21.05.2015
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Umzug nach Südamerika

Samba in Rio oder Tango in Buenos Aires - wer hat nicht schon mal von einem heißen Tanz in Lateinamerika geträumt? Kein anderer Kontinent regt die mitteleuropäische Phantasie so an wie Südamerika.

Argentinien, Brasilien, Chile und Venezuela

Die folgenden Tipps und Links sollen Ihnen die Ankunft in Südamerika erleichtern. Die Übersicht konzentriert sich auf die vier Länder Argentinien, Brasilien, Chile und Venezuela. Brasilien wird etwas ausführlicher beschrieben, da dieses Land für deutsche Arbeiter und Auslandsentsandte nicht erst seit der Errichtung neuer Werke von Mercedes und Audi besonders interessant ist: Obwohl für Chile das größte Wirtschaftswachstum aller südamerikanischen Länder prognostiziert wird, ist Brasilien die zweitgrößte Wirtschaftsnation des gesamten amerikanischen Kontinents und hat mit seinen Betrieben - vor allem im Süden des Landes - eine gut entwickelte Industriekultur.

Klima

Die klimatischen Verhältnisse in Südamerika sind sehr vielfältig, da bereits einzelne Länder so groß sind, dass sie mehrere Klima- und Zeitzonen abdecken.

Wer nach Südamerika umzieht, sollte sich auf ein tropisch-wechselfeuchtes Klima mit einer Trockenzeit im Winter und Regenperioden im Frühjahr und Herbst einstellen. Die Jahreszeiten in Südamerika sind denen auf der nördlichen Halbkugel zeitlich entgegengesetzt.

Sprache

Spanisch ist in den meisten südamerikanischen Ländern die Amtssprache, in Brasilien Portugiesisch. In den Großstädten wird im Geschäftsverkehr auch Englisch gesprochen, allerdings kann dies nicht vorausgesetzt werden. Grundkenntnisse in der Landessprache sind sehr empfehlenswert, denn eine Verständigung mit der Bevölkerung oder Behörden in englischer oder deutscher Sprache ist in der Regel sehr schwierig.

Bei einem Langzeitaufenthalt ist das Erlernen der Landessprache in jedem Fall Grundvoraussetzung, um Teil der Gemeinschaft und Kultur zu werden. In vielen ländlichen Gebieten werden immer noch indianische Dialekte gesprochen.

Religion

Im gesamten lateinamerikanischen Raum spielen katholisch-christliche Werte eine große Rolle. So behauptet zum Beispiel Brasilien von sich, die größte katholische Nation der Welt zu sein. Fast 90 Prozent der Bevölkerung geben "katholisch" als ihre Konfession an, obwohl die von Sklaven mitgebrachten Naturreligionen sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen.

Es gibt keinen für den gesamten Kontinent gültigen Sitten- und Moralkodex. Dennoch sollten religiöse Werte und Symbole keinesfalls missachtet oder gar verspottet werden. Zwar sind Südamerikaner in religiöser Hinsicht eher tolerant, aber streng gläubige Personen können unter Umständen sehr streitbar werden.

Sicherheit

Südamerika gerät immer wieder wegen hoher Kriminalität in die Schlagzeilen, was nicht in jedem Fall berechtigt ist. Allerdings ist die Sicherheit in den meisten Großstädten und auch in Metropolen wie São Paulo, Caracas und Buenos Aires bei Tag und Nacht weit geringer als in vergleichbar großen Städten Mitteleuropas. In bestimmten Stadtvierteln sind Straßenkriminalität und Raubüberfälle an der Tagesordnung. Sie minimieren Ihr Risiko jedoch, wenn Sie Folgendes beachten:

  • Meiden Sie die Armen- und Elendsviertel der Großstädte, wie z.B. die Favelas in Rio de Janeiro. Fallen Sie nicht durch auffällige und teure Kleidung, das Tragen von Schmuck, Foto- und Videokameras oder lautes Sprechen einer ausländischen Sprache auf.
  • Bewegen Sie sich, wenn möglich, immer in größeren Gruppen.
  • Tragen Sie nur geringe Bargeldbeträge mit sich.
  • Beobachten Sie die aktuelle Entwicklung im jeweiligen Zielland. Bei extremer Verschärfung der Situation, wie vor kurzer Zeit in Venezuela und Argentinien, sollten Sie Ihren Einreisetermin eventuell verschieben.

Vor Ihrer Abreise sollten Sie sich unbedingt über die aktuellen politischen Entwicklungen in Ihrem Zielland informieren. Das Auswärtige Amt veröffentlicht jeweils aktuelle Reisewarnungen, wenn es um die Sicherheit in einem Land nicht zum Besten bestellt ist.

