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Sardiniens Gallura: Granit, heilige Türme und Pecorino

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Aggius: Ein Museum für Banditen

Einen Sprung in die Vergangenheit machen Besucher auch in Aggius. Das Bergdorf, nur wenige Kilometer nördlich von Tempio Pausania, liegt zu Füßen der eindrucksvollen Granitberge der Gallura. Die hübsche Altstadt mit schmucken Häusern und Gassen und die Kirchen, deren Glockentürme die Häuser überragen, laden zu einem Bummel ein. Im Ethnografischen Museum sind ausgewählte Exponate der sardischen Volkskultur zu sehen.

Bergdorf Aggius auf Sardinien
Bergdorf Aggius

Blick auf das nur wenige Kilometer nördlich gelegene Tempio Pausania.

Ganz in der Nähe liegt das kleine Museo del Banditismo. Aggius war von der Mitte des 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Hochburg von Banditen und Räubern. Das Museum gibt unter anderem Einblicke in das Leben des berühmtesten Banditen aus Aggius, dem Muto di Gallura und anderen legendären Rechtsbrechern der Region.

In der Bergwelt rund um Aggius, wo einst Räuber ihr Unwesen trieben, liegen heute den Besuchern die schönsten Kulissen zu Füßen. Die kleine Hochebene Valle della Luna, Tal des Mondes, macht ihrem Namen alle Ehre: Die bizarre Landschaft, eingebettet in die Berge der Gallura, und der Fernblick auf das gewaltige Limbara-Massiv sind einfach magisch. Hier liegt auch die größte Nuraghe der Gallura, die Protonuraghe Izzana.

Die sardische Küche - eine Küche der Erde      

Zu jeder Wanderung und jedem Ausflug gehört natürlich auch eine zünftige Rast – am besten mit lokalen Spezialitäten. Die Sarden leben einfach, ihre Küche ist traditionell und gilt als ausgesprochen gesund. Bäuerliche Produkte wie Schwein, Schaf, Wild, Brot, Milchprodukte, Honig, Wurstwaren und Gemüse bilden die Basis der sardischen Küche. Sie ist schlicht und bedient sich naturreiner Zutaten.

Eine leckere Besonderheit der sardischen Ernährung ist das hauchdünne, knusprige Fladenbrot, das die Sarden pani carasau oder pani pistoccu nennen. Die dünnen, runden Scheiben werden zweifach gebacken und sind dadurch Monate lang haltbar. Das mussten sie auch sein, denn wenn die Schafhirten mit ihren Herden in die Berge zogen, waren sie lange fort von daheim. Sie brauchten dann ein haltbares Brot, das sie begleitete. Funde in einigen Nuraghen belegen, dass dieses Flachbrot schon vor rund 3.000 Jahren auf Sardinien gegessen wurde.

Casu Marzu, der sogenannte 'hüpfende Käse'
Der hüpfende Käse Casu Marzu – ein alter Pecorino mit Fliegenmaden.

Das Geheimnis des hüpfenden Käses

Eine weitere Spezialität Sardiniens ist der Käse. In ihm steckt das Aroma der kargen, kräuterreichen Weiden, auf denen die unzähligen Schafe der Insel weiden. Im dünn besiedelten Landesinneren soll es immer noch doppelt so viele Schafe wie Menschen geben. Den typischen sardischen Pecorino findet man in allen Variationen von superreif, also piccante oder stagionato, bis zu dem frischen dolce sardo oder als süßen Ricotta, einem quarkähnlichen Frischkäse.

Nur etwas für Hartgesottene ist dagegen der Casu Marzu, der hüpfende Käse. Denn bei dieser Spezialität handelt es sich um einen mindestens sechs Monate alten Pecorino, der erst durch eine besonders Zutat wieder weich und kaubar wird: lebende Fliegenmaden. Diese bis zu einem Zentimeter lange weißlichen Larven der Fliegenart Piophila casei leben im Käse und verwandeln ihn durch ihren Fraß in einer streng riechende, eher schmierige Masse. Weil die Maden sich bei Störung bis zu 15 Zentimeter weit wegkatapultieren können, erhielt der Käse den Beinamen hüpfender Käse.

Wilde / NPO, 08.09.2015
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