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Sportland Südafrika

Spiegelbild der Gesellschaft

Der Sport ist ein Spiegelbild der gesamten Gesellschaft am Kap. Eineinhalb Jahrzehnte nach dem formalen Ende der Apartheid ist die Trennung im Sport oftmals noch gelebte Realität. Südafrika bleibt im Sport ein extrem heterogenes Land, in dem die Hautfarbe noch immer die Richtung vorgibt. Die Schwarzen spielen Fußball, die Weißen mehrheitlich Cricket oder Rugby – je nachdem, welcher Abstammung sie sind, britisch oder burisch. Trotzdem hat gerade der Sport in der Ära Nelson Mandelas direkt nach dem Ende der Apartheid die besonderen Highlights gesetzt in Südafrikas Versöhnungspolitik. "Madiba Magic", dem Zauber Mandelas, sei Dank!

Das afrikanische Wunder von Bern

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Zum ersten Mal Rugby-WM-Sieger

Südafrika hat zum erstenmal die Rugby-Weltmeisterschaft gewonnen - und Staatspräsident Nelson Mandela (links) überreicht drei Jahre nach Aufhebung des Sportboykotts wegen der Apartheidpolitik, in Johannesburg dem Kapitän der "Springboks", Francois Pienaar, nach dem 15:12-Sieg des Teams über Neuseeland den William Webb-Pokal.

Auch Südafrika erlebte so etwas wie das "Wunder von Bern". Was den Deutschen das Jahr 1954, sind den Südafrikanern die Jahre 1995 und 1996. In einer ähnlich geächteten Nation setzte der Sport ein Zeichen der Erholung und des neuen Selbstbewusstseins für eine ganze Gesellschaft. Bei den Deutschen war es der sensationelle Sieg der Fußballweltmeisterschaft in der Aufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Bei den Südafrikanern waren es der Gewinn der Rugby-Weltmeisterschaft beziehungsweise der Sieg bei der Afrika-Meisterschaft im Fußball gleich im Anschluss an das formelle Ende der Apartheid 1994.
Der "Gründungsmythos" des neuen Südafrika ist in großem Maße Nelson Mandela zu verdanken. Der 1994 zum ersten Präsidenten aller Südafrikaner gewählte Friedensnobelpreisträger zog sich zur Siegerehrung bei der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 das Trikot des Burenkapitäns Francois Pienaar über und betrat in diesem revolutionären Outfit die große Finalbühne. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit überreichte der 27 lange Jahre inhaftierte Mandela dem Kapitän der "Springbocks" den Siegerpokal, als sei dieser Vorgang das Normalste der Welt. Aber das war es nicht und das Signal an alle Südafrikaner war umso eindeutiger: Seht her, ich der Versöhner unseres geschundenen Landes, sende die große Verbrüderungsgeste aus. Ich, der oberste Repräsentant der
schwarzen Mehrheit, die Jahrhunderte unterdrückt wurde, reiche dem Repräsentanten der weißen Minderheit, der ehemals brutalen Unterdrücker, die Hand. Dieser Sieg der mehrheitlich burischen Rugby-Mannschaft wurde durch Mandela ein Sieg aller Südafrikaner. Der Effekt war atemberaubend: Ganz Südafrika feierte in dieser Nacht erstmals wie Brüder und Schwestern.


Versöhnungspolitik durch den Sport

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