17.06.2016
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Schlafprobleme am Wochenende – Ist der Job schuld?

Das Wochenende naht – und damit für viele die willkommene Chance, endlich mal wieder so richtig auszuschlafen. Aber ist dann endlich die Woche rum, bleibt häufig der Schlaf aus und man wälzt sich stattdessen schlaflos herum. Aber warum? Wie Psychologen herausgefunden haben, liegt dies häufig an unserem Arbeitsleben – und wie wir damit umgehen.

Schlafloser, im Bett liegender Mann
Was kann man tun, wenn es mit dem erholsamen Wochenendschlaf partout nicht klappen will?
Freitags kurz vor Feierabend ist die Freude auf das Wochenende groß - endlich Zeit für Erholung von der anstrengenden Arbeitswoche. Immerhin sammeln die meisten von uns im Laufe der Woche ein beträchtliches Schlafdefizit an, weil frühes Aufstehen, langes Arbeiten und der Abend mit den Liebsten uns viel zu spät ins Bett gehen lassen. Dumm nur: Oft will der Schlaf ausgerechnet dann, wenn wir ihn so dringend bräuchten, einfach nicht kommen. Wir können nicht einschlafen, wachen viel zu früh auf oder wälzen uns sogar in der Nacht herum.

Tagebuchstudie über drei Monate hinweg

Aber woran liegt diese seltsame Schlaflosigkeit am Wochenende? Der Arbeitsstress ist dann doch weit weg – oder doch nicht? Psychologen der Universität Trier wollten es genauer wissen und haben das Phänomen der wochenendlichen Schlafstörungen in einer dreimonatigen Studie mit knapp 60 Berufstätigen untersucht. Jeder Teilnehmer füllte in dieser Zeit jeden Freitagnachmittag einen Online-Fragebogen zu seinem Arbeitsstress aus und gab dabei auch an, ob und wie viele unerledigte Aufgaben im Job noch auf ihn oder sie warteten.

"Uns hat interessiert, ob das Grübeln über unerledigte Aufgaben ein Bindeglied zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen sein könnte", sagt Conny Antoni von der Universität Trier. Montags direkt vor Arbeitsbeginn machten die Teilnehmer jeweils Angaben dazu, wie gut und lange sie am Wochenende geschlafen hatten und auch, ob sie an die Arbeit gedacht hatten – und in welcher Form.

Zeitdruck, unerledigte Aufgaben und Schlafqualität

Das Ergebnis: Ob ich am Wochenende gut schlafe, hängt nicht unbedingt mit Stress und Zeitdruck am Ende einer Arbeitswoche zusammen. Stattdessen spielt es entscheidende Rolle, ob und wie viele unerledigte Aufgaben im Büro auf mich warten. Die Analysen zeigen: Wer während der Arbeitswoche mehr unerledigte Aufgaben hat, ist am Wochenende stärker von Schlafstörungen betroffen. "Unerledigtes führt zu schlaflosen Nächten – denn gedanklich lässt es uns auch in der Freizeit nicht los", erklärt die Psychologin Christine Syrek.

Aber nicht nur die Tage vor dem Wochenende beeinflussen unseren Schlaf, Arbeitsstress wirkt sich auch langfristig aus:  Beschäftigte, die über drei Monate hinweg am häufigsten über unerledigte Aufgaben berichteten, schliefen auch dann am Wochenende schlechter, wenn in der Woche zuvor ausnahmsweise mal weniger Stress war. Ähnlich ist es mit Zeitdruck: Wer wochenlang ständig unter Zeitdruck steht, dem fällt es selbst in kurzen Phasen mit weniger Belastung schwerer, am Wochenende ungestört zu schlafen.

Zwei Arten des Grübelns

Und noch etwas zeigte sich in der Studie: Es kommt auch darauf an, wie man an den Job und die unerledigten Aufgaben denkt. Wer immer wieder sorgenvoll die Probleme geistig nacherlebt, der schläft deutlich schlechter. "Sorgenvolles Grübeln ist ein Zustand, in dem negative, wiederkehrende Gedanken über die Arbeit auftreten, ohne dass nach Lösungen gesucht wird", erklärt Syrek.

Wer dagegen auch kreativ und problemlösend über die liegengebliebenen Aufgaben nachdenkt, kann davon profitieren. Denn wie die Forscher feststellten, kann diese eher vorwärtsgerichtete, positive Auseinandersetzung das sorgenvolle Grübeln ein wenig ausgleichen. "Problemlösendes Grübeln wirkt hier als eine Art Puffer. Die negative Wirkung des sorgenvollen Grübelns kann dadurch etwas aufgefangen werden", erklärt Syrek.

In jedem Falle ist klar: Wenn es mit dem erholsamen Wochenendschlaf partout nicht klappen will, dann lohnt ein kritischer Blick auf den Arbeitsalltag: Kann ich vielleicht dafür sorgen, dass ich weniger Unerledigtes gedanklich mit ins Wochenende nehme? Und wie kann ich mein Grübeln vielleicht nutzbringend umlenken?

NPO, 17.06.2016