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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE

Lawine

La|wi|ne
f.
11
1.
herabstürzende Schnee und Eismasse im Gebirge;
Syn.
bayr.österr.
Lahn, Lähne,
schweiz.
Lahne, Laue, Lauene
2.
übertr.
rasch aufeinanderfolgende Menge von Ereignissen, Vorgängen, Dingen;
eine L. von Anfragen, Zuschriften, Protesten
[< 
lat.
labina
„Erdrutsch“, zu
labi
„gleiten“]
Lawine:
Der Ausdruck für „Schnee“ oder „Erdrutsch“ im Gebirge kommt von dem rätoromanischen Wort
lavina
und wurde in der Schweiz zunächst in der Form
Lauine
benutzt. Es geht zurück auf das lateinische Verb
labi
für „gleiten“, „rutschen“. Das althochdeutsche
laue
oder
lauene
ist weiter gefasst, es kann ein „Bergsturz“ sein, aber auch nur einfach ein „Wildbach“. Das Abrutschen großer Schnee oder Eismassen wird als
Lawinenabgang
bezeichnet. In den Alpen werden jährlich Zehntausende solcher Lawinenabgänge gezählt, die meisten in Hochgebirgslagen oberhalb von 2000 Metern.
Lawinengalerie
nennt man die Überdachungen für
lawinengefährdete
Straßenabschnitte in den Bergen. Unterschieden werden
Staub
oder
Windlawinen
, die aus Pulverschnee bestehen, der auf älteren, noch gefrorenen Schichten ins Rutschen kommt, und
Grund
oder
Schlaglawinen
, die aus altem, durch Auftauen vom Boden gelösten Schnee entstehen.
Das Wort
Lawine
wird aber in einem übertragenen Sinn auch allgemein verwendet. So können Menschen eine
Lawine ins Rollen bringen
oder
lostreten
, wenn sie etwas initiieren, das ungeahnte Folgen hat. Dabei schwingt eine negative Konnotation im Sinn von „nicht überschaubar“ oder „in den Konsequenzen kaum beherrschbar“ mit. Eine falsche politische Entscheidung kann zum Beispiel eine
Lawine
von Protesten auslösen. Der Anstieg der Schulden in den öffentlichen Haushalten wird gelegentlich als
Schuldenlawine
bezeichnet. Eine andere Art von Lawine ist schließlich die
Blechlawine
: Damit ist starker Autoverkehr gemeint, der sich besonders in Berufsverkehrs oder Ferienzeiten über Straßen und Autobahnen wälzt.
Unter
Lawineneffekt
versteht man eine technische Erscheinung in Halbleitern. Dabei stoßen durch hohe Spannungen stark beschleunigte Ladungsträger weitere sonst fest im Kristallgitter eingebaute Ladungsträger heraus, was zu einem
lawinenartigen
Anwachsen der Ladungsträgerdichte und damit des Stroms führt.
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