wissen.de
You voted 1. Total votes: 52
wissen.de Artikel

Telemedizin: Per Videoschaltung in die Praxis

...

Arztgespräch
Nach der geltenden ärztlichen Berufsordnung ist der Arzt verpflichtet, den Patienten "unmittelbar" zu behandeln. Auch nach Einführung der Telesprechstunde muss er den Patienten also mindestens einmal real untersucht haben.
Erstdiagnosen sind nicht erlaubt

Grundsätzlich gilt laut Gesetzt, dass der Patient und seine Erkrankung dem konsultierten Mediziner bereits bekannt sein müssen. Das heißt: Der Arzt muss den Patienten mindestens einmal vor Ort in seiner Praxis untersucht haben, bevor er ihn per Video-Sprechstunde berät. Denn das Fernbehandlungsverbot in der Berufsordnung der deutschen Ärzte verbietet eine Erstdiagnose per Videochat ebenso wie per Telefon.

Wer einen bis dato fremden Arzt über Videochat kontaktiert, muss die Kosten dafür selbst tragen - und geht außerdem ohne Diagnose aus dem Gespräch: Eine Online-Sprechstunde darf in diesem Fall ausschließlich der Beantwortung grundsätzlicher medizinischer Fragen dienen.

So vertraulich wie vor Ort

Durch die Abrechnungsmöglichkeit über die Krankenkassen wird die Video-Sprechstunde für Ärzte interessanter. Noch dürfte es zwar eine Minderheit sein, die diese Art des Termins bereits für ihre Patienten anbietet. Eine kleine Umfrage des Ärztenetzwerks Coliquio zeigt aber, dass sich viele Mediziner durchaus vorstellen könnten, eine Video-Sprechstunde einzuführen. Ein Knackpunkt dabei scheint die Technik zu sein. So sind viele der Befragten unentschlossen, welchen Videodienstleister sie nutzen sollen oder haben sich noch gar nicht über die technischen Möglichkeiten informiert.

Zumindest bezogen auf den Datenschutz und die Sicherheit der genutzten Technik macht der Gesetzgeber genaue Vorschriften. Ärzte müssen in jedem Fall gewährleisten können, dass Datenschutz und Patientengeheimnis genauso gut eingehalten werden wie in der herkömmlichen Sprechstunde vor Ort. Deshalb muss der Videodienstanbieter über entsprechende Sicherheitsnachweise verfügen und zum Beispiel garantieren, dass die Video-Sprechstunde während der gesamten Übertragung Ende-zu-Ende verschlüsselt ist.

DAL, 26.06.2017
You voted 1. Total votes: 52