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Rätsel des Alltags

Heilerde: Was ist das eigentlich?

Heilerde
Die essbare Erde

Heilerde dient als Medikament bei verschiedenen Beschwerden, beispielsweise bei Sodbrennen.

Was ist eigentlich Heilerde?

Erde kann man essen. Sie wird sogar als Arzneiwirkstoff oder Medikament eingesetzt. Bei der essbaren Erde handelt es sich natürlich um eine ganz besondere Art von Erde. Also bitte nicht beim nächsten Heißhunger in die Blumenerde beißen!

 

Die essbare Erde

Sie wird nicht gegessen, um den Hunger zu stillen. Sie dient als Medikament bei verschiedenen Beschwerden. Daher wird sie als „Heilerde“ bezeichnet. Wissenschaftlich ist „Heilerde“ nichts anderes als Löß. Dabei handelt es sich um sehr feines, staubartiges Lockermaterial, das während der Eiszeiten aus den trocken gefallenen Flussbetten ausgeweht wurde. Die Lößkörnchen haben einen Durchmesser von 0,002 bis 0,02 Millimeter.

 

Quarz, Kalk & Co

Löß besteht im Wesentlichen aus dem Mineral Quarz. Dazu kommen untergeordnet noch einige andere Minerale, Kalk und so genannte Tonminerale. Um ihn als Arzneimittelwirkstoff verwenden zu können, wird er gereinigt, getrocknet, nochmals gemahlen und gesiebt.

 

Die heilende Wirkung

Für die medizinische Anwendung von Löß sind vor allem der Kalk- und Tonmineralanteil entscheidend. Tonminerale sind feine, schichtartig aufgebaute Minerale. Sie haben die Fähigkeit zwischen ihren Schichten Ionen, also elektrisch geladene Teilchen, aufzunehmen oder abzugeben. Man nennt dies Ionenaustausch.

 

Säure wird eliminiert

Das ist gut gegen Sodbrennen: Magensäure besteht vor allem aus Wasser und Salzsäure, die sich wiederum aus Wasserstoff und Chlor zusammensetzt. In der wässrigen Lösung der Magensäure liegen alle Bestandteile als Ionen vor. Wenn man den Löß mit Wasser verrührt einnimmt, wird das kleinste aller Ionen, das Wasserstoff-Ion, besonders leicht in die Schichten der Tonminerale eingebunden. Dadurch wird die Säure unschädlich gemacht. Auch durch den Kalk im Löß wird Magensäure neutralisiert. Heilerde kann auch bestimmte Stoffwechselprodukte, wie zum Beispiel Gallensäure, und verschiedene Gifte binden. Ob sie allerdings lecker schmeckt, ist Geschmackssache.

Dr. Alexander Stahr
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