Auto und Führerschein

Chile ist ein gut erschlossenes Reiseland und alle Reiseziele sind leicht erreichbar. Autofahren darf jeder, der einen gültigen internationalen Führerschein besitzt.

In Argentinien, Brasilien und Venezuela kann Autofahren aber schnell zum Erlebnis werden. Die dortigen Straßenverhältnisse variieren von ausgezeichnet bis abenteuerlich und der Straßenverkehr, insbesondere auf den viel befahrenen Straßen und Autobahnen, ist oft gefährlich. In allen vier Ländern wird ein internationaler Führerschein benötigt, denn es ist gut möglich, dass lokale Behörden oder Polizeibeamte mit einem Dokument in deutscher Sprache nichts anzufangen wissen. In Brasilien muss man sich bei längerem Aufenthalt sogar einen zeitlich begrenzten Führerschein ausstellen lassen.

Sie wollen ein Auto kaufen? Dann sollten Sie beachten, dass in einigen südamerikanischen Ländern das Auto zusammen mit der Nummerntafel den Besitzer wechselt. Überprüfen Sie vor dem Autokauf, ob das Fahrzeug mit Strafen belastet ist, denn Sie werden als neuer Besitzer der Nummerntafel für alle Strafen verantwortlich gemacht.

Formalitäten

Vor Ihrer Abreise aus Deutschland nach Südamerika sollten Sie sich mit den Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes vertraut machen. Nach Ihrer Ankunft helfen Ihnen die folgenden Tipps und Links, sich mit den nationalen Formalitäten vertraut zu machen.

Einreisebestimmungen

Ohne Visum können deutsche Touristen mit ihrem Reisepass, der noch mindestens 6 Monate gültig ist, für 60 Tage nach Venezuela und bis zu 90 Tage nach Argentinien, Brasilien oder Chile einreisen. Alle Geschäftsreisenden oder Auslandsbeauftragten sollten grundsätzlich vor der Abreise aus Deutschland das zuständige Konsulat in Deutschland kontaktieren. Die nachträgliche Erteilung eines Visums ist nicht möglich.

Telefon und Post

Die Vorwahlen von Deutschland aus:

  • Argentinien - 0054
  • Brasilien - 0055
  • Chile - 0056
  • Venezuela - 0058

Bei Telefongesprächen von Südamerika nach Deutschland wählen Sie die internationale Vorwahl 0049 gefolgt von der Vorwahl ohne die erste Null und der Rufnummer.

Mobil telefonieren Sie in Argentinien, Brasilien, Chile und Venezuela am einfachsten mit Ihrem T-D1-Handy, denn über lokale Anbieter steht Ihnen das GSM-Netz der Vertragspartner der Deutschen Telekom zur Verfügung. Sie müssen lediglich über ein Dual Mode GSM900/iDEN-Handy verfügen. Genauere Infos holen Sie am besten vor Ihrer Abreise bei der Deutschen Telekom ein.

In Brasilien gibt es - bedingt durch die Größe des Landes - mehrere Telefongesellschaften. Je nach Bundesstaat können Sie Ihren Festnetzanschluss entweder bei der staatlichen Agência Nacional de Telecommunicacoes - kurz Anatel - beantragen oder bei BrasilTelecom, Telefonica oder Telemar. Ins Ausland telefoniert man mit Embratel oder Intelig.

Den argentinischen Markt teilen die beiden großen Telekommunikationsunternehmen Telecom und Telefonica unter sich auf. Natürlich gibt es auch kleine Anbieter, aber ein Großteil des Telefonnetzes und auch des Internets wird von diesen beiden Unternehmen kontrolliert.

Die Angebote für Ihren Internetanschluss sollten Sie aber nicht nur in Argentinien gut vergleichen. Es gibt viele verschiedene Anbieter, die alle in den Gelben Seiten eingetragen sind. Egal ob Sie bei einem der vielen lokalen Anbieter Kunde werden oder aber bei einem der großen Anbieter wie Telecom und Telefonica in Argentinien, UOL und BOL in Brasilien - ein Tarifvergleich lohnt sich in jedem Falle.

Luftpost von Südamerika nach Europa ist drei bis sieben Tage unterwegs, Sendungen im inländischen Postverkehr brauchen manchmal länger. Auf dem Land- und Seeweg ist Post nach Europa über einen Monat unterwegs.

"Despachante" in Brasilien

In Brasilien werden Personen, die Behördengänge aller Art erledigen, "Despachantes" genannt. Es gibt die offiziellen Despachantes, die meist ein Büro betreiben, und fliegende Despachantes, die vor Ämtern wie beispielsweise Zulassungsstellen ihre Dienste anbieten.