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Unter der Eifel liegt ein Vulkanriese – wie aktiv ist er?

Heute ist die Eifel eine idyllische Landschaft aus Hügeln und Seen. Doch das war nicht immer so: Vor knapp 13.000 Jahren brach hier ein Supervulkan aus und überzog halb Europa mit Asche und Rauch. Seither herrscht zwar Ruhe, aber tot ist dieser vulkanische Hotspot keineswegs. Stattdessen mehren sich die Hinweise darauf, dass der feurige Riese unter der Eifel aktiv ist – und sogar wieder erwachen könnte.

Vulkaneifel
Vulkaneifel

Die mehr als 5.000 Quadratkilometer große Mittelgebirgsregion der Eifel liegt südlich von Aachen an der Grenze zu Belgien und Luxemburg. Sie ist geprägt von einer welligen Hochebene mit sanften Hügeln, in die oft kreisrunde Seen eingesenkt sind – die Maare. Sie markieren die Stellen, an denen einst ein Vulkanausbruch einen Krater im Untergrund hinterlassen hat.

Gemeinsam mit anderen vulkanischen Landschaftsformen wie kegelförmigen Schlackenkegeln oder meterdicken Ablagerungen von vulkanischen Gesteinen zeugen sie davon, dass die Eifel ein Vulkangebiet ist. Denn unter ihrer Oberfläche liegt ein Hotspot – eine Zone, in der besonders heißes Magma aus dem tiefen Erdmantel aufsteigt. In der Vergangenheit hat sich diese glutflüssige Masse immer wieder einen Weg durch die darüberliegende Erdkruste gebrannt.

Dauner Maare (Gemündener Maar, Weinfelder Maar, Schalkenmehrener Maar)
Die mit Wasser gefüllten Maare sind das Markenzeichen der Vulkaneifel.
Katastrophe am Laacher See

Die letzte große Eruption des Eifeler Vulkangebiets ereignete sich vor knapp 13.000 Jahren. Damals kam das heiße, aufsteigende Magma mit dem Grundwasser in Kontakt und ließ es rasend schnell verdampfen. Dadurch entstand im Untergrund ein Überdruck, der sich in einer gewaltigen Explosion entlud: Wie Sekt aus einer geschüttelten Flasche schossen heiße Gase, Rauch, zerfetzte Gesteinsbrocken und Lava am Laacher See aus dem Untergrund.

Die Eruptionswolke reichte mehr als 30 Kilometer hoch in den Himmel und ließ noch in Schweden und Italien Asche und Staub vom Himmel regnen. In der Eifel türmte sich das vulkanische Material bis Dutzende Meter hoch auf und bedeckte die gesamte Landschaft. Rasend schnelle Glutlawinen strömen Hänge hinab und erreichen sogar den Rhein. Dort staut sich das Wasser auf und wenig später kommt es zu einer enormen Sturzflut, deren Folgen noch heute in den Ablagerungen entlang des Flusses nachweisbar sind.

Seither ist es ruhig geworden um den vulkanische Hotspot unter Eifel. Zwar ist der Untergrund hier noch immer etwas wärmer als anderswo in Deutschland, einen Vulkanausbruch hat es aber Jahrtausende nicht mehr gegeben.

Laacher See
Somemrliche Idylle am Laacher See

Neue Lebenszeichen am alten Vulkan

Erloschen ist der Eifelvulkanismus aber nicht, das bestätigen gerade in jüngster Zeit einige Beobachtungen von Vulkanologen. Sie deuten stattdessen darauf hin, dass der Hotspot unter der Eifel sogar allmählich wieder erwachen könnte.

Eines der Indizien: Seit 2014 haben Forscher mehrfach ganze Serien von besonders tiefen, niederfrequenten Beben – sogenannte Deep-Low-Frequency-Beben – unter der Eifel registriert. "Unter aktiven Vulkanen, beispielsweise auf Island, in Japan oder Kamtschatka, lassen sich solche Erdbeben regelmäßig beobachten", erklärt Torsten Dahm vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ). Deshalb könnte diese tiefen Erdbeben in der Eifel darauf hindeuten, dass unter dem Laacher See aufgeschmolzenes Gestein aus dem Erdmantel in die mittlere und obere Erdkruste aufsteigt.

Und noch ein "Lebenszeichen" haben Wissenschaftler erst vor Kurzem beobachtet: Der Untergrund unter der Eifel hebt sich stärker und schneller als irgendwo sonst in Europa. Parallel dazu dehnt sich die Erdkruste in dieser Region in einer kreisförmig nach außen gerichtete Bewegung  aus. Diese Anomalie aus Hebung und Dehnung hat ihr Zentrum unter der Eifel, reicht aber bis nach Luxemburg, in den Osten Belgiens und den Süden der Niederlande hinein. Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass sich der Kopf des aufsteigenden Magmastroms allmählich nach oben verlagert.

Wingertsbergwand
Die Wingertsbergwand bei Mendig vermittelt einen Eindruck von der Größenordnung der während des Ausbruchs des Laacher See-Vulkans ausgeworfenen Mengen an vulkanischer Asche.

Droht ein neuer Ausbruch?

Was aber sagt uns das über das Vulkanrisiko in der Eifel? Müssen wir befürchten, dass der alte Supervulkan demnächst wieder ausbricht?  Wenn das geschähe, wären die Folgen katastrophal. Denn im Gegensatz zur Zeit vor 13.000 Jahren ist Mitteleuropa heute dicht besiedelt und viele Großstädte entlang des Rheins, aber auch in den Nachbarländern wären akut bedroht. Eine Eruption in der Eifel könnte daher Millionen Menschen treffen.

Doch an diesem Punkt geben die Wissenschaftler Entwarnung. Bisher sprechen alle Indizien zwar dafür, das der vulkanische Hotspot unter der Eifel aktiv ist. Eine große Eruption steht aber keinesfalls unmittelbar bevor. Denn alle Forschung zum Verhalten dieses Vulkangebiets deuten darauf hin, dass sich dort neue Ausbrüche erst über Jahrtausende anbahnen.

Hinzu kommt, dass weitere Frühwarnzeichen eines Ausbruchs bisher fehlen: „Der Aufstieg von Magma in die flache Erdkruste geht in aller Regel mit hochfrequenten Erdbebenschwärmen einher“, berichtet Joachim Ritter vom Karlsruher Institut für Technologie. Doch von solchen Beben fehlt bislang jede Spur.

Dennoch halten es die Vulkanologen für durchaus ratsam, die Eifel und den unter ihr liegenden Vulkanriesen genau zu überwachen. Zu diesen Maßnahmen gehört unter anderem die weitere Beobachtung der Untergrundbewegungen, aber auch die Analyse der an einige Stellen in der Eifel austretenden Vulkangase. Denn ihre Veränderung kann auch verraten, ob und wann sich im Untergrund etwas zusammenbraut.

Über GPS-Daten ermittelte Hebung und Dehnung des Untergrunds im Bereich der Eifel und der angrenzenden Länder.
Über GPS-Daten ermittelte Hebung und Dehnung des Untergrunds im Bereich der Eifel und der angrenzenden Länder.

NPO, 12.06.2020
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