21.05.2015
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wissen.de Artikel

Unternehmensformen

Es gibt eine ganze Reihe möglicher Rechtsformen, in der Sie Ihr Unternehmen betreiben können, je nachdem, ob Sie in Ihrem Geschäft alleine bestimmen oder Partner mit ins Boot nehmen wollen. Für welche Form Sie sich entscheiden, will sorgfältig bedacht sein. Ihre Entscheidung hat nämlich zahlreiche, insbesondere auch rechtliche, finanzielle und steuerliche Folgen.

Welcher Unternehmenstyp eignet sich für Sie?

Machen Sie sich daher mit den einzelnen Formen vertraut und prüfen Sie in der Startphase, welcher Unternehmenstyp sich für Ihre Geschäftsidee am besten eignet und ob Sie die rechtlichen Voraussetzungen hierfür erfüllen.

Übrigens: Ihre Entscheidung bindet Sie nicht für immer. Sollte sich später herausstellen, dass die gewählte Form nicht optimal ist, kann der rechtliche Mantel neu geschneidert werden.

Kriterien zur Wahl der Rechtsform für Ihr Unternehmen

Unternehmerische Unabhängigkeit

Wollen Sie in Ihrer Firma allein bestimmen und damit auch die alleinige Verantwortung tragen? Oder wollen Sie andere Personen an Ihrem Unternehmen beteiligen, die Ihnen dafür Kapital zur Verfügung stellen, Risiko und Gewinn mit Ihnen teilen, aber Ihnen womöglich in Ihre Geschäfte hineinreden? Ob ein Unternehmen allein oder mit Partnern geführt wird, ist darüber hinaus auch abhängig von der Qualifikation der beteiligten Personen. Partner bedeuten nicht nur weniger Freiheit, sondern auch ein Plus an Know-how sowie meist auch mehr Kapital.

Viel unternehmerische Unabhängigkeit bieten: Einzelunternehmen, Ein-Personen-GmbH.

Formalitäten

Welche Formalitäten (Beschlussfassung, Einberufung und Dokumentation von Gesellschafterversammlungen etc.) der Unternehmer zu beachten hat und wie genau er es damit nehmen muss, ist bei den einzelnen Rechtsformen sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede fallen bei jungen Unternehmen stärker ins Gewicht, denn während komplizierte Verwaltungsaufgaben in älteren Unternehmen von routinierten Spezialisten in die Hand genommen werden, müssen Gründer diese Aufgaben meist zusätzlich selbst erledigen. Die dafür nötige Zeit und Energie geht von ihrem ohnehin knappen Gesamtbudget ab. Zur Beurteilung des Handlings gehört auch die Frage, wie kompliziert oder einfach sich der Geldtransfer zwischen Privatvermögen und Betriebsvermögen gestaltet. Entnahmen für private Zwecke sind bei allen Gesellschaften beispielsweise nur nach Absprache mit den anderen Gesellschaftern möglich. Diese Regelung ist aber nicht selten von Vorteil: Ein Einzelunternehmer, dem der ganze Betrieb allein gehört, muss immer eine gewisse Selbstdisziplin aufbringen, um nicht das Geld für die nächste Urlaubsreise einfach aus der Unternehmenskasse zu nehmen.

Wenige Formalitäten sind bei Einzelunternehmen und GbR nötig. Viele formale Hürden sind dagegen bei Gründung einer AG zu nehmen.

Haftung

Die Haftung ist bei vielen Rechtsformentscheidungen ausschlaggebend. Generell gilt: Kapitalgesellschaften haben den Vorteil, dass die Haftung der Gesellschafter auf Ihren Kapitalanteil beschränkt bleibt. Beim Einzelunternehmen oder der Personengesellschaft haften die Gesellschafter in der Regel unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen. Vorsicht: Rechtsformen mit Haftungsbeschränkung, also GmbH und AG, schützen dabei keineswegs vor jedem Risiko. Sie begrenzen zwar die vertragliche Haftung, wenn es darum geht, die vertraglichen Verpflichtungen des Unternehmens zu erfüllen. Sie schützen aber z. B. nicht vor der Produkthaftung. Außerdem verlangt die Bank bei Krediten an Kapitalgesellschaften (GmbH) zumeist eine Bürgschaft der Gesellschafter.

