21.05.2015
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Schönheitsideale

Ihr Wandel im Laufe der Jahrhunderte

Was ist eigentlich schön? Die Meinungen darüber mögen auseinandergehen, dennoch finden sich in jeder Epoche vorherrschende Schönheitsideale. Das Idealbild der Frau des Barock würde heute als mollig gelten und die Verteufelung der Körperlichkeit, wie sie im Mittelalter propagiert wurde, stößt in der modernen Gesellschaft auf Unverständnis. Der folgende Artikel beleuchtet, wie sich die Schönheitsideale im Wandel der Zeit veränderten. Weiterhin wird darauf eingegangen, welches Konstrukt von Ästhetik moderne Medien schaffen und wie diese Illusion des perfekten Menschen reale Personen in ihrer Selbstwahrnehmung beeinflusst.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Handelt es sich bei Schönheit lediglich um ein Konstrukt?

 
1. Schönheitsideale im Wandel der Zeit
 
Im Laufe der Jahrtausende hat die Vorstellung davon, was schön und attraktiv ist, immer wieder starke Wandlungen erfahren. Es folgt eine Übersicht der Schönheitsideale ausgewählter Epochen.
 
Die Steinzeit – Die üppige Venus von Willensdorf
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Bei der Venus von Willensdorf handelt es sich um eine 1908 entdeckte Figur aus der frühen Altsteinzeit, welche eine Frau mit üppigen Brüsten und korpulenter Statur zeigt. Die elf Zentimeter hohe Figur besteht aus Kalkstein. Bei dieser Abbildung handelt es sich um eine Nachbildung, welche am Computer erstellt wurde.

Welches Schönheitsideal galt in der Steinzeit? Oft wird die üppige Venus von Willensdorf als Beweis dafür herangezogen, dass Fettleibigkeit in der Steinzeit als attraktiv angesehen wurde. Die PDF „Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, welche im Zuge eines Universitäts-Seminars zum Thema „Museumsgestaltung“ entstand, weist darauf hin, dass es sich bei der Venusfigur eher um ein Symbol der Fruchtbarkeit als um ein Schönheitsideal handle. Die beiden Annahmen müssen sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen. Fettreserven können als Garant für die Aufzucht der nächsten Generation angesehen werden und somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass korpulente Frauen in der Altsteinzeit durchaus das Schönheitsideal darstellten. Zu beachten ist jedoch, dass die Frauen der Steinzeit Sammlerinnen waren und teilweise weite Strecken zurücklegten, um Nahrung zu finden. Wer zu dick war, war diesbezüglich also eingeschränkt. Wie der ideale Mann der Steinzeit ausgesehen hat, ist nicht belegt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass er eine kräftige Statur hatte und muskulös war, schließlich ging er auf die Jagd, um seine Gruppe mit Fleisch zu versorgen.
 
Das alte Ägypten – Das Streben nach Vollkommenheit
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Die Herstellung von Kosmetika war im alten Ägypten bereits bekannt. Für den Lidschatten wurde Khol eingesetzt, aber auch Henna und Azurit, ein blaues Mineral, fanden Verwendung. 
Kleopatra gilt noch heute als Inbegriff einer schönen Frau, zumindest, wenn man ihren Darstellungen in zahlreichen Filmen Glauben schenken mag. Und tatsächlich ist überliefert, dass Kleopatra sehr viel Zeit in ihre Schönheitspflege investierte. In einer PDF des Religionspädagogischen Instituts der EKHN ist nachzulesen, dass die ägyptische Herrscherin täglich in Esels- oder Stutenmilch badete, um ihre Haut zu pflegen. Die intensive Pflege der Haut war jedoch nicht nur Kleopatra selbst ein Anliegen. Die meisten ägyptischen Frauen und auch Männer investierten Zeit und Mühe in die Pflege ihres Körpers. Dabei war die selbst gemischte Kosmetik auch ein Schutz gegen die aggressive Sonneneinstrahlung, gegen den Sand und gegen Insekten, welche Krankheiten übertragen konnten. Männer und Frauen betonten gleichermaßen ihre Augen mit schwarzer oder auch grüner Farbe. Dies hat zum einen religiöse Hintergründe, dient jedoch, wie erwähnt, auch dem Schutz vor Augenkrankheiten und sicher auch der Zierde. Das Auge war ein Symbol für den Sonnengott Ra. Dementsprechend hatte gerade das Augen-Make-up religiöse Bedeutung und seine Herstellung unterlag den Priestern.
 
