15.02.2017
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Grippewelle: Lohnt sich eine Impfung noch?

Die Grippe schlägt in diesem Jahr so heftig zu wie lange nicht mehr: Zehntausende Menschen sind in Deutschland an der Influenza erkrankt, mehr als 100 sind an den Folgen gestorben. Das momentan kursierende Virus löst zudem besonders häufig schwerwiegende Komplikationen aus. Viele Menschen fragen sich daher: Lohnt sich jetzt noch eine Impfung? Und wem nutzt sie?

Impfung
Angesichts der diesjährigen Grippewelle fragen sich viele Menschen, ob eine Impfung jetzt noch lohnt.
Mehr als 40.000 Grippefälle hat das Robert Koch-Institut seit Jahresbeginn in Deutschland erfasst – wahrscheinlich aber sind noch deutlich mehr Menschen erkrankt, wurden aber nicht gemeldet. Im Gegensatz zu den eher mild verlaufenden Influenza-Wellen der letzten Jahre löst der derzeit kursierende Virustyp AH3N2 gerade bei älteren Menschen häufiger schwere Symptome aus. 126 Menschen sind bereits an der Influenza gestorben.

Infolge der Grippewelle sind in vielen Regionen Deutschlands die Krankenhäuser und Arztpraxen völlig überlastet. Besonders betroffen sind der Süden und Osten Deutschlands, sowie Teile von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Bisher ist ein Abflauen der Epidemie nicht in Sicht. Experten vermuten daher, dass sich die Grippe in den nächsten Wochen weiter ausbreiten wird.

Lohnt sich die Impfung noch?

Eigentlich ist der beste Zeitpunkt für eine Grippeimpfung Oktober/November – bevor die Grippewelle beginnt. Einer der Gründe dafür: Bis nach der Impfung die volle Schutzwirkung eintritt, dauert es rund zwei Wochen. Dennoch raten Experten auch jetzt noch zu einer Influenza-Impfung – spät sei besser als gar nicht. Denn normalerweise dauert eine Grippewelle zwölf bis 16 Wochen – jetzt ist gerade die neunte Woche erreicht. Die Influenzaviren könnten daher durchaus noch einige Wochen bei uns zirkulieren.

Wer sollte sich impfen lassen?

Generell gilt die Impfempfehlung gegen Grippe vor allem für ältere Menschen, chronisch Kranke und schwangere Frauen. Denn bei ihnen führt die Infektion mit dem Virus besonders häufig zu schweren Symptomen und Komplikationen. "Die Influenza oder echte Grippe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt Mark Dankhoff von der DAK-Gesundheit. "Besonders für ältere Menschen und Schwangere kann die Infektion gefährlich werden."

Über eine Impfung nachdenken sollten auch diejenigen, die im kommenden Karneval ordentlich feiern wollen und sich dabei ins Getümmel stürzen. Denn gerade in größeren Menschenansammlungen wird das Virus besonders leicht übertragen. Wenn man dann noch länger in der Kälte steht, wie beim Straßenkarneval üblich, ist man für die Infektion ein leichtes Ziel.

Fußgänger beim Überqueren eines Zebrastreifens
Schmudelwetter und Menschenmassen - ideale Voraussetzungen für die Ausbreitung der Grippe
Wie wirksam ist die Impfung?

Wie gut eine Grippeimpfung schützt, ist von Jahr zu Jahr sehr verschieden. Denn die Impfstoffe werden bereits Monate vor Beginn der Grippewelle produziert. Ihre Zusammensetzung basiert auf den Virenstämmen, die vor etwa einem halben Jahr kursierten. Dummerweise sind Grippeviren aber sehr wandelbar: Sie können ihre Oberfläche durch Mutationen verändern. Das kann dazu führen, dass Impfstoff und Virenstamm zum Zeitpunkt der Grippewelle schon nicht mehr optimal übereinstimmen.

Auch in diesem Jahr ist dies der Fall, wie das RKI berichtet. Als Folge ist man auch nach einer Influenza-Impfung nicht 100-prozentig gegen die Krankheit geschützt. Stattdessen liegt die Quote bei der Schutzwirkung momentan nur zwischen 25 und 40 Prozent. Das ist zwar nicht optimal, aber immer noch besser gar nichts, wie Experten des RKI betonen. Zudem verläuft die Grippe bei Geimpften milder – und das ist ja auch schon ein positiver Effekt.

Wie erkenne ich die echte Grippe?

Typisch für eine Grippe ist, dass das Krankheitsgefühl sehr plötzlich und stark einsetzt: Von einem Moment auf den andern fühlen wir uns schwach, haben hohes Fieber mit Gliederschmerzen und teilweise sogar Schüttelfrost. Begleitet wird dies von Schweißausbrüchen, Appetitlosigkeit und einem allgemeinen Gefühl der Zerschlagenheit und Schwäche. Kommt dann noch ein trockener Husten hinzu, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Im Gegensatz dazu beginnt eine normale Erkältung meist eher schleichend: Erst läuft die Nase, dann kratzt der Hals und erst später kommen auch Husten und Kopfschmerzen dazu.

Wie kann ich vorbeugen?

Auch wenn ich mich jetzt nicht mehr impfen lassen möchte, kann ich gegen eine Grippeerkrankung vorbeugen. Die wichtigste Empfehlung der Experten dazu: Hände waschen – und das so oft wie möglich. Wichtig ist dies vor allem, nachdem man beispielsweise in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Gebäuden Türgriffe, Haltstangen oder ähnliches angefasst hat. Denn sie sind beliebte "Verteiler" für Influenzaviren. Gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen und Älteren raten die Experten zudem, Menschenansammlungen im Moment lieber ganz zu meiden.

NPO, 15.02.2017