sprechen, planen wir unsere Äußerungen zwar bewusst, die Ausführung geschieht jedoch ohne bewusste Kontrolle. Solange keine Probleme auftreten und das ist normalerweise der Fall , benötigen wir auch keine Kontrollmechanismen. Wir müssen also nicht bei jeder Äußerung nach den passenden Wörtern suchen.

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