21.05.2015
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wissen.de Artikel

Lebensmittel richtig lagern

Wie Oma ihre Vitamine über den Winter rettete

Spanische Tomaten im Dezember, griechischer Spargel im März und das ganze Jahr über frisches Obst aus aller Welt. Supermärkte und Kühltechnik haben Essgewohnheiten und den Umgang mit Lebensmitteln in der industrialisierten Welt verändert. Während wir uns jederzeit mit allem Möglichen eindecken können, mussten die Menschen vergangener Tage noch auf das zurückgreifen, was der Boden hergab – und das auch, wenn er gerade nichts hergab. Kurzum, sie mussten ihre Ernten oder Käufe einlagern. Doch wie lagerte man was ein? Eine Frage, die heute wieder interessant wird für jene, die sich bewusst ernähren und mehr lokales Obst und Gemüse in ihren Speiseplan aufnehmen wollen. Tipps von wissen.de.

Kartoffel statt Haferbrei

Kartoffeln
Kartoffeln

Erst im 18. Jahrhundert wurde die Kartoffel auf deutschen Tischen populär. Heute ist sie aus unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken.

„Kerls, ihr sollt mehr Kartoffeln anbauen“, wies einst König Friedrich der Große von Preußen seine Untertanen an, das sei für Preußen gut. Alsdann ließ er Wachen um bereits vorhandene Kartoffelfelder aufstellen. Wenn diese schon unter königlichem Schutz stehen, muss es sich ja wohl um eine wertvolle Pflanze handeln, sollte das Volk denken und neugierig werden.

Auf lange Sicht ging Friedrichs Rechnung auf. Bald galt die vitaminreiche Knolle als heimisches Hauptgrundnahrungsmittel. Nicht nur, weil sie leckerer schmeckte als Haferbrei, sondern weil sie sich auch bis zur nächsten Ernte hielt. Ein wichtiger Aspekt für die Menschen damals, die ohne Kühlschrank und Südfrüchte über den Winter kommen mussten.

Sicherlich bedurfte es jedoch einiger Versuche, das Ackergold ohne Verluste aufzubewahren, denn auch die lagerfähigste Frucht will richtig gelagert sein. Bekommt die Kartoffel zu viel Licht, beginnt sie zu keimen. Wird sie zu warm oder feucht verstaut, bildet sich Fäulnis. Auch Frost mag die Kartoffel nicht. Am liebsten hat sie es bei fünf Grad im dunklen luftig-feuchten Raum. Als Behältnis empfiehlt der Kartoffelbauer luftige Holzkisten und warnt davor, den Inhalt mit Plastikplane abzudecken.

 

Zwiebel: Am besten aufhängen

Auch Zwiebeln lieben es dunkel, allerdings etwas trockener und kühler als die Kartoffel. Beträgt für diese die optimale Luftfeuchtigkeit um die 90 Prozent, sind es bei der Zwiebel etwa 70. Bevorzugte Lagertemperatur: null bis ein Grad. Einen kleinen Frost steckt sie also weg, ohne mit der Schale zu zucken. Aber lose Teile derselben sollte man vor der Lagerung entfernen.

Binden Sie Ihre Zwiebeln an den Laubsträngen mit einem Band zusammen und hängen Sie sie zur besseren Belüftung im kühlen Keller auf. Falls kein Band zur Hand ist, lassen sie sich an den Strängen auch zu einer hübschen Zwiebelkette aneinander flechten und dann aufhängen. So halten sich die scharfen Sprosse über Monate.

 

Salat: Knackige Köpfe

Generell ist Salat dafür bekannt, rasch zu welken. Und eigentlich wäre es auch gar nicht nötig, ihn einzulagern – schließlich gibt es Sorten, die sich im Winter ernten lassen. Doch gibt es auch Vorlieben. Leider wohl mehr als lagerfähige Salate, denn deren Zahl ist sehr überschaubar.

Zu den wenigen gut lagerfähigen Sorten gehört der Chicorée. Für ihn heißt es: Ende Oktober raus aus Mutter Erde, und zwar mitsamt der Wurzel. Und für Sie: Die äußeren Blätter bis zu den Herzblättern entfernen, in feuchten Sand einschlagen und bei Bedarf in Töpfe einpflanzen. Bei zehn bis 18 Grad und Dunkelheit bildet Chicorée dann seine fleischigen weißen Köpfe aus.

Auch Endivien, Zuckerhut und Radicchio der Sorte Palla Rossa eignen sich zur Einlagerung im nicht allzu kühlen Raum. Verfahren Sie hierzu wie bei Chicorée.

 

Möhren: Schichtarbeit

Möhren geben hervorragende Nasen für Schneemänner ab. Ob sie aber auch noch schmecken, wenn sie als solche ausgedient haben, ist zweifelhaft. Denn lagern sollte man sie zwar kühl, jedoch nicht bei Frost.

Nehmen Sie ein ausreichend großes Behältnis, etwa eine Holzkiste, bedecken Sie den Boden mit einer Schicht leicht feuchten Sand und legen Sie die Möhren darüber aus. Nachdem Sie diese wiederum mit Sand bestreut haben, können Sie mit der nächsten Schicht fortfahren – sofern Sie genügend Möhren dazu haben.

Mit Roter Bete geht es übrigens genauso, doch Achtung: Fällt die Temperatur unter sechs Grad, wird es um ihren Zustand kritisch.

 

Kürbis: bloß nicht waschen

Mehr Aufwand erfordert die Lagerung von Kürbissen. Verwenden Sie nur unversehrte mit verkorktem Stiel. Kürzen Sie diesen auf etwa einen Zentimeter und lagern Sie die Früchte etwa zwei Wochen an einem warmen trockenen Ort vor. Achten Sie darauf, dass die Kürbisse mit der schmalen Seite aufliegen und genügend Luft bekommen.

Danach kann es etwas kälter werden. Die optimale Temperatur für die weitere Lagerung liegt zwischen zehn und 14 Grad. Trocken und luftig sollte es jedoch bleiben, es darf sich kein Kondenswasser bilden. Und: Vorm Lagern bitte nicht waschen, auch das geht zu Lasten der geeigneten Luftfeuchtigkeit von etwa 60 Prozent.

 

Äpfel und Birnen: die Sache mit dem Knack

Was gibt es Schlimmeres als mehlige Äpfel? Faule Äpfel wahrscheinlich, aber denen sieht man ihren Zustand ja wenigstens an. Um beides möglichst lange zu vermeiden, überprüfen Sie die Früchte zunächst auf Druckstellen. Lagern Sie sie weich, zum Beispiel auf Stroh oder Zeitungspapier. Ob mit Stiel nach oben oder unten, darüber scheiden sich die Geister, wichtig ist, dass die Äpfel einander nicht berühren. Bevorzugte Temperatur: ein bis drei Grad.

Winteräpfel behalten ihren Knack am längsten. Sie werden im Herbst geerntet und erlangen erst durch Lagerung ihre volle Genussreife. Den Rekord hält der Rote Eiserapfel, erst nach rund eineinhalb Jahren lässt er den Stiel hängen.

Die nächste Verwandte des Apfels ist die Birne, und als solche möchte sie auch so gelagert werden. Wichtig bei beiden ist, dass sie genügend Abstand voneinander und auch von allem anderen pflanzlichen Lagergut haben. Denn, sowohl Äpfel als auch Birnen treiben Ethen aus – ein Gas, das anderes Obst und Gemüse schneller reifen und somit auch eher faulen lässt.

 

von wissen.de-Autor Jens Ossa