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Sternenhimmel im Dezember: Weihnachts-Komet, Sternschnuppen und die Wintersonnenwende

Passend zur Weihnachtszeit bietet auch der Nachthimmel in diesem Monat einige leuchtende Highlights. Das spektakulärste ist der Komet C/2021 A1 Leonard, der Mitte Dezember seinen erdnächsten Punkt erreicht und dann sogar mit bloßem Auge sichtbar sein könnte. Außerdem sorgen die Geminiden für einen ergiebigen Sternschnuppenregen und die Planeten bilden eine himmlische Lichterkette am frühen Abendhimmel.

Sternbilder im Dezember 2021
Sternbilder im Dezember 2021

Auch wenn im Monat die dunkelste Zeit des Jahres herrscht – es geht bald wieder bergauf. Am 21. Dezember erleben wir mit der Wintersonnenwende die längste Nacht und den kürzesten Tag des Jahres - es wird nur rund acht Stunden und 20 Minuten lang hell sein. Doch ab dann werden die Tage wieder länger. Mit der Wintersonnenwende beginnt die Erde sich langsam wieder mit ihrer Nordhalbkugel auf die Sonne zuzuneigen. Gleichzeitig markiert der 21. Dezember den astronomischen Winteranfang.

C/2021 A1 Leonard: Der „Weihnachtskomet”

Die diesjährige Vorweihnachtszeit hält ein besonderes Highlight für uns bereit. Denn nach langer Zeit kommt ein Komet der Erde und der Sonne so nahe, dass er hell am Himmel strahlt. Der aus dem äußeren Sonnensystem kommende eisige Brocken passiert am 12. Dezember 2021  - passend zum dritten Advent - seinen erdnächsten Punkt und zieht dann in einem Abstand von 34 Millionen Kilometern an unserem Planeten vorbei.

"Vielleicht lässt sich Leonard sogar mit bloßem Auge erblicken. Aufgrund der Vorwärtsstreuung von Dampf und Staub könnte seine Helligkeit groß genug dafür werden“, sagt Thomas Kraupe, Direktor des Planetariums Hamburg. „Sollte dies nicht der Fall sein, hilft ein Fernglas.“ Schon jetzt ist der mit rund 70 Kilometern pro Sekunde in Richtung Sonne ehranrasende Komet mit dem Teleskop oder Fernglas zu erkennen. In den ersten beiden Dezemberwochen durchfliegt er als diffuser Lichtfleck die Sternbilder Bärenhüter, Schlange, Herkules und Schlangenträger. Besonders gut ist er vor Beginn der Morgendämmerung zu finden.

„Ab Mitte des Monats können wir Leonard hoffentlich auch am Abendhimmel entdecken", sagt Kraupe. Am 18. Dezember fliegt Komet Leonard nur gut vier Millionen Kilometer an der Venus vorbei. Er könnte dann gegen 17 Uhr als diffuser Fleck unterhalb der hellen Venus am Abendhimmel zu erkennen sein. "Doch Interessierte sollten auf Überraschungen vorbereitet sein. Denn es ist nicht bekannt, wie porös dieser dampfende Brocken ist und wie viel Staub oder Gas er freisetzen wird. Schließlich hat ihn noch niemals zuvor jemand beobachtet. Seien wir also gespannt auf diesen ‚Weihnachtskometen‘ Leonard“, sagt Kraupe.

Komet C/2021 A1 Leonard am 28.11.2021, Bayfordbury Observatory ( University of Hertfordshire)
Komet C/2021 A1 Leonard im November 2021

Geminiden: Sternschnuppen im Advent

Quasi als kleine Begleiter des Weihnachtskometen beschwert uns einer der schönsten Meteorschauer des Jahres einen ergiebigen Sternschnuppenregen – die Geminiden. Bis zu 150 Meteore pro Stunde könnten bei ihrem Höhepunkt am 14. Dezember über den Himmel rasen. "Sobald der zunehmende Mond gegen drei Uhr morgens untergeht, verschwindet sein störendes Licht. So können wir abseits störender Lichter der Stadt, in den entscheidenden letzten drei Stunden der Nacht, ein Feuerwerk genießen“, sagt Kraupe.

Ursprung dieser Meteore sind winzige Bruchstücke des Asteroiden 3200 Phaethon, durch die die Erde jedes Jahr im Dezember fliegt. Dass die Meteore von einem Asteroiden stammen statt von einem Kometen ist eher ungewöhnlich, da diese steinernen Brocken normalerweise zu stabil sind, um einen Schweif aus Staub zu bilden. Doch Phaeton kommt der Sonne auf seiner Bahn immer wieder so nahe, dass sein Gestein durch die enorme Schwerkrafteinwirkung Brüche bekommt und Staub und Trümmerstückchen ausgeschleudert werden.

Geminiden am Nachthimmel
Mitte Dezember hat der Meteorschauer die Geminiden seinen Höhepunkt.

Asikm Patel / CC-by-sa 3.0

Planeten: Glanzvoller Abendstern und vorweihnachtliche Lichterkette

Als wäre dies nicht genug, bieten uns auch die Planeten im Dezember ein besonders schönes Schauspiel am Abendhimmel. Schon kurz nach Sonnenuntergang strahlt die Venus besonders hell über dem Südwest-Horizont. Sie ist momentan nach Sonne und Mond das hellste Objekt am Himmel. Wenig später taucht dann auch der größte Planet des Sonnensystems am Horizont auf: der Jupiter. Ihm folgt der etwas lichtschwächere Saturn.

Alle drei Planeten stehen dadurch in der ersten Monatshälfte wie eine Lichterkette aufgereiht am Abendhimmel und bilden eine schräg nach links aufsteigende Linie. Ganz oben leichtet der helle Jupiter, schräg unter ihm steht der Saturn und en Abschluss bildet die hell strahlende Venus. Passend zum Nikolaus gesellt sich die schmale Sichel des Mondes zur Dreierkette der Planeten. Der Erdtrabant steht erst dicht neben der Venus, dann wandert er allmählich die Planetenreihe entlang. Am 10. Dezember setzt er sich dann als Halbmond selbst an die Spitze dieser vorweihnachtlichen Lichterkette aus leuchtenden Himmelskörpern.

Kurz vor Weihnachten erleben wir dann noch die längste Vollmondnacht des Jahres: „Umgeben von strahlenden Sternen prangt unser Erdtrabant vom 18. auf den 19. Dezember rund und hell am Himmel“, berichtet Kraupe. „Dabei steht er hoch über dem Wintersternbild Orion und nahe dem nördlichsten Gipfel des Tierkreises. Kein anderer Vollmond in 2021 erreichte eine größere Höhe.“

NPO / Planetarium Hamburg, 03.12.2021
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