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Sternenhimmel Juli 2019 - Sonnenfinsternis, verdunkelter Mond und ferne Sonne

Im Juli 2019 verdunkeln sich gleich zwei Gestirne: Am 2. Juli gibt es eine totale Sonnenfinsternis über Südamerika und am 16. Juli können wir über Europa eine partielle Mondfinsternis sehen. Dabei verdunkelt sich der Mond zu zwei Dritteln und der helle Planet Saturn steht direkt neben ihm. Interessant auch: Trotz der hochsommerlichen Temperaturen ist die Sonne uns momentan so fern wie im ganzen Jahr nicht.

Fast überall in Europa herrschen zurzeit Sommerhitze und Sonnenschein. Umso merkwürdiger mag es erscheinen, dass die Sonne gerade jetzt besonders weit weg von uns steht. Denn am 5. Juli passiert die Erde den sonnenfernsten Punkt ihrer Bahn, das sogenannte Aphel. An diesem Punkt ist unser Planet rund fünf Millionen Kilometer weiter von der Sonne entfernt als am sonnennächsten Punkt seiner Bahn, den er paradoxerweise mitten in unserem Winter erreicht – im Januar.

Dennoch: An der sommerlichen Strahlkraft der Sonne hier in Mitteleuropa ändert dies nichts. Denn die Sommerhitze und die hohen UV-Werte des Sonnenlichts kommen allein daher, dass die Sonnenstrahlen im Sommer besonders gerade auf unsere Breiten treffen. Dadurch ist die Sonneneinstrahlung höher und damit auch die von ihr transportierte Wärme und Energie.

Karte mit dem Gebiet der Sonnenfinsternis am 2. Juli 2019
Karte zur Sonnenfinsternis am 2. Juli 2019. Die schwarze Linie zeigt den Bereich der totalen Finsternis.

2. Juli: totale Sonnenfinsternis über Südamerika

Der Monat Juli beginnt direkt mit einem Himmelsschauspiel der besonderen Art – einer totalen Sonnenfinsternis. Leider ist dieses Ereignis aber nur über dem Südpazifik sowie in einem 200 Kilometer breiten Streifen quer durch Chile und Argentinien in voller Pracht zu bestaunen. Dort wird sich der Mond so vor die Sonne schieben, dass er unseren Stern komplett bedeckt. Gegen 20:00 Uhr unserer Zeit wird diese Phase der Totalität beginnen und rund viereinhalb Minuten anhalten. Bei uns ist von diesem Schauspiel allerdings gar nichts zu sehen.

Dass es überhaupt Sonnenfinsternisse gibt, verdanken wir einem kosmischen Zufall: Der Mond ist rund 400 Mal kleiner als die Sonne, gleichzeitig ist er uns aber auch rund 400 Mal näher. Dadurch erscheinen beide Himmelskörper uns am Himmel nahezu gleichgroß - und der Mond kann die Sonne vollständig verdecken, wenn er sich zwischen sie und die Erde schiebt. Die Spitze des kegelförmigen Kernschattens des Mondes erreicht dabei gerade die Erdoberfläche. Nur in diesem Bereich erscheint die Sonne komplett verdeckt – eine totale

Mondfinsternis
Bei einer partiellen Mondfinsternis wird der Mond erkennbar dunkler und sein Rand verschwindet teilweise im Dunkel.
Sonnenfinsternis ereignet sich.

16. Juli: partielle Mondfinsternis über Europa

Am 16. Juli können auch wir Europäer ein Himmelsschauspiel sehen: eine partielle Mondfinsternis. Dabei wird der helle Vollmond zu zwei Dritteln vom Erdschatten verdunkelt. Diese Verdunklung macht unseren Trabanten zwar nicht zu einem spektakulären "Blutmond" wie im Sommer 2018 oder im Januar 2019. Dafür ist es wahrscheinlich die letzte bei uns gut sichtbare Mondfinsternis für die nächsten Jahre.