Haftungsbeschränkung: GmbH, GmbH & Co. KG für die Kommanditisten, AG.

Begrenzte Haftungsbeschränkung hat bei der KG der Kommanditist; bei Partnerschaftsgesellschaften haftet grundsätzlich nur der fehlerhaft handelnde Partner.

Steuern

Die Besteuerung eines Unternehmens hängt nicht zuletzt von seiner Rechtsform ab. Leider gibt es nicht ein Steuersparmodell für jede Gelegenheit. Je nach Geschäftslage hat beim Steuersparen mal die eine, mal die andere Rechtsform die Nase vorn. Es führt deshalb kein Weg daran vorbei, nachzurechnen, welche Rechtsform in welcher Ausgestaltung und bei welcher Ertragslage das steuerliche Optimum bietet. Schade allerdings: Was bei diesem mühseligen Geschäft herauskommt, ist keine Entscheidung mit Ewigkeitswert.

Image

Die Wahl einer Rechtsform ist immer auch ein Akt der Selbstdarstellung des Unternehmens. Die Rechtsform gibt begrenzt Auskunft, mit wem man es zu tun hat: mit einem Unternehmer, der mit seinem ganzen Vermögen für seine Verbindlichkeiten und die Qualität seiner Leistung einsteht, oder einem Unternehmer, dessen vertragliche Haftung beschränkt ist? Darüber hinaus transportiert die Rechtsform unter Umständen weitere, weniger eindeutige Signale: Tritt ein Vermögensberater als GmbH auf, mag das den Flair von Professionalität und schlagkräftiger Organisation verbreiten, auch wenn er nicht einmal eine Sekretärin hat. Wenn eine Psychologenpraxis als GmbH organisiert wäre, wirkt das auf die Patienten sicher recht sonderbar. Hier steht nicht das Geschäftliche, sondern das Vertrauensverhältnis zwischen Psychologe und Patient im Vordergrund. Zudem ist zu beachten, dass nach Bundesrecht nicht alle Rechtsformen in jedem Bereich anwendbar sind.

Buchführung

Wägen Sie gut ab, ob Sie sich für eine buchführungspflichtige Rechtsform entscheiden: Der Aufwand und die benötigten Kenntnisse für eine komplette Buchführung sind viel höher als bei der schlichten Einnahme-Überschuss-Rechnung eines Freiberuflers. Ob ein Unternehmen buchführungspflichtig ist oder nicht, hängt auch von der Rechtsform und den Steuergesetzen ab. Einen detaillierten Überblick über das Geschehen im Unternehmen muss man bei mehreren Beteiligten oder größerem Geschäftsumfang auch ohne Buchführungspflicht behalten.

Publizität

Publizitätspflichtige Unternehmen müssen ihre Bilanz und je nach Größe noch mehr auf den Tisch legen. Diese Informationen sind also für jeden Interessenten öffentlich zugänglich. Diesem Entscheidungskriterium das rechte Gewicht für die Rechtsformwahl beizumessen, ist schwierig. Betroffene Unternehmen scheuen sich nicht selten, ihre Bilanzen öffentlich zu machen, da sie sich hier Nachteile im Konkurrenzkampf oder beim Preispoker mit Großabnehmern ausrechnen.

Publizitätspflicht haben GmbH, AG und GmbH & Co. KG.

Prüfpflicht

Für einige Gesellschaften gilt eine Prüfpflicht. Das bedeutet: Sie müssen ihre Buchführung, Jahresabschlüsse etc. jährlich durch einen Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Dies ist in der Regel mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Der Prüfpflicht unterliegen mittlere und große GmbH und, GmbH & Co. KGs; eine genaue Festlegung erfolgt nach dem Handelsgesetzbuch.

