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Sommerzeit: Wer hat an der Uhr gedreht?

In der Nacht zum Sonntag beginnt die Sommerzeit. Die Uhren werden eine Stunde vorgestellt, um das Tageslicht besser auszunutzen und Energie zu sparen – das jedenfalls war das ursprüngliche Ziel dieser Erfindung. Aber funktioniert das auch? Und welche Folgen hat die Zeitumstellung für Mensch und Tier?

Untergehende Sonne zwischen Daumen und Zeiger
Tageslicht nutzen

Durch das Konzept der "Daylight saving time" sollte das Tageslicht effizienter genutzt werden.

Wie immer Ende März stellt sich bei Beginn der Sommerzeit die Frage: Müssen wir die Uhr vor- oder zurückdrehen? Werden wir uns eine Stunde ausborgen, oder müssen wir die im letzten Jahr geliehene zurückgeben? Zahlreiche Eselsbrücken gibt es, die uns als Erinnerungshilfen dienen. Die wohl bekannteste ist folgende: "Im Frühling stellen wir die Gartenmöbel VOR das Haus und im Herbst wieder ZURÜCK in den Keller." Und die wohl kürzeste lautet: "Die Uhr wird 'zum Sommer hin' gestellt."

Aber warum stellen wir die Uhren überhaupt um und seit wann?  Wer hat sich das eigentlich ausgedacht und was bringt das? Wir haben diese Fragen mal genauer unter die Lupe genommen.

Benjamin Franklin erdachte das Konzept der "Daylight saving time"

Bereits 1784 veröffentlichte Benjamin Franklin einen Artikel, in dem er kalkulierte, wieviel Stunden die Menschen jede Nacht bei Kerzenschein verbringen. Um Kerzen zu sparen, schlug er vor, die Zeit im Sommer so anzupassen, dass das Tageslicht besser und effektiver genutzt werden kann. Daylight saving, so nannte er sein Konzept. Die Uhren sollten im Sommer vorgestellt werden, dann wäre es abends länger hell und die Menschen würden weniger der kostbaren Kerzen verbrauchen, so seine Idee. Jedoch fand er damit nur wenig Gehör.

Vom Wechsel der Zeiten

Los ging das Ganze erst über hundert Jahre später: Während des ersten Weltkrieges wurde am 30. April 1916 im Deutschen Kaiserreich erstmals die Sommerzeit eingeführt. Wenige Wochen später folgten Irland und Großbritannien. Drei Jahre lang drehten die Menschen dann brav zweimal im Jahr an der Uhrzeit. 1919 wurde die Zeitumstellung jedoch wieder abgeschafft. Dann herrschte erst einmal Ruhe - bis zum Beginn des zweiten Weltkriegs: Von 1940 bis 1949 wurde sie wieder eingeführt, die Sommerzeit.

1947 gab es sogar noch eine Hochsommerzeit. Im April wurden die Uhren um eine Stunde und im Mai dann um eine weitere Stunde vorgestellt. Dieses Zeitchaos wurde mit der besseren Ausnutzung des Tageslichts begründet. Denn in der Nachkriegszeit mit der weitgehend zerstörten Infrastruktur war die Abhängigkeit vom Tageslicht viel stärker als heute. Von 1950 bis 1979 blieben wir Deutschen dann wieder ganzjährig bei der Normalzeit. In Europa standen wir damit auf ziemlich verlorenem Posten. 1980 führten wir dann die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) ein. Soweit die Geschichte des Einführens und Abschaffens und Einführens und Abschaffens… der Sommerzeit.

Energie sparen in der Sommerzeit: Fehlanzeige

Von 1784 bis heute ist das Argument für die Sommerzeit immer dasselbe: Die Zeitumstellung soll künstliches Licht und damit Energie einsparen. Doch was ist dran an diesem Versprechen? Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft stellte 2010 bereits fest: nichts. Zwar benötigen wir in den Sommermonaten durch die Zeitumstellung weniger Strom für Licht, jedoch machen wir in unserer Freizeit mehr als nur das Licht an. Und unsere Freizeitaktivitäten verbrauchen in der Regel mehr Strom als Licht. In den Sommermonaten, wenn es abends länger hell ist, sind wir auch länger "Freizeit-aktiv" und verbrauchen dadurch sogar mehr Energie.

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