wissen.de
Total votes: 74
wissen.de Artikel

Soziale Medien: Können Whatsapp, Instagram und Co. süchtig machen?

...

Junge Frau mit Smartphone im Bett
Fast jede fünfte befragte Person gab an, wegen exzessiver Nutzung sozialer Medien zumindest manchmal nicht genug Schlaf zu beommen.

Viele zeigen erste Anzeichen

Doch es muss nicht immer gleich eine komplette Sucht vorliegen. Der Test brachte bei vielen Befragten – wenn auch noch nicht süchtig – schon erste Anzeichen einer Störung zu Tage. So haben acht Prozent der Teenager nur noch online Kontakt zu ihren Freunden. Das führt dann auch zum Streit in der analogen Welt. Jeder Vierte kriegt sich wegen zu viel Internet manchmal oder auch häufig mit den Eltern in die Haare. Fast jeder Fünfte bekommt deswegen auch zumindest manchmal nicht genug Schlaf.

Ein bisschen erinnert das Verhalten an Drogensüchtige: Ein Teil der Kinder nutzt soziale Medien heimlich oder um nicht an unangenehme Dinge denken zu müssen. 14 Prozent können nach eigenen Angaben nicht damit aufhören, obwohl andere ihnen sagten, dass sie dies dringend tun müssen. 13 Prozent der Jugendlichen sind unglücklich, wenn sie nicht surfen können, und fünf Prozent tun dies lieber, als einem Hobby nachzugehen.

Auf ein gesundes Maß kommt es an

Eltern müssen sich aber nicht immer Sorgen machen: Soziale Medien machen nicht automatisch süchtig. In Maßen genutzt, können sie sogar positive Effekte haben, sagt Thomasius. Sie dienen beispielsweise der Identitätsbildung junger Menschen. So können sie dort ihre Selbstdarstellung und Kommunikation erproben und schnelles Feedback von Gleichaltrigen bekommen – egal wo sie wohnen und ohne Aufsicht der Erwachsenen. Dadurch schaffen sie sich ihren eigenen, selbstbestimmten Gestaltungsraum.

Gefahr Depression

Nutzen die Heranwachsenden diesen Raum aber zu exzessiv, ist die Gesundheit in Gefahr. Wer von sozialen Medien abhängig ist, hat ein 4,6-fach höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken, als Nicht-Süchtige, wie die Studie ergab. Schon jetzt klagt jeder dritte Social-Media-Süchtige über Symptome einer Depression. „Über Ursache und Wirkung haben wir noch keine Erkenntnisse“, relativiert aber der Suchtexperte. „Natürlich kann es auch sein, dass sich depressive Kinder und Jugendliche häufiger in die virtuelle Welt zurückziehen und deshalb ein Suchtverhalten entwickeln."

Digitale Entgiftung

Doch wie soll die Suchtgefahr eingedämmt werden? Der Suchtexperte Thomasius plädiert für mehr Aufklärung und einen verstärkten Jugendschutz. „Eltern, Lehrer und Erzieher brauchen Unterstützung, damit sie Kinder auf ihrem Weg zu medienkompetenten Anwendern begleiten“, sagt Thomasius. „Außerdem muss der Jugendschutz durch strenge Regeln für die Anbieter sozialer Medien gestärkt werden. Auch technische Lösungen zur Selbstbeschränkung sind sinnvolle Instrumente, um das Konsumverhalten besser zu kontrollieren.“

Viele Betroffene setzen diese Ratschläge bereits in die Tat um: Die Gegenbewegung "Digital Detox" – digitale Entgiftung – will der Mediensucht an den Kragen. In Digital-Detox-Urlauben bezahlen vor allem junge Erwachsene viel Geld, um ihr Handy wenigstens für ein paar Tage aus der Hand legen zu können. Man muss aber nicht weit wegfliegen, es geht auch im Alltag. Digital-Detox-Apps, wie Qualitytime oder Offtime, zeichnen auf, wie oft das Handy für was genutzt wird. Die Erkenntnis, dass man das Handy heute schon drei Stunden genutzt und den Bildschirm 100 Mal entsperrt hat, wirkt dann schon ernüchternd.

YBR, 08.03.2018
Total votes: 74