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Tierische Zeitreise: Ausgestorbene Tierarten wiederbeleben

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Wollhaarmammuts im Schnee
Mammuts verschwanden vor 10.000 Jahren von der Erde. Wissenschaftler reden seit Jahrzehnten davon, die imposanten Kolosse wieder zum Leben zu erwecken.

Echte Mammuts oder haarige Elefanten?

Ist die Tierart aber schon lange ausgestorben, wird es verzwickt. So reden Wissenschaftler schon seit Jahrzehnten darüber, das Wollhaarmammut zurückzuholen. Die haarigen Giganten der sibirischen Tundra sind vor etwa 4.000 Jahren ausgestorben. Zwar hielt der Permafrost die Mammutkadaver außergewöhnlich frisch, ein intakter Zellkern wurde jedoch noch nicht isoliert. DNA-Analysen lieferten bisher nur unvollständige Fragmente des Mammut-Erbguts. Mammuts zu klonen, ist daher bisher noch nicht geglückt.

Forscher der Harvard Medical School wollen das Mammut trotzdem schon in wenigen Jahren wiederbeleben – mit den bisher rekonstruierten Teilen seiner Gensequenz. Ihr Ziel ist es, einen Mammut-Elefanten-Hybriden, einen sogenannten "Mammophanten", zu züchten, der die Hauptmerkmale des Mammuts besitzt: das lange, zottige Fell, die kleinen Ohren, das Unterhautfettgewebe und an die Kälte angepasstes Blut. Dafür wollen sie die verantwortlichen Mammutgene in das Genom des Asiatischen Elefanten, des nächsten Verwandten, hineinschneiden. Aber selbst wenn die Forscher alle "Mammutgene" in den Elefanten umbauen, wäre das Ergebnis wohl weniger ein Mammut als ein wolliger Elefant.

Warum das Ganze?

Mittlerweile spielen Forscher mit dem Gedanken, eine ganze Reihe von Tierarten wieder auferstehen zu lassen. Es stellt sich jedoch die Frage, warum wir das Aussterben umkehren sollten. In Jurassic Park waren es Entertainment und Profit, welche die Wissenschaftler antrieben. Auch das geklonte Mammut soll eines Tages im Pleistozän-Park in Sibirien besichtigt werden können. Doch was treibt die Menschen außerdem an? Forscherdrang? Schuld?

Während Befürworter vor allem die positiven Folgen für das Ökosystem im Blick haben, sehen Kritiker die Rettung der ausgestorbenen Tiere nur als Ablenkung. Ressourcen sollten lieber auf den Schutz bedrohter Tierarten konzentriert werden, die noch zu retten sind. Es sei auch keineswegs gesichert, dass die wiederbelebten Spezies in der Wildnis überleben könnten. Als die Arabische Oryx, eine Wüstenantilope, im Oman neu angesiedelt wurde, rotteten Wilderer die Tiere beinahe erneut aus. Viele Arten würden zudem keinen Lebensraum finden. Die Ausrottung des Java-Tigers ist teilweise der Rodung des Regenwaldes zu schulden, eine Situation, die sich bis heute nicht gebessert hat.

YBR, 13.04.2018
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