Gründung und Kapitaleinsatz

Dieser Punkt wird bei der Rechtsformwahl gelegentlich überschätzt. Die Kosten für Anwalt, Notar, Anmeldegebühren etc. im Rahmen einer Unternehmensgründung schwanken zwischen 30 und 2.000 Euro. Erheblich teurer kann es nur dann werden, wenn aufwändige Gesellschaftsverträge entworfenen werden müssen, um eine Rechtsform den Bedürfnissen und Wünschen der Gründer anzupassen. Möglich ist dies bei GbR, OHG, KG, Partnerschaftsgesellschaft und GmbH. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestkapital ist nur für GmbH (25.000 Euro) und AG (50.000 Euro) vorgeschrieben.

Kapitalbeschaffung

Die Frage, ob das Geschäft statt durch Kredite nicht lieber durch Eigenkapital fremder Investoren (z. B. Gesellschafter, Teilhaber) finanziert werden soll, stellt sich vielen Unternehmen erst im Laufe ihrer Entwicklung. Diese Frage kann aber bereits bei der Gründung auf der Tagesordnung stehen, wenn etwa eine Geschäftsidee nur mit hohem Kapitaleinsatz umgesetzt werden kann. Was potenzielle Investoren interessiert, ist natürlich an erster Stelle das unternehmerische Konzept. Wichtig ist dabei aber auch die Rechtsform; sie entscheidet darüber, welche Mitsprache- und Kontrollrechte die Investoren haben und unter welchen Bedingungen sie ihr Kapital wieder abziehen können (wichtig für die unternehmerische Unabhängigkeit).

Eintrag ins Handelsregister

Wenn ein Unternehmer als Kaufmann gilt, fällt er unter das Handelsrecht. Sein Unternehmen wird ins Handelsregister eingetragen. Das bedeutet: Auf allen Geschäftsbriefen muss er neben der Firma, also dem offiziellen Namen, die Rechtsform, den Sitz und die Registernummer angeben. Das kann durchaus erwünscht sein: Das Unternehmen wirkt dadurch seriös und professionell. Nachteil: die lästige Pflicht, die Bücher nach den strengen Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB) zu führen. Eine schlichte Einnahme-Überschuss-Rechnung reicht nicht mehr aus. Die Verletzung dieser Pflicht ist sogar strafbar, wenn es zur Insolvenz kommen sollte.

Für die Beantwortung der Frage, wer Kaufmann ist, gelten seit 1. Juli 1998 neue Regeln. Danach sind gewerbetreibende Einzelunternehmer grundsätzlich Kaufleute, es sei denn, ihr Unternehmen erfordert keinen "nach Art oder Umfang in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb". Im Klartext: Wer sehr einfach strukturierte, überschaubare und transparente Geschäftsbeziehungen hat, ist auch bei hohem Umsatz kein Kaufmann, ebenso wie ausgesprochenes Kleingewerbe. Wer es aber mit einer großen Zahl von Waren und Lieferanten zu tun hat, wird meist Kaufmann sein müssen, wie z. B. jeder Lebensmittelhändler. Informationen gibt es bei jeder IHK. Die Höhe des Umsatzes kann Richtwert für den so genannten "Ist-Kaufmann" sein: Danach ist der Eintrag ins Handelsregister erforderlich, wenn der Umsatz bei Dienstleistern höher als 175.000 Euro, bei Einzelhändlern höher als 250.000 Euro und bei Großhändlern oder Produzenten höher als 300.000 Euro ist. Neu ist eine Option für Kleingewerbetreibende: Sie können sich als Kaufmann im Handelsregister eintragen lassen. Überlegen sie es sich anders, können sie die Eintragung auch wieder streichen lassen. Solange sie allerdings im Register stehen, sind sie Kaufleute mit allen Rechten und Pflichten. Wichtig: GmbH und AG gelten stets als Kaufleute, egal womit sie sich befassen. Das gilt auch für Freiberufler-GmbHs und -AGs.