Das alte Griechenland – Das athletische Männerbild
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Statue eines grieschischen Jünglings, welcher seinen Körper durch Leibesertüchtigungen nach dem Schönheitsideal dieser Zeit ausgeformt hat.
Im alten Griechenland spielte Schönheit eine sehr große Rolle. Ein schöner Körper war ein Statussymbol. Dies galt vor allem für die Männer. Der jugendliche, athletische Mann, welcher ein aktives Leben im Freien führt, seinen Körper ausformt und eine von der Sonne braungebrannte Haut hat, galt als das Idealbild der griechischen Antike. Frauen hingegen sollten eine weiße und zarte Haut haben. Die Ausgewogenheit der Proportionen spielte sowohl bei Männern als auch bei Frauen die zentrale Rolle, wenn es um die Definition von Attraktivität ging. Der Körper durfte also weder zu dick, noch zu dünn sein. Kleine und feste Brüste und ein kräftiges Becken waren Attribute einer schönen Frau, wie zahlreiche griechische Statuen belegen.
 
Die Römer – Badehäuser als Wellness-Tempel
Wie Statuen und Fresken aus dieser Zeit belegen, hatte das Schönheitsideal der römischen Antike starke Ähnlichkeit mit dem der alten Griechen. Jedoch galt Fettleibigkeit bei den Römern nicht mehr als Makel. Im Gegenteil, wer wohlbeleibt war, zeigte damit seinen Reichtum an. In den römischen Kolonien entstanden zudem zahlreiche Badehäuser und es kristallisierte sich schnell eine echte Wellness-Kultur heraus. Die römischen Krieger, welche gegen die Barbaren kämpften, wollten sich deren Gestank abwaschen und suchten unter anderem deshalb regelmäßig die Badehäuser auf. Den Frauen des alten Rom war zudem das Make-up bekannt. Im Grab vom Poppäa, der Frau Neros, wurde Lippenstift aus Zinnober sowie grüne Schminke aus Malachit gefunden. Nach dem Zerfall des römischen Reiches wurde das Tragen von Make-up als heidnisch angeprangert und das Schönheitsideal des natürlich blassen Teints setze sich durch.
 
Das Mittelalter – Verbannung des menschlichen Körpers in die Welt des Bösen
Der immer stärkere Einfluss, den das Christentum im Mittelalter auf alle Lebensbereiche der Menschen nahm, wirkte sich auch auf die Vorstellung von Schönheit aus. Als schön galt eine Frau im Mittelalter, wenn sie eine mädchenhafte und schlanke Figur hatte. Ihre Brüste sollten klein und fest und ihre Hüften schmal sein. Auf Gemälden dieser Zeit wurden Frauen meist androgyn dargestellt. Frauen mit kurvenreichen Körpern galten als gefährliche Verführerinnen, seit sich der Glaube an den von Eva ausgelösten Sündenfall und der darauf folgenden Vertreibung aus dem Paradies durchgesetzt hatte.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Die Zurschaustelllung von Weiblichkeit galt im Mittelalter als Teufelswerk. Frauen wurden deshalb meist ganz im Sinne der damals geltenden christlichen Vorstellungen von Reinheit und Tugend gemalt. 
Vornehmlich Frauen hielten sich nicht viel in der Sonne auf. Ein blasser Teint war deshalb wünschenswert. Um diesen Effekt noch zu verstärken, unterzogen sich manche Frauen Aderlässen, also der Entnahme einer erheblichen Menge an Blut oder bleichten ihre Haut sogar mit giftigem Bleiweiß. Darüber hinaus wurden rosa Wangen und ein kleiner roter Mund als schön angesehen. Die ideale Frau dieser Epoche hatte langes, blondes und gelocktes Haar und strahlend blaue Augen. Das Tragen von Make-up galt als heidnisch, genauso wie die übermäßige Körperpflege. Dieser Umstand sorgte nicht zuletzt dafür, dass sich die Pest in Europa so rasant ausbreiten und so viele Opfer fordern konnte, schließlich wurde die Pest durch Flöhe auf den Menschen übertragen und mangelnde Hygiene begünstigte diesen Prozess. Interessanterweise glaubten viele Menschen damals sogar, dass es übermäßige Hygiene sei, die dazu führte, dass sich jemand mit der Pest infiziert.
 
