21.05.2015
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wissen.de Artikel

Praxisbeispiele erfolgreicher Veränderung

Für eine befriedigende berufliche Tätigkeit ist eine klare Zielvorstellung unabdingbar - das zeigen auch die folgenden Beispiele aus der Praxis. Eine Karriere kann nur dann erfolgreich verlaufen, wenn Sie sich über Ihre persönlichen Qualifikationen und vor allem über Ihre Ziele im Klaren sind. Welchen Weg Sie dann einschlagen, ob Weiterbildung, Jobwechsel oder Selbstständigkeit, hängt von Ihren individuellen Voraussetzungen und Ihrer Persönlichkeit ab.

Firmeninterner Jobwechsel

Manchmal ist es Zeit zu gehen und die Chancen einer beruflichen Veränderung zu nutzen. Doch nicht immer bedeutet der Wechsel von einer unbefriedigenden Arbeitssituation in eine passende und befriedigende Position einen Wechsel des Unternehmens. Zusammen mit Ihren Vorgesetzten können Sie an Ihrer Karriere innerhalb der Firma arbeiten, wie Oliver (28 Jahre, Medieninformatiker). "Nach meinem Studium habe ich immer nur Webseiten programmiert und bin schon über zwei Jahre meinem jetzigen Arbeitgeber treu geblieben. Über acht oder neun Monate fühlte ich mich nicht mehr richtig ausgelastet. Wobei mir klar ist, dass dies nichts mit meinem Job als Programmierer zu tun hat. Mir fehlt der Kontakt zum Kunden und auch die konzeptionelle Arbeit. Nach langem hin und her habe ich mich entschieden, mit meinem Chef die Situation zu besprechen, denn eigentlich hätte ich es wegen der Kollegen schade gefunden, die Firma zu verlassen. Wir einigten uns schnell darauf, dass ich mich schrittweise aus der Programmierung zurückziehe und dafür vermehrt als Projektleiter tätig bin. Mittlerweile bin ich richtig glücklich über diese Wendung - ich habe eine Aufgabe, die mich total ausfüllt und bei der ich auch noch erfolgreich bin!"

Neue Möglichkeiten durch Weiterbildung

Silke (31 Jahre, Fremdsprachensekretärin) war nach fast zehn Jahren im gleichen Beruf durch die tägliche Routine ausgebrannt und völlig unmotiviert. "Ich erkannte mich selbst nicht wieder. Ich hatte zu nichts mehr Lust, weder im Büro, noch in meiner Freizeit. Langsam zog ich mich immer mehr von Freunden und Kollegen zurück, ohne es selbst richtig zu bemerken. Erst aufgrund einer einschneidenden und schmerzlichen Situation am Arbeitsplatz konnte ich meine Lage analysieren und mich zu einer Weiterbildung im Bereich Marketing/PR entschließen. Die Weiterbildung setzte so viel positive Energie frei, von der ich nichts geahnt hatte. Heute bin ich Marketingassistentin in einem Buchverlag, mit der Option, zur Marketingleitung aufzusteigen, und einfach rundherum glücklich."

Der Schritt in die Selbstständigkeit

"Ich sah einfach keine andere Möglichkeit", erklärt Janina (35, selbstständige Designerin). "Ich war es einfach leid, unter hohem Termindruck zu arbeiten, weil die Aufträge und Projekte viel zu knapp kalkuliert waren. In der Werbebranche sind unregelmäßige Arbeitszeiten, die sich auch auf die Wochenenden ausdehnen, üblich. Doch ich wollte mir meine Zeit selbst einteilen und organisieren und nicht mehr einzig von den Vorgaben der Vorgesetzen abhängig sein. Nach reiflicher Überlegung fiel mir der Sprung in die Selbstständigkeit nicht schwer. Ich genieße es, mein eigener Chef zu sein, Projekte eigenverantwortlich zu bearbeiten und die Aufträge annehmen zu können, die mir liegen und die mich auch künstlerisch weiterbringen. Die Selbstständigkeit bedeutet heute für mich den entscheidenden Karrieresprung, der sich auch durchaus positiv auf mein Privatleben ausgewirkt hat."

Aufstieg durch Unternehmenswechsel

"Wahrscheinlich habe ich eine berufliche Karriere im klassischen Sinne gemacht", sagt Andreas (41, Geschäftsführer bei der Tochterfirma eines Unternehmens im Ausland). "Ich habe sehr zielgerichtet an meinem beruflichen Aufstieg gearbeitet. Schon im Studium standen meine Qualifikationen im Vordergrund. Ich habe Auslandssemester und Praktika bei renommierten Unternehmen absolviert. Vielleicht bin ich ein so genannter Workaholic. Ich wollte schon immer die beruflichen Fäden in der Hand und eine Führungsposition innehaben. Die Stufen meiner Karriereleiter konnte ich nur durch gezielte Jobwechsel von Unternehmen zu Unternehmen im Rhythmus von drei bis fünf Jahren erklimmen."

