04.06.2018
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Sternenhimmel Juni 2018

Sommersonnenwende, Milchstraße und ein Flug zur ISS

Es herrscht Sommer – auch am Himmel. Mit der Sommersonnenwende am 21. Juni erreicht die Sonne ihren höchsten Stand bei uns und es ist solange hell wie an keinem anderen Tag im Jahr. Dennoch gibt es am Nachthimmel einiges zu sehen: Venus und Jupiter liefern sich am Abendhimmel ein "Duell" und die Milchstraße leuchtet jetzt besonders schön. Am 6. Juni startet zudem ein deutscher Astronaut zur Internationalen Raumstation ISS.

Stonehenge
Zur Sommersonnenwende am 21. Juni wird es mehr als 16 Stunden hell sein.
Der Juni bringt auch offiziell den Sommeranfang – und den längsten Tag des Jahres. Denn zur Sommersonnenwende am 21. Juni wird es mehr als 16 Stunden hell sein. Am Mittag dieses Tages steht die Sonne zudem so hoch über unseren Köpfen und so weit nördlich wie das ganze Jahr hindurch nicht. Ihr Licht fällt in einem Winkel von 65 Grad bei uns ein. Jenseits des Nordpolarkreises geht die Sonne in diesen Tagen und Wochen sogar gar nicht mehr unter – hier herrscht 24 Tagen lang Tag.

Doch nicht nur die Tage sind momentan besonders lang, auch die Dämmerung hält länger an als sonst. Es kann nach Sonnenuntergang bis zu drei Stunden dauern, bis wirklich dunkle Nacht herrscht. Umgekehrt beginnt auch die Morgendämmerung schon kurz nach Mitternacht. Als Folge sind die Nächte extrem kurz: In Bayern ist es nur zwischen Mitternacht und etwa 02:00 Uhr morgens richtig dunkel, in Norddeutschland bleibt sogar dann noch ein schwaches Restlicht erhalten. Trotz der kurzen Dunkelheit können wir nun viele typische Sommersternbilder beobachten, darunter die kreuzähnlichen Konstellationen Adler und Schwan oder die Leier mit ihrem hellen Stern Wega.

Saturn
Im Juni erreicht der Saturn seine Oppositionsstellung zur Sonne und löst den Jupiter als prominentestes Objekt am Nachthimmel ab.

Venus und Jupiter gegenüber, Saturn in Opposition

Trotz kurzer Nacht sind im Moment besonders viele Planeten am Himmel zu sehen. In der Abenddämmerung scheinen dabei die helle Venus und der wenig lichtschwächere Jupiter um die Wette. Beide Planeten stehen einander dabei am Himmel fast gegenüber: Die Venus leuchtet als "Abendstern" im Westen, der Jupiter im Südosten. Während jedoch die Venus kurz nach der Sonne untergeht, bleibt uns der Jupiter fast die gesamte Nacht hindurch erhalten. In der zweiten Nachthälfte bekommt er Gesellschaft vom rötlich schimmernden Mars.

Relativ gut zu beobachten ist in diesem Monat auch der Saturn. Denn der Ringplanet steht am 27. Juni in Opposition – die Erde wandert dann genau zwischen ihm und der Sonne hindurch, so dass der Planet von uns aus gesehen voll vom Sonnenlicht angestrahlt wird. Er ist in dieser Zeit heller als alle Sterne um ihn herum und leuchtet fast die gesamte Nacht hindurch über den Südhorizont.

Milchstraße
Zu keiner anderen Zeit im Jahr ist die Milchstraße so gut mit bloßen Augen zu beobachten wie in diesen Tagen.

Großer Auftritt für die Milchstraße

Obwohl die Nächte jetzt kurz sind, kann man momentan ein Himmelsphänomen besonders gut bestaunen: die Milchstraße. Denn im Sommer steht der dichteste und schönste Teil unserer Heimatgalaxie genau über uns: das galaktische Zentrum. Die Milchstraße bildet dadurch ein sternenschimmerndes Band, das fast senkrecht auf dem Horizont zu stehen scheint. Besonders gut ist sie Mitte Juni zu sehen, weil es dann kaum störendes Mondlicht gibt.

Möglich ist dieser faszinierende Anblick, weil unser Sonnensystem in einem eher entlegenen Teil der Milchstraße liegt. Wir blicken daher von der Erde aus im Sommer von außen auf den dichtesten zentralen Teil unserer Galaxie. Weil die Sterne der Milchstraße  -auch unsere3 Sonne – zudem alle auf einer scheibenförmigen Ebene liegen und wir diese Ebene von der Seite anschauen, erscheint uns die eigentlich spiralförmige Galaxie als Sternenband am Himmel.

ESA-Astronaut Alexander Gerst und sein robotischer Kollege CIMON
Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst und sein robotischer Kollege CIMON.

Aufbruch zur ISS

Der 6. Juni 2018 bringt uns zwar kein Himmelsereignis, wohl aber ein Raumfahrt-Highlight: Um 13:11 Uhr an diesem Tag startet der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation (ISS) – bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere.  Sechs Monate wird der Geophysiker in der fliegenden Forschungsstation leben und arbeiten und dabei sogar das Kommando der Mission übernehmen. Der Missionsname "Horizons" symbolisiert die Neugier und Faszination, Unbekanntes zu entdecken und zu erforschen.

Neben den sechs menschlichen Astronauten wird bei der Mission "Horizons" auch ein eher ungewöhnliches Crewmitglied an Bord der Raumstation sein: CIMON, ein Roboter-Assistent. Dieser mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Helfer sieht aus wie ein kleiner runder Fernseher kann aber sehen, hören, sprechen – und sogar fliegen. Er soll die Astronauten bei ihren Aufgaben unterstützen und kann ihnen beispielsweise Fragen zum Vorgehen beantworten oder ihnen zusätzliche Informationen liefern.

NPO, 04.06.2018