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GROßES WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE
Agenda:
Agenda
bedeutete ursprünglich „Schreibtafel“. In dem Wort steckt das lateinische Verb
agere
„tun“, „machen“, „(ver)handeln“, „(be)treiben“. Grammatikalisch ist
Agenda
die NeutrumPluralForm des Gerundivs und heißt wörtlich übersetzt „das zu Machende“.
In Deutschland wurde der Begriff vor allem seit der Reformationszeit zunächst in der Variante
Agende
für Gottesdienstordnung verwendet (auch:
Kirchenagende
), das heißt, als Sammelbezeichnung für alle gottesdienstlichen Handlungen von Gebeten über Ansprachen zu Segnungen. Im 19. Jahrhundert wird
Agenda
allgemein in der Bedeutung „Merkblock“ gebraucht und heute meist im Sinn von „Tagesordnung“ verwendet. Gemeint ist eigentlich also eine Stichwortliste mit abzuarbeitenden Themen. In der Politik wird
Agenda
im Sinn von „Programmatik“ gebraucht. So ist
Agenda 21
die Bezeichnung für ein 1992 von den Vereinten Nationen begonnenes weltweites Aktionsprogramm für nachhaltige Entwicklung;
21
steht dabei für das 21. Jahrhundert. In der Publizistik bezeichnet
Agenda
schließlich die Themenschwerpunkte, die durch Massenmedien in der öffentlichen Meinung erzeugt werden. Dabei ist auch von
AgendaSetting
die Rede (wörtlich: „Themensetzung“, aus
Agenda
+ englisch
set
„setzen“).
Das lateinische Verb
agere
ist in einer ganzen Reihe eingedeutschter Wörter enthalten. Es wird in der Form
agieren
für „handeln“ verwendet, steckt aber etwa auch in
reagieren
für „Gegenwirkung zeigen, auf etwas ansprechen“ (aus
re
„zurück“ +
agere
) oder in Substantiven wie
Agent
oder
Agentur
. Von der PartizipPassivForm
actum
sind Begriffe abgeleitet wie
Akt,
Akte,
Aktie,
Akteur,
Aktion
oder
Aktivität
.
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