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Schlägt die Stunde der Populisten?

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Vergleichsweise moderat

Darüber hinaus bewertet die Mehrheit der Wahlberechtigten populistische Wahlprogramme als nicht wahlentscheidend. "Von einer 'Stunde der Populisten' ist das politische Klima vor der Bundestagswahl in Deutschland weit entfernt", sagt Studienautor Robert Vehrkamp. Nichtsdestotrotz gibt es auch bei uns ein nicht gerade kleines Lager populistisch gesinnter Wähler. Sie machen der Studie zufolge immerhin knapp 30 Prozent aus.

Menschen mit solchen Einstellungen finden sich demnach über alle Parteigrenzen hinweg. Sie bleiben mit ihrer Haltung jedoch vergleichsweise moderat, wie die Befragungen offenbaren. So befürworten mehr als zwei Drittel der populistisch eingestellten Wähler die Mitgliedschaft in der EU und 85 Prozent unterstützen die Demokratie als politisches System.

Allerdings kritisieren über drei Viertel von ihnen, dass die EU-Integration zu weit gegangen sei und eine knappe Mehrheit ist mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland "eher nicht" oder "überhaupt nicht" zufrieden. "Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie. Im Vergleich zu den USA und Frankreich zeigt sich vor allem, dass in Deutschland die Kritik am politischen Establishment deutlich schwächer ausgeprägt ist", so Vehrkamp.

"Gefühl persönlicher Zurücksetzung"

Die Bertelsmann-Studie zeigt auch, wer die Menschen mit populistischen Einstellungen sind: Besonders weit verbreitet sind solche Haltungen demnach bei Personen mit einem geringen Bildungsstand und niedrigem Einkommen. Am stärksten ausgeprägt sind sie bei Personen, die maximal über einen Hauptschulabschluss und ein durchschnittliches Monatseinkommen unterhalb von 1.500 Euro verfügen.

Tatsächlich spielt bei der Annäherung an populistische Parteien oftmals die Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenslage eine Rolle. Sie ist der stärkste Treiber, die derzeit mächtigste rechtspopulistische Partei in Deutschland - die AfD - zu wählen, wie eine repräsentative Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung ergab. Dabei kommt es jedoch weniger auf die objektive soziale Lage, sondern vor allem auf die subjektive Sichtweise an: "Die Wahrnehmung von Menschen, die anfällig für Populismus sind, ist geprägt durch das Gefühl persönlicher Zurücksetzung", heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

Von diesen Ergebnissen lassen sich nach Meinung der Experten konkrete Anhaltspunkte für politisches Handeln ableiten. Denn sie zeigen, welche Einstellungen und sozialen Lebenslagen die (rechts-)populistische Orientierung verstärken - und welche Faktoren umgekehrt vor Populismus schützen können.

Bertelsmann Stiftung / Hans-Böckler-Stiftung / DAL, 15.08.2017
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