Die kleine Aktiengesellschaft

Die junge Rechtsform "kleine AG" hat ihren Namen wegen der geringen Zahl von Anteilseignern, nicht etwa wegen geringem Umsatz oder wenigen Mitarbeitern. Auch Existenzgründer können jetzt eine Aktiengesellschaft auf die Beine stellen. Eine formlose Miteilung an das Handelsregister reicht dafür aus. Der Vorteil: Mitarbeiter oder Kunden können ebenfalls Gesellschafter werden.

Die kleine AG kommt ohne Börsennotierung aus. Zur Gründung ist lediglich ein Alleinaktionär und der Vorstand in Personalunion nötig. Allerdings werden diese von drei Aufsichtsräten kontrolliert.

Franchise-System

So funktioniert’s

Viele Probleme und Risiken können einem potenziellen Unternehmensgründer erspart bleiben, wenn er ein fertiges Konzept kauft. Das System heißt Franchising und wird heute in vielen Branchen praktiziert.

Franchising bietet drei Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen:

  • Als Franchise-Nehmer übernehmen Sie die Geschäftsidee eines Franchise-Gebers, lassen sich schulen und regelmäßig betreuen. Ihre unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten bewegen sich in einem festen Rahmen.
  • Als Franchise-Geber entwickeln Sie ein eigenes System. Grundlage ist Ihre in der Praxis erprobte Geschäftsidee. Hat sich die Idee bewährt, hilft Ihnen das Franchise-System durch motivierte Mit-Unternehmer, schnell zu expandieren.
  • Als Master-Franchise-Geber erhalten Sie die Lizenz eines ausländischen Franchise-Unternehmens, das sich auf dem deutschen Markt etablieren möchte. Damit treten Sie in einer bestimmten Region oder in ganz Deutschland als Franchise-Geber auf, um auf eigene Rechnung weitere Franchise-Nehmer zu akquirieren.

Beim Franchise-Verfahren liefert der Franchise-Geber Name, Marke, Know-how und Marketing. Gegen Gebühr räumt er dem Franchise-Nehmer das Recht ein, seine Waren und Dienstleistungen zu verkaufen. Er bietet in der Regel dafür auch Gebietsschutz.

Der Vorteil: Franchise-Nehmer können das Know-how und die Erfahrung des System-Gebers übernehmen. Das Risiko im Vergleich zu einem neuen Unternehmenskonzept ist durch das Sicherheitsnetz des Franchise-Gebers relativ gering.

Der Nachteil: Ein Franchise-System legt die unternehmerische Marschroute relativ genau fest. Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit ist dadurch in gewissem Maße vorgegeben und vom Gründer nur eingeschränkt zu beeinflussen.

Derzeit gibt es in Deutschland rund 1.100 Franchise-Systeme am Markt. Über 40 Prozent agieren im Bereich Einzelhandel. Etwa 75 Prozent aller Franchise-Anbieter sind Mitglied im Deutschen Franchise-Verband. Dieser arbeitet nach eigenen Aufnahmerichtlinien und versucht so, seriöse von weniger seriösen Anbietern zu trennen.

Welches Franchise-System?

Mancher Franchise-Geber liefert seinen Franchise-Partnern nur Ware und ein umstrittenes Werbepaket. Das ist für ein Franchise-System zu wenig. Es fehlen die betriebswirtschaftliche Unterstützung, Rat und Tat durch exzellente Betriebsberater und eine Fortentwicklung des Systems durch Mitbestimmung in Franchise-Nehmer-Beiräten. Um wirtschaftliche Schieflagen zu vermeiden, sollte jeder Franchise-Geber ein regelmäßig aktualisiertes Controlling-System installieren, in dem die Erfahrungen seiner Franchise-Nehmer berücksichtigt werden. Ein monatlicher Vergleich aktueller Wirtschaftsdaten der Franchise-Partner kann hier sinnvoll sein. Dieses Controlling-System muss den Franchise-Nehmern zur Verfügung stehen.

Bevor Sie von einem Franchise-System profitieren, müssen Sie zuerst eine Menge Geld locker machen. Eine gute Franchise-Lizenz kann über vier Millionen Euro kosten. Doch nicht jedes System ist zuverlässig. Oft ist es so, dass gerade Gründer mit einer guten Idee, aber ohne Kapital Franchise-Lizenzen vergeben. Wenn Sie selbst als Gründer so eine Lizenz erwerben, verdoppelt sich ihr unternehmerisches Risiko, da Ihre Gründung von der des noch unerfahrenen Franchise-Gebers abhängt.