Die Mondfinsternis ist für uns nach Sonnenuntergang über dem Südhorizont zu sehen. Gegen 22:00 Uhr tritt der noch tiefstehende Mond in den Kernschatten der Erde ein. Er wird nun sukzessive von oben her verdunkelt, bis nur noch eine Mondsichel hell erleuchtet bleibt. Diese Phase der Verdunklung hält bis gegen 01:00 Uhr nachts an, dann erst verlässt der Vollmond den Kernschatten der Erde wieder.

Aber warum ereignen sich Mondfinsternisse nur bei Vollmond? Der Grund ist die Geometrie der Mondbahn. Nur bei Vollmond stehen Mond, Erde und Sonne in einer Linie und der Mond kann direkt durch den Schattenkegel der Erde wandern. Weil die Mondbahn aber zusätzlich gegenüber der Erdbahn geneigt ist, passiert dies nicht bei jedem Vollmond. Nur wenn Ausrichtung und Abstand von Erde und Mond stimmen, können wir daher eine totale oder partielle Mondfinsternis beobachten.

Saturn und Jupiter in Mondnähe
Saturn und Jupiter in Mondnähe

Saturn und Jupiter in Mondnähe

Rund um Mondfinsternis kommt es Mitte Juli auch zu einem Dreier-Treffen der beiden Planeten Saturn und Jupiter mit dem Mond. Der Jupiter leuchtet momentan schon in der Abenddämmerung heller als die hellsten Sterne. Er geht gegen 21:30 Uhr im Südosten auf und bewegt sich dann im Laufe der Nacht Richtung Südwesten.  Am 13. Juli steht der Jupiter dabei nicht einmal einen Fingerbreit vom fast vollen Mond entfernt.

Der Ringplanet Saturn hat dagegen seinen großen Auftritt am 16. Juli während der partiellen Mondfinsternis. Er ist dann rechts neben dem halb verdunkelten Mond als heller Lichtpunkt zu sehen. Der Saturn strahlt im Moment besonders hell, weil er am 9. Juli in Opposition steht – der Sonne von uns aus gesehen genau gegenüber. Zudem ist der Ringplanet der Erde aktuell besonders nah, wodurch er relativ groß erscheint. Im Teleskop kann man jetzt gut seine weit geöffneten Ringe beobachten.

Milchstraße
Momentan ist der dichteste und prächtigste Teil des Milchstraßenbands besonders gut am Himmel zu sehen.

Sternschnuppen, Milchstraße und Tierkreiszeichen

Vor allem Anfang und Ende Juli kann sich der Blick in den Nachthimmel noch aus einem anderen Grund lohnen. Denn jetzt ist die beste Zeit, um die Milchstraße wie in leuchtendes Band fast senkrecht auf dem Horizont stehen zu sehen. Rund um das Sternenband erscheinen im Laufe der Nacht fast alle Tierkreiszeichen – den Anfang macht der Löwe, den Abschluss bildet der Widder. Nur die Sternbilder Zwillinge und Krebs stehen momentan zu nahe an der Sonne und sind daher nachts nicht sichtbar.

Mit dem Monat Juli beginnt allmählich die Hochsaison der Sternschnuppen. Am 30. Juli hat der Meteorstrom der Delta-Aquariden seinen Höhepunkt. Er könnte uns immerhin bis zu 25 schnelle Sternschnuppen pro Stunde bringen. Am gleichen Tag kulminiert ein weiterer Meteorschauer, die Alpha-Capricorniden. Diese eher langsamen, gelblich leuchtenden Meteore scheinen aus dem Sternbild Steinbock zu kommen und einige von ihnen ziehen besonders lange Leuchtschweife hinter sich her. Zu diesen beiden Sternschnuppensorten gesellt sich sogar noch eine Dritte – denn auch der Meteorschauer der Perseiden beginnt ab Mitte Juli. Zwar hat dieser Sternschnuppenregen erst Mitte August seinen Höhepunkt, aber schon jetzt sind vereinzelt einige Perseiden-Meteore am Himmel zu sehen.

NPO, 02.07.2019
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