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Ungesunder Klimawandel

Mit der globalen Erwärmung wandern neue Gesundheitsrisiken in Europa ein

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Übeltäter Stechmücke

Überträger des Virus ist die – eigentlich tropische – Gelbfiebermücke (Stegomyia aegypti), die erst seit 2005 auf Madeira heimisch ist. Reist jemand aus den Tropen ein, der das Virus im Blut hat, kann die Mücke die Krankheit weitertragen. Je mehr Erkrankte, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Epidemie entwickelt. Dass das Denguevirus wieder vollständig von Madeira verschwinde, sei unwahrscheinlich, schätzt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhardt-Nocht-Institut für Tropenmedizin: „Es gibt ja keine Impfung gegen das Denguevirus. Die einzige Möglichkeit, es in einer bestimmten Region auszurotten, besteht darin, die Stechmücken zu bekämpfen. Aber das ist sehr teuer und aufwändig.“ Das Problem: Die Viren werden in den Stechmückeneiern von einer Generation auf die nächste übertragen. „Man müsste Hunderte von Menschen beschäftigen, die buchstäblich von Blumentopf zu Blumentopf gehen, alle noch so schwer erreichbaren Brutplätze aufsuchen und dort Bekämpfungsmaßnahmen durchführen“, erklärt Schmidt-Chanasit.

Dass bereits mit einem einzigen Infizierten eine kleine Epidemie entstehen kann, zeigte sich 2006 in einem italienischen Dorf nahe der Stadt Ravenna. Ein mit dem tropischen Chikungunyafieber infizierter Indienreisender brachte das Virus mit. Die seit etwa 1990 in Italien heimische Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopictus), eine Verwandte der Gelbfiebermücke, trug den Erreger weiter – binnen weniger Wochen waren rund 200 Menschen erkrankt.

Das Risiko aber bleibt. Immer wieder registrieren Behörden in Europa Fälle so genannter autochthoner, also vor Ort erfolgter Infektionen mit tropischen Krankheiten. Ein genaues Mückenmonitoring soll die Verbreitung der tropischen Arten in Europa verfolgen.

Dass die tropischen Mücken überhaupt in Europa heimisch geworden sind, habe mit dem Klimawandel allerdings wenig zu tun, erzählt Schmidt-Chanasit – vor allem der internationale Warenverkehr habe die exotischen Stechmücken hergeführt: „Die asiatische Tigermücke zum Beispiel ist bei Containertransporten Ende der 70er Jahre mit Altreifen nach Albanien gelangt und hat sich von dort in ganz Europa ausgebreitet. Die klimatischen Bedingungen hier reichten schon damals aus.“ Die Verbreitung der tropischen Viren allerdings hänge stark mit der Temperatur zusammen: „Je wärmer es ist, desto schneller können sich diese Viren in den Stechmücken vermehren und auch besser übertragen werden.“ Sollte es, wie Klimaforscher vorhersagen, tatsächlich wärmer werden, dann rechne er in Europa auch mit einer Zunahme tropischer Infektionen, so der Virologe.

Noch ist die Wahrscheinlichkeit allerdings gering, sich in unseren Breiten mit einem Tropenvirus zu infizieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber den Mückenschutz im Urlaub ernst nehmen – und zwar nicht nur nachts, denn Tiger- und Gelbfiebermücken sind tagaktiv und stechen gern zu jeder Zeit zu.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios, Januar 2013
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