Von der Klassik bis zum Barock – Der Körper als Gegenstand der Macht
Wurde Körperlichkeit im Mittelalter noch als Ausdruck göttlicher Willkür erlebt, ändert sich diese Ansicht mit dem Ausklingen der Epoche. Nun wurde der Körper als Werkzeug angesehen, welches sich gegenüber der göttlichen Instanz emanzipiert hat, so der Artikel „Disziplinierungstechnologien und moderner Körperkult“. Der Körper wurde zum Träger des Selbst, zu einem Subjekt der freiwilligen Disziplinierung und somit auch zu einem Gegenstand der Macht. Dies zeigt sich auch daran, dass unzählige anatomische Studien angefertigt wurden. Im Mittelalter wäre solch ein wissenschaftliches Interesse an der Körperlichkeit noch auf Unverständnis gestoßen. Doch wie wirkte sich diese Entwicklung auf das geltende Schönheitsideal aus?
 
In der Renaissance galten üppige Frauen als schön. Starke Hüften waren ein Zeichen für Weiblichkeit. Arme und Beine wurden auf Gemälden dennoch dünn dargestellt und der Busen der idealen Frau erinnerte eher an den eines Teenagers. Im Gesicht waren Zeichen der Wohlgenährtheit wiederum erwünscht. Runde und weiche Gesichtszüge sowie ein leichtes Doppelkinn standen hoch im Kurs. Blond war weiterhin die bevorzugte Haarfarbe. Jedoch nicht das hellblond des Mittelalters, sondern ein warmes goldblond. Frauen setzen ihre Haare deshalb tageslang der Sonne aus, nutzen Tinkturen oder flochten sich gelbe Seidenbänder ins Haar. Natürlich konnten sich nur Frauen von Stand derlei Verschönerungsmaßnahmen erlauben. Braune Augen und ein wohlproportionierter und roter Mund vervollständigten das perfekte Gesicht.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Der berühmte Maler Paul Rubens malte vor allem üppige Frauen. Auf ihn geht die Bezeichnung "Rubensfigur" zurück.
Im Barock wurden die Frauenkörper schließlich noch üppiger. Besonders bekannt sind in diesem Zusammenhang die Werke des Malers Paul Rubens. Mitte des 17. Jahrhunderts setzte sich dann der Trend des Korsetts durch, welcher die Leibesfülle der Frauen in Form presste. Diese Sanduhr-Figur wurde rund drei Jahrhunderte lang zum Inbegriff der Weiblichkeit. Doch auch Männer putzten sich heraus, legten Parfüm auf und trugen Perücken und Puder.
 
Das 19.Jahrhundert – Pragmatismus der Körperlichkeit
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Die industrielle Revolution brachte einen Pragmatismus der Körperlichkeit mit sich. Männer mussten vor allem hart arbeiten können und sollten keine Zeit damit verschwenden, sich um ihr Äusseres zu sorgen.
Nach der Französischen Revolution war die Kleidung für eine Weile bequemer, jedoch wurde das Korsett als unverzichtbares Kleidungsstück zur Ausformung des weiblichen Körpers schnell wieder eingeführt. Während Frauen auch für ihre Frisuren und ihr Make-up weiterhin viel Zeit verwendeten, galt es für Männer nun als unangebracht, sich herauszuputzen. In Bezug auf den Mann entwickelte sich ein Pragmatismus der Körperlichkeit. Dies liegt nicht zuletzt an dem Aufkommen der industriellen Revolution. Der männliche Körper wurde zur Ressource im immer schneller werdenden Produktionsprozess. Kurze Haare waren praktisch und somit erwünscht, genau wie körperliche Stärke und Ausdauer.  Modebewusste Männer, welche sich sehr um ihr Aussehen bemühten, galten als verweichlicht und unmännlich.
 