Schauen Sie sich deshalb das Management des Franchise-Gebers sehr genau an. Wer ist der Kapitalgeber? Was für Ziele verfolgt er? Gibt es eine sinnvolle und schriftlich dokumentierte Unternehmensstrategie? Bedenken Sie, dass der Franchise-Geber Anteile an Ihrem Umsatz haben will, Sie aber vor allem Gewinn machen wollen. Hier prallen zwei Unternehmensziele aufeinander.

Checkliste Frachise-Vertrag

Achten Sie daruf, dass:

  • das Franchise-Konzept für das Zielgebiet in Sachen Infrastruktur, Branchenstruktur, Kundenmentalität, politische Situation, rechtliche Situation geeignet ist
  • der Vertrag genau ausgehandelt und dabei auch Ihre Kapitalsituation berücksichtigt wird
  • der Vertrag in deutsches Recht umgewandelt wird
  • die Chemie zwischen Ihnen und dem Franchise-Geber stimmt
  • das Franchise-System womöglich geändert werden muss, um es auf den deutschen Markt zu übertragen
  • der Name ausreichend geschützt ist und in der eigenen Landessprache keine andere oder negative Bedeutung hat
  • Sie mit der Branche und der Muttersprache vertraut sind
  • die finanziellen Konditionen für beide Parteien fair ausgehandelt werden
  • Sie zu Beginn mit extrem hohen Kosten für die Lizenzübernahme und hohen Anlaufkosten rechnen müssen: siebenstellige Beträge sind die Regel
  • die Vertragslaufzeit ausreichend ist und eine Verlängerungsoption vereinbart wird - Ihre Investition muss sich schließlich amortisieren
  • der Systemgeber seriös ist. Informieren Sie sich bei den entsprechenden Landes-Franchise-Verbänden.

Die Unternehmensformen im Überblick

Vor- und Nachteile

Die optimale Rechtsform für ein Unternehmen gibt es nicht. Jede Form hat Vor- und Nachteile. Was für Sie wichtig ist, mag für einen anderen Unternehmer irrelevant sein.

Orientieren Sie sich bei Ihrer Entscheidung an vier Regeln:

  1. Risiko und Gewinnerwartung niedrig: Einzelfirma oder OHG
  2. Risiko und Gewinnerwartung hoch: GmbH & Co. KG
  3. Vermögen der Gesellschaft klein: GmbH
  4. Vermögen der Gesellschaft groß: Einzelfirma, OHG oder eine Mischform

Wichtige Tipps

  • Behalten Sie die Steuern im Auge.
  • Je nach Gewinnhöhe bietet jede Rechtsform unterschiedliche Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Berechnen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Steuerberater, welche Rechtsform in welcher Ausgestaltung und bei welcher Ertragslage das steuerliche Optimum bietet. Auf keinen Fall gibt es das einzig richtige Steuermodell. Bedenken Sie, dass je nach Rechtsform zusätzliche Steuern anfallen können. Informieren Sie sich auch über die neuen Regelungen nach der Steuerreform der Bundesregierung.
  • Konsultieren Sie kompetente Berater.

Freiberufler

Wenn Sie als Freiberufler arbeiten, müssen Sie in punkto Rechtsform ein paar Sonderregeln beachten. Insbesondere, wenn Sie mit anderen Freiberuflern als gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten wollen.

Wer ist Freiberufler?

Der Gesetzgeber hat in Paragraf 18 Einkommensteuergesetz (EStG) genau festgelegt, wer zum Beispiel zur Gruppe der Freiberufler gehört:

  • Ärzte
  • Steuerberater
  • Wirtschaftsprüfer
  • Unternehmensberater
  • Ingenieure
  • Journalisten
  • Sachverständige
  • Fotografen
  • Dolmetscher
  • Grafiker
  • Anwälte
  • Künstler

Zusammenschlüsse

Drei Zusammenschlüsse von freiberuflich Tätigen sind üblich:

Die Sozietät
Die klassische Kooperationsform für Freiberufler ist die Sozietät. Sie ist nichts anderes als eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Sie arbeiten mit Ihren Partnern auf gemeinsame Rechnung und teilen später den Gewinn.

