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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Schelte:
Das gleichbedeutende althochdeutsche Wort
scelta
ist die Wurzel des Ausdrucks für „Vorwurf“, „Tadel“ (zu
sceltan
„schmähen“, „tadeln“; aus dem angelsächsischen
scyldan
wurde im heutigen Englisch
to scold
). Damit dürfte einst lauter oder lautstarker Tadel gemeint gewesen sein, denn
sceltan
ist sprachlich mit dem althochdeutschen
scellan
für „tönen“, „schallen“ verwandt, das mittelhochdeutsch zu
schellen
wurde. Diese Form der Schelle bzw.
Schelte
ist noch in dem Begriff „Maulschelle“ enthalten, der „Ohrfeige“ bedeutet. „Schelle“ und „schellen“ wird heute nur noch regional als Synonym für „Klingel“ bzw. „klingeln“ gebraucht.
Sceltan
wie
scellan
gehen auf das erschlossene indogermanische Wort
(s)kel
„schallen“ zurück.
„Jemandem Vorwürfe machen“ heißt, ihn
schelten
oder
ausschelten
. Belegt man ihn dabei noch mit Schimpfwörtern, kann das bedeuten:
ihn einen Dummkopf schelten
. Der Betroffene
bekommt Schelte ab, muss Schelte einstecken
oder
sich Schelte anhören
. Das Wort, das als feiner gilt als beispielsweise „schimpfen“, wird außerdem in Zusammensetzungen gebraucht, wenn es um Vorwürfe geht, die sich pauschal gegen eine bestimmte Gruppe und nicht gegen einzelne Personen richten, zum Beispiel
Medienschelte, Parteienschelte
oder
Politikerschelte.

Der Ausdruck
unbescholten
für „rechtschaffen“, „von einwandfreiem Ruf“, „ehrenhaft“ leitet sich von dem mittelalterlichen Brauch her, öffentlich einen
Scheltbrief
, eine Art Anklageschrift, anzuschlagen oder zu verlesen, wenn Vorwürfe gegen jemanden erhoben wurden. Damit war ein Betroffener
beschulten
. Ein „unbescholtener Bürger“ ist also ursprünglich einer, gegen den in der Öffentlichkeit keine Vorwürfe bestehen.
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