Das 20.Jahrhundert – Der Beginn der modernen Schönheitsideale
Im 20. Jahrhundert kam es zu einem grundlegenden Wandel des Schönheitsideals. Was bis dahin das Korsett geleistet hatte, musste nun durch Disziplin bewerkstelligt werden – die perfekte Figur. Während zu Anfang des Jahrhunderts noch dralle Dekolletés gefragt waren, setzte in den 20er Jahren der erste Schlankheitswahn ein. Im Zuge der Jugendbewegung galten schlanke, junge und gesunde Körper sowohl für Männer als auch für Frauen als erstrebenswert. Auch der Teint wies nun eine natürliche Bräune auf. Der Bubikopf setzte sich als beliebter Frauenhaarschnitt durch. Der 1. Weltkrieg hatte das Leben der weiblichen Bevölkerung verändert. Frauen führten nun ein selbstbestimmteres Dasein und zeigten dies auch durch ihr Erscheinungsbild. Knielange Röcke, schwarz umrandete Augen und jede Menge Strass zierten die Körper der Frauen, wenn sie sich zum Besuch eines der vielen Tanzpaläste aufmachten. 
 
Die Nationalsozialisten setzten diesem Trend ein jähes Ende und propagierten den blonden, blauäugigen und möglichst athletisch gestählten Menschen. Für Männer und Frauen war Schlanksein Pflicht, auch wenn die Frauenkörper wieder mehr weibliche Rundungen zeigten, als dies noch in den 20er Jahren der Fall war.
 
Die Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war wiederum durch rundliche Formen geprägt. Sie vermittelten in dieser entbehrungsreichen Phase der deutschen Geschichte den Eindruck von Gesundheit und Wohlstand. Sowohl Männer als auch Frauen durften also gerne ein paar Pfund mehr auf den Hüften haben.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit
Marilyn Monroe - Der Inbegriff von Weiblichkeit.
In den 50er Jahren wurde die Vorstellung von Schönheit facettenreicher, die kurvige Frau stand jedoch weiterhin hoch im Kurs, wie Idole dieser Zeit, zum Beispiel Grace Kelly oder Sophia Loren, belegen. Marylin Monroe trug Konfektionsgröße 42, was für die Epoche der 50er und 60er Jahre ein durchschnittliches Maß war.
 
Einen starken Bruch leitete das Magermodel Twiggy ein. Hagere, dünne Frauen mit mattierten Lippen und schwarz geschminkten Augen wurden zum neuen Schönheitsideal erklärt. In den 70er Jahren waren eine schmale Taille sowie eine volle Haarpracht besonders begehrenswert. Auch die Männer trugen nun hautenge Hosen und zeigten somit ihre Figur deutlicher als dies bisher der Fall war.
 
Die 80er Jahre können zweifelsohne als Dekade der dekorativen Kosmetik bezeichnet werden. Symmetrische Gesichtszüge und intensives Make-up zierten die Werbeanzeigen der Modehersteller und der Kosmetikindustrie. Die Männer wurden vom damaligen Bodybuilding-Hype mitgerissen und stählten ihre Körper fortan in Fitnessstudios.
 
In den 90er Jahren wurden die Diskussionen um den Schlankheitswahn immer heftiger, was nicht zuletzt an dem berühmten und sehr mageren Model Kate Moss lag.
Das Schönheitsideal differenzierte sich in der Folge. Die sportlich-schlanken Idealmaße von 90-60-90 blieben für Frauen aber weiterhin erstrebenswert.
 
2. Die Rolle der Medien bei der Konstruktion von Schönheitsidealen
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Die Illusion von Perfektion.

