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Schöne Bescherung: Die Kunst des Schenkens

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Was halten Sie von Paaren, die beteuern: Wir schenken uns nichts...

Rost: Ich verstehe den Überdruss gegen Zwang und Rituale, und manche empfinden es auch als wirtschaftliches Problem, den Gabentisch zu decken. Sicher können solche Vereinbarungen getroffen werden, wenn beide davon überzeugt sind und nicht insgeheim am Heiligabend doch auf eine Überraschung warten  – zumindest eine kleine. Denn Feiertage mit Überraschungen sind einfach schöner als ohne. Jeder von uns freut sich, wenn er etwas bekommt, weil uns damit eben auch eine Botschaft überreicht wird.

Schreiben einer Wunschliste
Nur selten hilft eine Wunschliste bei der Geschenke-Suche.

Mit den Erlebnisgeschenken wächst seit einigen Jahren ein neuer Trend. Was machen Ballonfahrten, Wellness-Tage oder Kochkurse als Geschenk Ihrer Meinung nach so besonders?

Rost: Erlebnisse lösen positive Emotionen aus, die nachklingen und im Gedächtnis bleiben. Ein Wellnesswochenende für Paare oder eine Ballonfahrt mit der Freundin stärken die Beziehung nachhaltig, sorgen für eine tiefe Verbundenheit und beweisen auch, dass Zeit immer noch das kostbarste Geschenk ist, das man einem Menschen machen kann.  Erlebnisgeschenke sorgen zudem für Flexibilität beim Schenken und ermöglichen es, dass der andere aktiv neue Erfahrungen machen kann. Außerdem können Gutscheine dann eingelöst werden, wenn man Zeit hat und wenn einem der Sinn danach steht.

Kurz vor dem Fest sieht man viele Last-Minute-Schenker durch die Geschäfte rennen. Ist diese Geschenkejagd Ausdruck gesellschaftlicher Zwänge?

Rost: Auf jeden Fall. Schenken ist soziales Handeln par excellence und mit Traditionen und Mythen verknüpft. Mit der Vorstellung von einem beschaulichen und besinnlichen Weihnachtsfest ist es allerdings so eine Sache. Denn im Grunde genommen ist der ganze Festkalender - angefangen vom 1. Advent über den Nikolaustag bis zum dreitägigen Fest mit dem Höhepunkt der Bescherung - eine perfekte Inszenierung, verbunden mit einem gewissen Maß an Stress. Die Tradition ist stark, zumindest wenn man Kinder hat.

Den meisten Kindern ist Weihnachten lieber als der eigene Geburtstag, obwohl sie da ja nicht allein im Mittelpunkt stehen. Schon in der Kindheit verfestigt sich also etwas, das uns den Zwang zum Geschenk auch als Erwachsene mitmachen lässt.

Zu Weihnachten ist manches außer Kraft gesetzt. Gibt bei der Auswahl von  Geschenken ein zuvor gesetzter Preis den Ausschlag, oder gilt der Grundsatz: Koste es, was es wolle?

Rost: Das hängt vom Konsumverhalten ab. Wer früh im Jahr mit dem Kauf von Weihnachtsgeschenken angefangen hat, weiß oft gar nicht mehr, wie viel er schon ausgegeben hat. Doch nach Ergebnissen der empirischen Schenkforschung sollte zum Schluss eine Hierarchie gewahrt werden: Das teuerste Geschenk sollte eben an den Lebenspartner gehen – und nicht an die eigene Mutter.

Was verschenken Sie am liebsten?

Rost: Zeit.

Birgit Weidt / Groupon GmbH, 14.12.2015
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