wissen.de
Total votes: 69
wissen.de Artikel

Schlafprobleme am Wochenende – Ist der Job schuld?

...

Zeitdruck, unerledigte Aufgaben und Schlafqualität

Das Ergebnis: Ob ich am Wochenende gut schlafe, hängt nicht unbedingt mit Stress und Zeitdruck am Ende einer Arbeitswoche zusammen. Stattdessen spielt es entscheidende Rolle, ob und wie viele unerledigte Aufgaben im Büro auf mich warten. Die Analysen zeigen: Wer während der Arbeitswoche mehr unerledigte Aufgaben hat, ist am Wochenende stärker von Schlafstörungen betroffen. "Unerledigtes führt zu schlaflosen Nächten – denn gedanklich lässt es uns auch in der Freizeit nicht los", erklärt die Psychologin Christine Syrek.

Aber nicht nur die Tage vor dem Wochenende beeinflussen unseren Schlaf, Arbeitsstress wirkt sich auch langfristig aus:  Beschäftigte, die über drei Monate hinweg am häufigsten über unerledigte Aufgaben berichteten, schliefen auch dann am Wochenende schlechter, wenn in der Woche zuvor ausnahmsweise mal weniger Stress war. Ähnlich ist es mit Zeitdruck: Wer wochenlang ständig unter Zeitdruck steht, dem fällt es selbst in kurzen Phasen mit weniger Belastung schwerer, am Wochenende ungestört zu schlafen.

Zwei Arten des Grübelns

Und noch etwas zeigte sich in der Studie: Es kommt auch darauf an, wie man an den Job und die unerledigten Aufgaben denkt. Wer immer wieder sorgenvoll die Probleme geistig nacherlebt, der schläft deutlich schlechter. "Sorgenvolles Grübeln ist ein Zustand, in dem negative, wiederkehrende Gedanken über die Arbeit auftreten, ohne dass nach Lösungen gesucht wird", erklärt Syrek.

Wer dagegen auch kreativ und problemlösend über die liegengebliebenen Aufgaben nachdenkt, kann davon profitieren. Denn wie die Forscher feststellten, kann diese eher vorwärtsgerichtete, positive Auseinandersetzung das sorgenvolle Grübeln ein wenig ausgleichen. "Problemlösendes Grübeln wirkt hier als eine Art Puffer. Die negative Wirkung des sorgenvollen Grübelns kann dadurch etwas aufgefangen werden", erklärt Syrek.

In jedem Falle ist klar: Wenn es mit dem erholsamen Wochenendschlaf partout nicht klappen will, dann lohnt ein kritischer Blick auf den Arbeitsalltag: Kann ich vielleicht dafür sorgen, dass ich weniger Unerledigtes gedanklich mit ins Wochenende nehme? Und wie kann ich mein Grübeln vielleicht nutzbringend umlenken?

NPO, 17.06.2016
Total votes: 69