09.01.2017
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wissen.de Artikel

Diät: Vorsicht bei Schlankheitspillen

Sie verheißen Verlockendes, sind aber oft unwirksam und manchmal sogar richtig gefährlich: Schlankheitsmittel. Die Tabletten und Pülverchen können ihre Wunderversprechen in der Regel nicht halten, warnen Experten. Schlimmer noch: Besonders in online vertriebenen Präparaten stecken häufig illegale Substanzen. Wer sie schluckt, kann damit sein Leben riskieren.

Massband und Pillen
Verheißungsvolle Botschaft: Täglich ein paar bunte Pillen geschluckt und schon purzeln die Pfunde.
Es klingt verlockend: Täglich ein paar bunte Pillen oder Pülverchen geschluckt und schon purzeln die Pfunde. Gerade jetzt zu Beginn des neuen Jahres lassen sich viele Menschen von solchen Versprechen auf den Verpackungen von Schlankheitsmitteln verleiten. Denn der Wunsch, möglichst schnell ein wenig abzuspecken ist nach der fetten Gans an Weihnachten und dem käsereichen Raclette-Essen an Sylvester wohl besonders groß.

Doch Experten raten zur Vorsicht. Die meisten dieser vermeintlichen Wundermittel wirken wenig bis gar nicht. Im schlimmsten Fall kann ihre Einnahme aber sogar tödliche Folgen haben. Besonders Mittel, die im Internet angeboten werden, können die Gesundheit schwer schädigen, warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Unrealistische Erfolgsversprechen

Schlankheitsmittel werden im Handel in der Regel als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht. Anders als Arzneimittel sind Nahrungsergänzungsmittel jedoch nur dazu bestimmt, dem Körper zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe und andere Stoffe zuzuführen. Eine arzneiliche Wirkung dürfen diese Produkte per Definition gar nicht entfalten - und damit auch keine Abnehmwirkung ohne reduzierte Kalorienzufuhr. Schnellen und unrealistischen Erfolgsversprechen sollten Verbraucher daher grundsätzlich skeptisch gegenüberstehen, raten die Experten.

Hinzu kommt: Nahrungsergänzungsmittel durchlaufen kein behördliches Zulassungsverfahren, in dem ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit vorab nachgewiesen werden muss. Der Hersteller oder Importeur ist für die Sicherheit seiner Produkte selbst verantwortlich. Die Überwachungsbehörden der Bundesländer kontrollieren Nahrungsergänzungsmittel wie alle anderen Lebensmittel auch nur stichprobenartig.

Fallen beim Online-Shopping

Große Vorsicht ist vor allem bei exklusiv im Internet angebotenen Produkten geboten: Um die Wirksamkeit zu erhöhen, mischen Geschäftemacher oft nicht deklarierte pharmakologisch wirkende Stoffe bei, die bei uns aus guten Gründen verboten sind. Das BVL empfiehlt deshalb, Schlankheitsmittel nie von Privatpersonen zu erwerben und beim Online-Shopping stets das Impressum des Anbieters auf Vollständigkeit zu überprüfen. Auch von Erfahrungsberichten in Chats und Foren sollte man sich nicht täuschen lassen: Oft handelt es sich hierbei um versteckte Werbung.

Bei vermeintlichen Schnäppchen aus dem Ausland sollten Verbraucher ebenfalls genau hinsehen. Denn selbst wenn ein Mittel im Herkunftsland als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist, kann es in Deutschland als Arzneimittel angesehen werden. Eine Einfuhr wäre damit verboten - und dem Besteller droht eine Anzeige.

Finger weg bei diesen Inhaltsstoffen

In jedem Fall lohnt sich vor dem Kauf ein Blick auf die Zutatenliste. Vor allem über unbekannte Inhaltsstoffe sollten sich Abnehmwillige vor der Einnahme eines Diätmittels unbedingt informieren. Zu den oftmals verwendeten illegalen Beimischungen gehört etwa der Appetitzügler Sibutramin, der wegen seiner massiven Nebenwirkungen seit 2010 EU-weit verboten ist und schon zu mehreren Todesfällen geführt hat. Ebenso bedenklich ist die Chemikalie 2,4-Dinitrophenol, kurz DNP.

Auch die Bezeichnung Bitterorangenextrakt sollte stutzig machen: Zwar versteckt sich hinter dem harmlos klingenden Begriff ein in geringen Mengen in vielen Zitrusfrüchten enthaltener pflanzlicher Stoff namens Synephrin. In höheren Dosen wirkt sich dieser jedoch auf das Herz-Kreislauf-System aus und kann besonders in Kombination mit Koffein Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzrasen bis hin zu Kammerflimmern und Herzinfarkte verursachen.

Insbesondere von Kombinationspräparaten, in denen sowohl Synephrin als auch Koffein enthalten ist, raten Mediziner daher ab. Achtung: Koffein tarnt sich in der Zutatenliste oft als Guarana, Kaffee oder Grüntee-Extrakt.

Hilfe für Verbraucher

Wer sich unsicher ist, kann sich im Zweifelsfall vor der Bestellung von Produkten fachlichen Rat suchen - Hausarzt oder Apotheker helfen bei solchen Fragen gerne weiter. Kommen nach dem Kauf eines Nahrungsergänzungsmittels begründete Zweifel wegen dessen Zusammensetzung oder Kennzeichnung auf, können sich Verbraucher zudem an die für ihren Wohnort zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde wenden.

DAL / BVL, 09.01.2016