Wurden Schönheitsideale früher zum Beispiel durch die Religion konstruiert, sind es heute die Medien, die ein Konstrukt von Schönheit liefern, welches den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt. Dass Medien und Marketing das Schönheitsideal der modernen Gesellschaft prägen, ist vielen bewusst. Wie genau dies aber vonstattengeht und welche Stereotypisierungen, Ideologien und Körpercodes uns über die Medien vermittelt werden, wird im Folgenden aufgezeigt.
 
Mediale Vorbilder – Die Illusion des perfekten Menschen
Die Medien bestimmen, was schön ist und was nicht. Oft ist es Frauen wie Männern gleichermaßen nicht möglich, diesen medialen Vorbildern zu entsprechen, denn sie konstruieren die Illusion des perfekten Menschen. Es wird verändert, retuschiert und beschönigt, bis aus einem sowieso schon schönen Model eine unerreichbare Wunschvorstellung wird, die dazu führt, dass „normale“ Menschen sich in ihren Körpern unwohl fühlen. Frauen sind davon in besonderem Maße betroffen, wie die nachstehende Statistik zeigt.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Knapp die Hälfte aller Frauen fühlt sich von den Medien in Bezug auf ihren Körper unter Druck gesetzt.

 
Die Darstellung des weiblichen Körpers in den Medien
Im Folgenden wird eine Analyse der weiblichen Schönheitsideale in den Medien vorgenommen. Dabei kommt der körpersprachlichen Inszenierung der Frau, den sogenannten Körpercodes, besondere Bedeutung zu. Frauen werden in den Medien deutlich stärker auf ihr Äußeres reduziert, als dies bei Männern der Fall ist. Die Kriterien, was als schön gilt, sind bei der Darstellung von Frauen zudem viel enger gefasst. Dies fällt vor allem in Bezug auf die geringe Alterspanne weiblicher Models im Gegensatz zu derer der männlichen Kollegen auf. 
 
Wer sich die zahlreichen Plakate der Modeindustrie einmal genauer beschaut, wird feststellen, dass Frauen selten in einer gerade, aufrechten Position dargestellt werden. Dominant ist dagegen eine schräge, verbogene oder abgeknickte Haltung. Dies führt zu einer verringerten Stabilität und Körpergröße, was wiederum den Eindruck von Hilflosigkeit und Labilität erweckt. 
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Weibliche Models werden häufig in eingeknickten und schrägen Haltungen abgebildet.

 
Ebenfalls findet häufig eine Darstellung des weiblichen Körpers in liegender Position statt. Die PDF „Körperbilder in den Medien“ erklärt diesen Umstand damit, dass Frauen so verletzlich und sexuell verfügbar wirken. 
Die Abbildung von Frauen am Arbeitsplatz wird meist mit Eigenschaften wie Flexibilität und Vielseitigkeit verknüpft, vor allem in Bezug auf die Mehrfachbelastung von Haushalt, Familie und Job. Das männliche Äquivalent hingegen überzeugt durch Professionalität. Werden Männer und Frauen gemeinsam abgebildet, ist es in der Regel die Frau, welche sich an dem Mann schmiegt oder sich an ihm festhält, beziehungsweise von ihm gehalten wird und somit Unsicherheit und Verletzlichkeit vermittelt.
 
Der männliche Körper und seine Inszenierung in den Medien
In den modernen Medien werden Männer meist in aufrechter, beherrschter und gelassener Körperhaltung präsentiert. Entweder sie stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden oder sie stützen sich beiläufig an Gegenständen ab, wodurch sie mehr Raum im Bild einnehmen und besonders selbstsicher wirken.
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Der ernste Gesichtsausdruck ist bei zahlreichen Abbildungen männlicher Models zu finden.

 
Das männliche Gesicht zeigt häufig nur wenige Emotionen. Ganz im Gegensatz zu dem der Frau, die oft einen verzückten Eindruck macht oder offenherzig lacht. Dahinter steckt die Annahme, dass Männer ihre Gefühle nicht so offen zur Schau stellen, wie Frauen dies tun.
 