Erfolgreiche Veränderung Prominenter – Zwei Beispiele

Manfred Köhnlechner

1925 geboren
  Studium der Rechtswissenschaften
1949 Promotion
1957 - 1970 Generalbevollmächtigter des Bertelsmann-Konzerns
1972 Eröffnung einer Naturheilpraxis
1974 Gründung des Manfred Köhnlechner Instituts für Erfahrungsmedizin e. V.
1985 Gründung der Manfred Köhnlechner Stiftung zur Förderung der biologisch-naturheilkundlichen Verfahren im Sinne der Erfahrungsmedizin
  Autor von dreißig Büchern
  Kolumnist
  Gastprofessur an der Semmelweis Universität in Budapest
Im April 2002 verstarb Manfred Köhnlechner im Alter von 76 Jahren

So bescheiden lässt sich der Lebenslauf von Manfred Köhnlechner in aller Kürze zusammenfassen. Doch als unspektakulär kann man sein Leben gewiss nicht bezeichnen. Immerhin kennen ihn 96 Prozent der erwachsenen Deutschen - eine Popularität, von der so mancher Politiker nur träumen kann. Der ehemalige Topmanager des Bertelsmann-Konzerns verabschiedete sich überraschend aus der Wirtschaft und startete mit 45 Jahren seine zweite Karriere als Heilpraktiker. Er begründete seine Entscheidung mit den Worten: "Abgenutzt, amtsmüde, gelangweilt, ohne die nötige Besessenheit und der Welt des Kommerziellen entfremdet".

Ursprünglich hatte Köhnlechner Arzt werden wollen. Doch erst nachdem er jahrelang erfolgreich einer klassischen beruflichen Karriere gefolgt ist und an der Spitze eines internationalen Konzerns stand, war für Manfred Köhnlechner der Wendepunkt in seinem Leben gekommen. Er wagte einen völligen Neubeginn in einem ihm unbekannten Terrain und folgte seiner Intuition. So verwirklichte er seinen ursprünglichen Berufswunsch und wurde Heilpraktiker. Köhnlechner sorgte in den 70er und 80er Jahren mit publikumswirksamen Auftritten dafür, dass die Naturheilkunde einen größeren Bekanntheitsgrad erreichte und mehr Beachtung fand. Stets stand Manfred Köhnlechner im Zentrum der Kritik der Schulmediziner und galt als stark umstrittener Heiler. In seinen zahlreichen populärwissenschaftlichen Büchern, die stets hohe Auflagen erreichten, widmete er sich gesundheitlichen Fragestellungen auf der Basis der Naturheilkunde. Köhnlechners Ziel war die Gleichberechtigung der Naturheilverfahren mit der Schulmedizin. Beide Disziplinen sollten gleichberechtigt an den Universitäten gelehrt werden.

Karl Ludwig Schweisfurth

Metzgermeister und Inhaber der Herta-Wurstfabrik und Gründer von Ökodörfern. Karl Schweisfurth stammt aus einer Unternehmerfamilie, die seit über 100 Jahren ein Lebensmittelunternehmen in Westfalen betreibt. In der Tradition seines Vaters und Großvaters übernahm er mit 34 Jahren die Leitung des Familienunternehmens. 1984 verkauft Schweisfurth seine Herta-Wurstwaren-Fabrik und wandte sich einer ökologisch verträglichen Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion zu. Diese radikale Wende in der Unternehmensphilosophie haben seine Frau und seine beiden Söhne entscheidend mit beeinflusst.

Zwei Jahre später gründete Karl Schweisfurth sein erstes "Herrmannsdorf". Damit verwirklichte er seine Vorstellungen eines ökologisch geführten Lebensmittelbetriebes. Die folgenden sieben mageren Jahre überstanden die Schweisfurths. Seither arbeiten die drei Herrmannsdörfer wirtschaftlich erfolgreich. Und weitere 1000 (!) Herrmannsdörfer sollen in der Vision Karl Schweisfurths folgen. Seine Idee hinter den Herrmannsdörfern ist plausibel und einfach: "Das Leben in den Lebensmitteln schützen und bewahren, Stufe um Stufe auf dem langen Weg vom Acker bis in uns hinein - denn Gesundheit ist unteilbar und Leben ist überall."