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Ungesunder Klimawandel

Mit der globalen Erwärmung wandern neue Gesundheitsrisiken in Europa ein

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Ambrosia: Amerikanisches Allergiekraut auf dem Vormarsch

Mann entfernt mit Schutzanzug und Staubmaske Ambrosiapflanze
Ambrosia-Jagd mit Schutzanzug und Feinstaubmaske

Das Beifußblättrige Ambrosia enthält das weltweit stärkste Pollen-Allergen.

Ambrosia ist in der antiken griechischen Mythologie die Speise der Götter. Der Name leitet sich vom Griechischen a-brotós ab und bedeutet „unsterblich“. Dass auch die Pflanzengattung der Traubenkräuter den botanischen Namen Ambrosia erhalten hat, verdankt sie allerdings einer eher lästigen Eigenschaft: Traubenkräuter sind kaum zu bekämpfen, verbreiten sich in rasantem Tempo. Und ihre Pollen sind hochallergen. In Mitteleuropa ist seit einigen Jahren besonders das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia) auf dem Vormarsch. Ursprünglich nur in Nordamerika beheimatet, breitet sich die Pflanze seit etwa 1990 vermehrt auch in Deutschland aus – mit dem Klimawandel ist es warm genug geworden, damit die Samen in großer Zahl keimen.

Für Allergiker ist die Verbreitung von Ambrosia eine Katastrophe. Schon etwa zehn Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um eine allergische Reaktion hervorzurufen, fünfmal weniger als bei einer normalen Gräserpollenallergie. Außerdem sind die allergischen Reaktionen besonders heftig: bei einem Viertel der Allergiker kommen zum Niesen und Augenjucken auch Atemnot uns Asthmaanfälle hinzu – etwa doppelt so häufig, wie bei anderen Pollenallergien.

Wer allerdings an einer Gräserpollenallergie leidet, hat ohnehin ein größeres Risiko, auch auf Ambrosia zu reagieren: Etwa zehn bis 15 Prozent der Gesamtbevölkerung reagieren allergisch auf das zähe Kraut, aber etwa 40 Prozent der Allergiker. Und die Zahlen steigen, denn der Kontakt mit großen Pollenmengen kann die Allergie überhaupt erst auslösen. In den USA, wo Ambrosia seit Jahren wächst, schätzen Studien die Zahl der Traubenblatt-Allergiker auf bis zu 30 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Besonders ärgerlich für die Betroffenen: Ambrosia blüht später als viele Gräser, Allergiker können also von Juli bis September, wenn viele andere Allergie-Pollen nicht mehr unterwegs sind, noch einmal von Ambrosia heimgesucht werden.

Was also tun gegen die tückische Pflanze, die vor allem über Tierfutter den Weg nach Europa gefunden hat? Seit 2011 ist die Einfuhr von ambrosiahaltigen Futtermitteln in die EU verboten. Trotzdem finden sich die unscheinbaren Samen nicht selten in Vogelfutter. Daher ein Rat für die kalte Jahreszeit: Streuen Sie kein Vogelfutter an Stellen aus, an denen sich später unbemerkt Ambrosia entfalten könnte, sondern nur in Bereichen, die Sie unter Kontrolle haben.

Außerdem haben Gesundheitsämter und Wissenschaftler mehrerer Bundesländer ein Ambrosia-Monitoring ins Leben gerufen. Wer das Beifußblättrige Traubenkraut am Wegesrand blühen sieht, ist aufgerufen, den Fund zu melden.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, Januar 2013
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