Die Bürogemeinschaft
Noch einfacher ist die Bürogemeinschaft organisiert. Sie ähnelt einer Wohngemeinschaft im privaten Bereich. Gleichgesinnte mieten ein gemeinsames Büro und teilen die Anschaffung von Computer, Fax und Kopierer sowie das Personal. Sonst arbeiten Sie unabhängig. Auch die Bürogemeinschaft ist rechtlich eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts.

Die Partnerschaftsgesellschaft (PartnG)
Seit 1. Juli 1995 gibt es diese spezielle Rechtsform für Freiberufler. Sie ähnelt der Offenen Handelsgesellschaft (OHG). Zugelassen sind aber nur Freiberufler und keine Gewerbetreibenden. Die Gesellschaft wird beim Amtsgericht in ein so genanntes Partnerschaftsregister eingetragen. Damit stellt sie eine eigene Rechtsperson dar und kann zum Beispiel Immobilien erwerben. Freiberufler, deren Haftung per Berufsgesetz und verordnungen beschränkt ist, müssen eine Haftpflichtversicherung abschließen.

Um eine PartnG zu gründen, genügt ein einfacher Vertrag. Er muss nicht wie etwa ein GmbH-Vertrag notariell beurkundet werden, muss aber folgende Punkte enthalten: Name, Sitz, Tätigkeitsbereich der Partnerschaft, Name, Wohnsitz und Beruf der jeweiligen Partner.

Bei der PartnG haftet jeder Partner mit seinem Privatvermögen. Sie können das Haftungsrisiko jedoch umgehen, indem Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen in den Vertrag mit aufnehmen. Dort können Sie festlegen, dass nur der Partner haftet, der die Entscheidung getroffen hat, die zum Verlust führte. Haftungsrechtlich entspricht die PartnG sonst der OHG.

  • Vorteile
    Für eine Partnerschaftsgesellschaft benötigen Sie im Unterschied zur GmbH kein Mindestkapital. Das Gründungsprocedere ist weniger aufwändig als bei der GmbH. Sie unterliegen nicht der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht und müssen weder Körperschafts- noch Gewerbesteuer zahlen.
  • Nachteile
    Wenn die Partnerschaft pleite geht, haften Sie und Ihre Partner mit dem jeweiligen Privatvermögen. Es ist nicht möglich, das Risiko generell zu beschränken.
  • Besonderheit
    Die Partnerschaftsgesellschaft kann sich mit eigenem Namen präsentieren. Der Name muss den Nachnamen mindestens eines Partners, alle vertretenen Berufe und den Zusatz "Partnerschaft" oder "und Partner" enthalten.

Einzelunternehmen

Einfachste Rechtsform

Die einfachste Art, ein Unternehmen zu gründen: Ein Geschäft eröffnen und schon sind Sie Einzelunternehmer. Das ist immer noch die gebräuchlichste Rechtsform in Deutschland. Nicht zuletzt wegen des hohen Grads an Selbstständigkeit: Sie sind Ihr eigener Herr, niemand kann Ihnen etwas vorschreiben. Sie führen Ihren Betrieb, wie es Ihnen gefällt. Sie müssen keine Formalitäten einhalten. Erst ab einer bestimmten Größe, d.h. Mindestumsatz und -mitarbeiterzahl, müssen Sie sich ins Handelsregister eintragen lassen. Stammkapital ist nicht nötig.

Wer alleine ein Geschäft eröffnet, gründet automatisch ein Einzelunternehmen. Es gibt nur einen Betriebsinhaber und somit keine Konflikte mit Partnern. Diese Rechtsform ist beispielsweise für Handwerker und Kleingewerbetreibende gut für den Einstieg geeignet: Es ist kein Mindestkapital erforderlich. Wichtig: Wenn etwas schief geht, haften Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen für Verbindlichkeiten und Schulden des Unternehmens.

