27.02.2018
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Eisbären: Die weißen Riesen der Arktis

Heute ist der internationale Tag des Eisbären - ein Tag an dem wir die weißen Giganten der Arktis ehren. Ihr ungewisses Schicksal gibt dem Klimawandel ein Gesicht und macht sie zu den bekanntesten Symboltieren des arktischen Eisschwunds. Doch was wissen Sie eigentlich über diese großen Raubtiere? Und wie stehen deren Überlebenschancen mit dem voranschreitenden Klimawandel?

Rund um den Nordpol leben heute geschätzte 22.000 bis 31.000 Eisbären. Korrekte Zählungen sind jedoch schwierig, da viele der Gebiete nur schwer zugänglich sind. Die mit den Braunbären verwandten Bären gehören zu den größten Raubtieren der Arktis. Männliche Eisbären sind bis zu 3,40 Meter lang und können 500 Kilogramm wiegen. Die Weibchen bringen nur halb so viel Kampfgewicht auf die Waage. Der größte jemals dokumentierte Eisbär wog sogar knapp über eine Tonne und damit etwa so viel wie ein VW Polo.

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Der Eisbär ist ein Kältespezialist

Gegen die arktische Kälte von bis zu -50°C besitzen Eisbären mehrere Strategien. Ihr gelblich-weißes Fell ist relativ lang und hält ein Luftpolster über der eigentlich schwarzen Haut fest. So geht nur wenig Körperwärme verloren. Schaut man genauer hin, fällt auf, dass die einzelnen Haare gar nicht weiß sind, sondern hohl und eher transparent erscheinen. Dadurch leiten sie die Sonnenstrahlen direkt auf die schwarze Haut und heizen das eigentlich schwarz-weiße Tier zusätzlich auf.  Direkt unter der Haut sitzt eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Fettschicht, die nicht nur isoliert, sondern beim Schwimmen auch noch zusätzlichen Auftrieb verleiht.

Eisbären sind bestens an das Leben auf dem Eis angepasst. Die meisten Tiere kommen zwar an Land zur Welt, verbringen den Großteil ihres Lebens jedoch auf dem Packeis des Nordpolarmeeres. Sie sind so abhängig vom Lebensraum Meer, dass sie mit Walen und Robben zu den Meeressäugern gezählt werden. Entsprechend sind sie exzellente Schwimmer und können sogar mehrere Tage lang schwimmen – ohne Pause. Dabei benutzen sie ihre mit Schwimmhäuten versehenen Vorderpfoten als Paddel und ihre Hinterbeine als Ruder.

Eisbär beim Fressen einer Robbe
Dieser Eisbär hat gerade eine Bartrobbe erlegt und beginnt, sie auszuweiden.

Meistens heißt es warten

Robben sind die absolute Leibspeise der großen Raubtiere. Um satt zu werden, brauchen sie mindestens eine Robbe pro Woche. Auf der Jagd nutzen sie hauptsächlich drei Strategien: warten, buddeln und schleichen. Am häufigsten lauern sie einfach – oft bis zu mehrere Stunden – an den Atemlöchern der Robben. Tauchen diese auf, riecht der Bär den Robbenatem und langt mit seinen Pranken ins Loch. Alternativ graben sie die Robben auch aus deren Bruthöhlen in Schneewehen oder pirschen sich langsam ran. Dabei helfen ihnen ihre behaarten Tatzen – auch um nicht auszurutschen. Legenden besagen, dass sie auf der Jagd ihre schwarze Nase verdecken, um sich besser im weißen Schneegestöber zu tarnen. Zeugen dafür gibt es jedoch nicht.

Immer der Nase nach

In der weißen Wüste der Arktis gibt es nicht viel zu sehen und zu hören. Eisbären besitzen deswegen nur ein durchschnittliches Seh- und Hörvermögen – in etwa so gut wie wir Menschen. Dafür können die Jäger ausgezeichnet riechen. Sie wittern das mit Schnee bedeckte Atemloch einer Robbe schon aus einem Kilometer Entfernung, einen toten Wal sogar aus 30 Kilometern.

In ihren Spuren lassen die Eisbären ihren Geruch zurück. So wissen sie immer, in welche Richtung ihre Artgenossen durch die weiße Wüste trotten. Das bewahrt die Einzelgänger vor Ärger mit Artgenossen oder hilft bei der Partnersuche.

Bedrohung durch den Klimawandel

Eisbären leben auf dünnem Eis - buchstäblich. Denn zwei Drittel der 19 Eisbär-Populationen auf der Erde schrumpfen. Der Grund: Bei der Jagd auf Robben sind sie auf das Packeis angewiesen. Doch durch die Erderwärmung schmilzt das Eis im Frühjahr immer früher und gefriert später im Herbst. Dadurch müssen die Eisbären zu diesen Zeiten immer häufiger lange Strecken schwimmen oder auf das Land ausweichen.

Eisbär auf dünnem Eis
Den Eisbären schmilzt das Eis buchstäblich unter den Füßen weg.
Zwar lebe sie im Sommer ohnehin an Land, aber in dieser Zeit  müssen sie von ihren Fettreserven zehren – sie hungern. An Land zu bleiben ist daher keine Alternative – hier können sie höchstens 180 Tage überleben. Die meisten Tiere laufen ihnen nämlich einfach davon. Rennende Eisbären überhitzen einfach zu schnell – ein Nachteil der guten Kälteisolierung. Ist der Hunger dann groß genug, wagen sich die Bären auch in die Nähe menschlicher Siedlungen. Dann sind auch Mülldeponien nicht vor ihnen sicher, wo sie sogar versuchen Styropor, Plastik oder Autobatterien zu fressen.

Wissenschaftler rechnen damit, dass 30 Prozent der Eisbären bis zum Jahr 2050 der zunehmenden Eisschmelze zum Opfer fallen werden – sie finden einfach nicht mehr genügend Nahrung um zu überleben. Schon jetzt sind die südlichsten Populationen betroffen. In der Hudson Bay, im Nordosten Kanadas, hat die die Zahl der Eisbären innerhalb von drei Jahrzehnten um 22 Prozent abgenommen. Die Eisschollen driften hier schon drei Wochen früher auseinander als noch vor 30 Jahren, was die Bären von ihrem Futter abschneidet und die Hungerzeit verlängert.

Falls sich der Klimawandel also fortsetzt und wir die Bären nicht ausreichend schützen, könnten auf langer Sicht keine Eisbären mehr da sein, um den Tag des Eisbären zu feiern.

YBR, 27.02.2018