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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE

vulgär

vul|gär
Adj.
gewöhnlich, gemein, ordinär;
~er Ausdruck; ~es Benehmen; eine ~e Person
[< 
frz.
vulgaire
„allgemein verbreitet, üblich, gewöhnlich, alltäglich, gemein“, < 
lat.
vulgaris
„allen gemeinsam, allen zugänglich, öffentlich, gewöhnlich“, zu
vulgus
„das Volk, die breite Masse, die Leute“, auch „Pöbel“]
vulgär:
Der Ausdruck ist im Deutschen negativ besetzt.
Vulgär
heißt hier „gemein“, „gewöhnlich“, „ordinär“.
Vulgäres Benehmen
zum Beispiel ist also ganz schlechter Stil und
vulgäre Sprache
ist absolut nicht salonfähig. Ursprünglich war der Begriff jedoch neutral: Das lateinische Wort
vulgaris
bedeutete „allgemein“, „zum Volk gehörig“, es war abgeleitet von
vulgus
für „Volk“, „Menge“.
Vulgärsprache
muss allerdings nicht unbedingt ordinär sein: Hier handelt es sich um den wissenschaftlichen Ausdruck für die gewöhnliche, will heißen nichtlateinische Sprache eines europäischen Volks im Mittelalter. Mit dem Begriff
Vulgärlatein
bezeichnet man dagegen die gesprochene, umgangssprachliche Form des Lateinischen.
Dieselbe sprachliche Wurzel hat der Begriff
Vulgata
für den in der katholischen Kirche maßgeblichen lateinischen Bibeltext. Wörtlich bedeutet er „die allgemein verbreitete (Bibel)“. Der Kirchenvater Hieronymus (347420) begann unter Papst Damasus I. (366384) mit einer Revision des Texts des Neuen Testaments und übersetzte dann ab 390 das Alte Testament direkt aus dem hebräischen Urtext neu. Das Konzil von Trient erklärte 1546 diese „Vulgata“ für authentisch. 1979 erschien die mit Hilfe moderner Textkritik neu bearbeitete Ausgabe der „Vulgata“, die so genannte „Nova Vulgata“ („neue Vulgata“).
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