Kleinunternehmer und Freiberufler sind mit dieser Einfachvariante für den Anfang gut bedient. Die Vorteile anderer Rechtsformen lassen sich oft erst bei höheren Gewinnen voll ausschöpfen.

Rechte und Pflichten eines Vollkaufmanns

Erst als Vollkaufmann müssen Sie sich ins Handelsregister eintragen lassen. Welche Vorteile, Rechte und Pflichten aber hat der Einzelunternehmer als Vollkaufmann?

  • Schutz der Firma vor Verwechslungen. Recht, griffige Firmennamen zu bilden
  • Möglichkeit, unter der Firma zu klagen und verklagt zu werden
  • Möglichkeit, einen vom Gesetz abweichenden Gerichtsstand zu vereinbaren
  • Möglichkeit, die Verweisung eines Zivilrechtsstreits am Landgericht an die Kammer für Handelssachen zu beantragen
  • Bei Bürgschaften keine Möglichkeit, Einrede der Vorausklage geltend zu machen
  • Keine Schriftformerfordernis bei Bürgschaften, Schuldversprechen oder Schuldanerkenntnissen
  • Das Schweigen des Kaufmanns auf ein Angebot zum Abschluss eines Geschäftsbesorgungsvertrages gilt als Annahme
  • Pflicht, Ware unverzüglich nach Erhalt auf Mängel zu untersuchen und Mängel ggf. anzuzeigen
  • Gesetzlicher Zins von 5% (anstelle von 4%) ab Fälligkeit (anstelle von Verzug)
  • Möglichkeit, selbstständige Zweigniederlassungen zu gründen
  • Möglichkeit, Prokura oder Handlungsvollmacht zu erteilen
  • Pflicht, Handelsbücher zu führen, Inventuren und Bilanzen aufzustellen
  • Möglichkeit, Vertragsstrafen frei zu vereinbaren

GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Sobald Sie sich mit einem oder mehreren Partnern zusammentun, sind Sie automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts kurz GbR oder BGB-Gesellschaft genannt. Alle Partner sind gleichberechtigt das heißt: Beschlüsse müssen einstimmig gefasst, die Gesellschaft kann nur gemeinsam nach außen vertreten werden. Im Gesellschaftervertrag können Sie natürlich Sonderregeln vereinbaren. So besteht auch ein weiter Spielraum für die Kompetenzen der Gesellschafter.

Jede Geschäftspartnerschaft ist für eine GbR geeignet:

  • Kleingewerbe
  • Freie Berufe
  • Arbeitsgemeinschaften
  • Sozietäten

Zur Gründung bedarf es keiner Formalitäten, wenngleich sich die Schriftform ausdrücklich empfiehlt. Die GbR ermöglicht jedem Gesellschafter einen großen Freiraum. Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben. Sie brauchen keinen Pfennig Stammkapital. Die BGB-Gesellschaft ist daher ideal für alle Freiberufler, die sich zusammenschließen. Die Teilhaber haften neben dem Gesellschaftsvermögen grundsätzlich mit ihrem Privatvermögen, auch wenn nur einer der Partner die Schuld verursacht hat.

OHG – Offene Handelsgesellschaft

Die große Schwester der BGB-Gesellschaft ist die offene Handelsgesellschaft (OHG). Bei Einsteigern ist sie allerdings die Ausnahme. Denn der Gesellschaftszweck ist der Betrieb eines vollkaufmännischen Handelsgewerbes mehrerer Personen unter gemeinschaftlicher Firma. Das setzt eine gewisse Größenordnung voraus. Für Kleingewerbetreibende ist die OHG also nicht die passende Rechtsform. Im Unterschied zur GbR können nur Kaufleute, nicht aber Kleingewerbetreibende eine OHG für Handelsgeschäfte mit einem Partner gründen. Mindestkapital ist nicht erforderlich. Die OHG genießt ein sehr hohes Ansehen bei Kreditinstituten und Banken, da die Mitglieder mit ihrem gesamten Vermögen haften.

