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TV-Duell im US-Wahlkampf: Trump als Polit-Rüpel – Clinton hält dagegen

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Das Echo danach ist entscheidend

Sein Fazit: Beiden Kontrahenten sei es gelungen, ihre Anhänger zu überzeugen. Daher könne von einem Unentschieden die Rede sein. Man könne nun auf die beiden noch folgenden TV-Duelle gespannt sein. Allerdings: Die Wirkung der Live-Sendung wird in hohem Maße durch das Medienecho in den Folgetagen bestimmt.

„Die eigentliche Schlacht beginnt erst nach dem TV-Duell“, so Brettschneider. Perfekte Performance ist wichtig, doch Wahlkampfstrategen wissen: Noch entscheidender als die 90 Minuten Streit vor der Kamera sind die ersten fünf Minuten danach. Denn dann erst beginnt die eigentliche Meinungsbildung – vor allem bei der heiß umkämpften Gruppe politisch interessierter, aber unentschlossener Wähler.

„Während der Sendezeit bildet sich diese Gruppe meist noch keine feste Meinung“, so Frank Brettschneider. Auch welcher Kandidat das TV- Duell gewonnen hat und warum, sei normalerweise keineswegs eindeutig. „Die Auslegung übernehmen Journalisten, die das Duell interpretieren und in ihren Berichten einen Sieger küren.“ So sei die Nachberichterstattung für die meisten Unentschlossenen ausschlaggebender als das Duell selbst.

Kampf um die Deutung

Dieser Effekt ist Wahlkampfstrategen wohlbekannt. Um Einfluss auf die Deutung des Duells zu nehmen, mischen sich zahlreiche Einflüsterer unter die Kommentatoren und liefern bereits innerhalb der ersten fünf Minuten Interpretationsangebote für Zuschauer und Journalisten. Der Großteil der Wähler bildet sich die Meinung dann erst über das gedruckte Wort.

"Bereits am Folgetag hat sich eine überschaubare Anzahl von Einschätzungen über den Ausgang des Duells durchgesetzt und ist in den großen Zeitungen nachzulesen“, so der Kommunikationswissenschaftler. Da Trump weiß, dass er dabei nicht positiv wegkommen wird, setzt er auf seine Unterstützer im Web 2.0 – auf Facebook und auf Twitter. Sie sollen die Medienberichterstattung zumindest neutralisieren.

Amerikanische Tradition der TV-Duelle

In den USA haben die Fernseh-Zweikämpfe von US-Präsidentschaftskandidaten bereits eine knapp 60-jährige Tradition. Allerdings waren die Anfänge für heutige Verhältnisse fast schon rührend unprofessionell, wie Brettschneider berichtet. Bestes Beispiel sei das erste TV-Duell der Geschichte zwischen dem damaligen US-Präsidenten Nixon und seinem Herausforderer Kennedy im Jahre 1960. Dieses TV-Duell demonstriert sehr klar, welche Macht bei einem solchen Auftritt allein die Bilder schon haben.

„Nixon kam nach einem anstrengenden Wahlkampftag und von einer Grippe geschwächt völlig verschwitzt und geplättet ins Studio. Kennedy hingegen hatte sich den Tag über frei genommen. Er wirkte entspannt und souverän“, berichtet Brettschneider. Dieser Eindruck brachte Kennedy zumindest bei den Fernsehzuschauern deutliche Pluspunkte ein, obwohl in der rein sachlichen Argumentation Nixon die Nase vorn hatte. „Im Gegensatz zu den Fernsehzuschauern, die den frisch wirkenden Kennedy eindeutig als Gewinner ansahen, hatte bei den Radiohörern Nixon sogar leicht die Nase vorn.“

NPO/ Universität Hohenheim
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