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Sprachstörungen

Die Sprache bestimmt unseren Alltag. Was aber, wenn das Sprechen Probleme bereitet?

Kaum eine menschliche Fertigkeit ist so komplex wie die Sprachbeherrschung. In Sekundenbruchteilen analysiert unser Gehirn die Grammatik gehörter oder gelesener Sätze, ordnet die Wörter den Bedeutungen zu. Beim Sprechen fasst das Hirn rasend schnell die Sprechabsicht in Worte und Sätze und gibt die nötigen Anweisungen an die feinen Muskeln weiter, die die Zunge und den ganzen Mundbereich beherrschen. Wie anfällig dieser komplizierte Prozess ist, erleben wir fast täglich: Zum Beispiel wenn uns Worte nicht einfallen, wenn wir mitten im Satz ins Stocken geraten oder uns versprechen. Häufen sich Versprecher, Buchstabendreher oder falsche Wörter so sehr, dass Gespräche zur Qual werden, dann liegt wahrscheinlich eine Sprach- oder Sprechstörung vor. Die möglichen Folgen: Angst vor Gesprächssituationen, berufliche Einschränkungen, Probleme beim Schreiben und Lesen, im schlimmsten Fall Vereinsamung. Zum Glück sind aber die meisten Sprach- und Sprechstörungen gut behandelbar. Wir stellen drei verbreitete Sprachstörungen vor.

Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern

Verständigung: Aller Anfang ist schwer

Es dauert mehrere Jahre, bis Kinder so gut sprechen können, dass die Kommunikation reibungslos klappt.

„Darf ich mal den Käse tobrieren?“, fragt eine Dreijährige am Frühstückstisch. Die Eltern lächeln. Irgendwie süß, wie die Kleine die Buchstaben im Wort „probieren“ verdreht. Ersetzt sie mit vier Jahren aber noch immer jedes p durch ein t, dann ist das nicht mehr so niedlich, denn eigentlich sollten in diesem Alter alle Laute sitzen.

Bei sieben bis zehn Prozent der Vorschulkinder – die Zahlen schwanken je nach Studie – läuft die Sprachentwicklung aber nicht so glatt. Bei manchen stimmt die Grammatik nicht, andere formulieren nur Zwei-Wort-Sätze, wieder andere ersetzen Laute, die sie eigentlich schon beherrschen sollten, durch andere.

Die Ursachen für eine Sprachentwicklungsstörung können erblich sein, in anderen Fällen erschweren Hörprobleme den Spracherwerb. Auch wenn die Eltern zu wenig mit dem Nachwuchs sprechen, kann die Sprachentwicklung der Kinder stocken. „Manchmal ist die Ursache auch nicht zu finden“, erklärt die Hamburger Logopädin Kerstin Sawatzki. „Wichtiger ist aber, dass wir trotzdem in sehr vielen Fällen helfen können.“

Oft reicht ein logopädischer Anstoß von außen, um den natürlichen Sprachlernprozess wieder in Gang zu bringen und das Versäumte aufzuholen. „Das kann man sehr gut spielerisch machen, abhängig vom Alter des Kindes.“ Die Kinder lernen zum Beispiel den Unterschied zwischen verschiedenen Lauten kennen, müssen etwa Suppe von Schuppe oder Topf von Kopf unterscheiden. Dabei kommen Bildkarten, Handpuppen und andere Spielsachen zum Einsatz. „Die meisten Kinder gehen gern zur Logopädie, weil sie merken, dass wir sie nicht unter Druck setzen“, erklärt Sawatzki.

Wie lange eine logopädische Behandlung dauert, unterscheidet sich von Fall zu Fall erheblich. In manchen Fällen helfen einige Sitzungen, in anderen Fällen dauert die Therapie mehrere Monate. „Dass sich eine Sprachstörung bei Kindern gar nicht verbessern lässt, kommt allerdings nur sehr selten vor“, berichtet Sawatzki.

Bleibt die logopädische Behandlung aus, sind die Auswirkungen häufig spätestens in der Schulzeit spürbar. Den Kindern wird dann zunehmend bewusst, dass sie anders sprechen, viele verlieren die Lust am Reden. Zudem kann eine unbehandelte Sprachentwicklungsstörung auch zu Problemen beim Schreiben und Lesen führen. Wissenschaftler vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen Sprachentwicklungsstörungen und Rechenschwäche, im Fachjargon Dyskalkulie.

 

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von wissen.de-Redakteurin Alexandra Mankarios
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