Wie die bereits angeführte Grafik zeigt, fühlen sich Männer von ihren medialen Vorbildern weniger eingeschüchtert als Frauen dies tun. Doch auch auf Männer haben die Medien einen großen Einfluss. Zur Verdeutlichung folgt ein Beispiel: In den 80er Jahren beeinflussten muskulöse Leinwandhelden wie Conan der Barbar oder Rambo das Selbstbild der Männer. Die mediale Konstruktion des brachialen und muskelbepackten Mannes löste einen wahren Bodybuilding-Hype aus. Immer mehr Fitnesscenter eröffneten und immer mehr Männer verbrachten einen großen Teil ihrer Freizeit dort, um ihren Körper zu stählern und ihren Leinwandhelden so mehr und mehr zu entsprechen. Auch wenn extrem muskulöse Körper mittlerweile von den meisten Menschen nicht mehr als erstrebenswert erachtet werden, beeinflussen Conan und Co. das männliche Selbstbild bis heute. So werden auf der Seite von Peak Trainingspläne angeboten, die zu „brachialen Armen“, einer „stählernen Brust“ und einem „massiven Rücken“ führen. Männlichkeit definiert sich also nach wie vor immer auch über körperliche Stärke.
 
Abweichung vom Ideal – Innovative Werbekampagnen
Neuerdings zeigen Medien bewusst Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal nicht entsprechen. Zu nennen, ist beispielsweise die Werbekampagne für eine hautstraffende Körperlotion eines bekannten Herstellers für Pflegeprodukte. Sie zeigt fröhliche Frauen in Unterwäsche mit normaler Figur anstatt eines dünnen Models. Ähnliche Kampagnen wurden auch von anderen Unternehmen umgesetzt, die sich erhofften, dadurch Kundinnen zu gewinnen, die vom Schlankheitswahn der Medien genervt sind und sich lieber mit „normalen“ Frauen in der Werbung identifizieren möchten. Dass dieses Konzept nicht aufging, belegt eine Studie der Arizona State University, der Erasmus-Universität in Rotterdam und der Universität Köln. 
 
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Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Verschiedene Werbekampagnen setzen bewusst auf Models ohne Idealmaße

 
Der Studie ist zu entnehmen, dass die meisten normalgewichtigen und übergewichtigen Frauen negativ auf derlei Kampagnen reagierten. Zwar konnten die übergewichtigen Frauen sich in den Darstellungen der schlanken Models, die das heutige Schönheitsideal prägen, nicht wiederfinden, die Plus-Size-Models aber suggerierten ihnen, sie seien zu dick. Normalgewichtige Frauen gaben an, sich beim Anblick schlanker Models gut zu fühlen, jedoch sank ihr Selbstwertgefühl deutlich, wenn ihnen Werbekampagnen mit molligen Frauen gezeigt wurden. 
 
3. Fazit
 
Die Definition, was als schön gilt und was nicht, hat im Laufe der Jahrtausende zahlreiche Wandlungen erfahren. Galten im Barock üppige Frauen als besonders anziehend, wird heute ein sportlich-schlankes Erscheinungsbild propagiert. Schon immer eifern die Menschen den konstruierten Idealen nach, bleichen sich die Haare oder den Teint oder verändern ihr Aussehen auf andere Weise, um dem gängigen Schönheitsideal ihrer Epoche zu entsprechen. In der heutigen Zeit herrscht ein extremes Überangebot an stilisierten Vorbildern. Perfekte Illusionen von Frauen und Männern zieren die Werbeplakate und begegnen uns in der Fernsehwerbung genauso, wie in den zahlreichen Online-Werbeanzeigen. Dies führt nicht selten dazu, dass sich vor allem junge Menschen verunsichert fühlen und ein ungesundes Verhältnis zu ihrem Körper und seinen scheinbaren Makeln entwickeln. 
 
Und was lernen wir daraus? Die Vorstellung von idealer Schönheit wird es wohl immer geben und sicher wird sie sich im Laufe der Zeit auch immer wieder verändern. Grundsätzlich ist es auch in Ordnung, diesen Idealen bis zu einem gewissen Punkt nachzueifern. Der Einzelne sollte dabei jedoch immer bedenken, dass es sich um unerreichbare Konstrukte handelt, deren Anziehungskraft auf eben diese Unerreichbarkeit zurückzuführen ist.