Stille Gesellschaft / Stiller Teilhaber

Ein stiller Teilhaber schießt Ihrem Unternehmen eine Kapitaleinlage oder etwa auch Maschinen zu, mischt sich aber in den Geschäftsbetrieb nicht ein. Stille Teilhaber können sich unabhängig von der Rechtsform beteiligen. Die Motivation ist natürlich die Gewinnbeteiligung. Viele Start-ups konnten sich in der Vergangenheit dank dieser Business-Angels über eine bequeme Mehrung des Eigenkapitals freuen. Das unternehmerische Risiko wollen die Engel allerdings nur selten tragen. Ein privater Vertrag reicht für eine stille Beteiligung aus.

Neben dem Kapital des Business-Angels können Sie auch von seinem Know-how sowie seinem Prestige und seinen Kenntnissen im geschäftlichen Netzwerk profitieren. Je bekannter und honoriger der Business-Angel, desto glaubwürdiger können Sie auch bei Kreditverhandlungen mit anderen Geldgebern auftreten.

KG – Kommanditgesellschaft

Die Kommanditgesellschaft (KG) ist ein Mittelding zwischen OHG und GmbH. Wenn Sie fremdes Kapital in Ihre Firma einbringen wollen oder können, bietet sich die KG an. Sie besteht aus zwei unterschiedlich haftenden Gesellschaftergruppen: den Komplementären und den Kommanditisten. Sie kommen leichter an Startkapital, wenn sich Partner (Kommanditisten) finanziell an Ihrem Unternehmen beteiligen.

In der KG führen Sie als Komplementär allein die Geschäfte. Sie haben das alleinige Entscheidungsrecht, haften aber auch mit Ihrem Privatvermögen. Die Kommanditisten schießen Kapital zu, halten sich aber im großen und ganzen aus der Geschäftsführung heraus und haften nur mit ihrer Einlage. Das ermöglicht Existenzgründern die Suche nach zusätzlichem Startkapital ohne Einschränkung der unternehmerischen Eigenverantwortlichkeit. Die KG ist besonders dann gut geeignet, wenn sich Angehörige an Ihrer Firma beteiligen wollen.

GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Hier ist der Name Programm. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die risikoärmste Gesellschaftsform. Sie schließen sich mit einem oder mehreren Gesellschaftern zusammen und bestimmen mindestens einen Geschäftsführer und die Gewinnverteilung. So verlangt es das Gesetz. Für eine GmbH benötigen Sie Startkapital. Mindestens 25.000 Euro brauchen Sie für die Einlage. Sie müssen den Betrag aber nicht bar auf den Tisch legen. Als Einlage gelten auch Sachwerte also der Firmenwagen, Maschinen oder die Büroeinrichtung. Nur wer über 50 Prozent der Einlage leistet, stellt die Führung innerhalb einer mehrköpfigen Geschäftsführung sicher.

Vorteile: Alle Gesellschafter haften gegenüber Geschäftspartnern nur in Höhe der Einlage, nicht mit dem Privatvermögen. Außerdem gibt es viele interessante Steuertricks. Sie können auch eine Ein-Mann-GmbH gründen. Sie sind Chef im eigenen Haus und quasi bei Ihnen selbst als Geschäftsführer angestellt.

Nachteile: Die Gründung ist ziemlich aufwändig. Und auch die Haftungsbeschränkung hat ihre Tücken. Denn Geschäftspartner und Geldgeber kennen die Haftungsbeschränkung natürlich auch. Bei der Kreditvergabe verlangen Banken in der Regel auch private Sicherheiten, wenn das Volumen über 25.000 Euro hinausgeht. Häufig müssen sich die Gesellschafter für die Rückzahlung von Krediten verbürgen und haften dann doch mit ihrem Privatvermögen.

GmbH & Co. KG

Unternehmer, die ihre Haftung beschränken, jedoch die Flexibilität einer Personengesellschaft genießen wollen, kombinieren die Vorteile der KG mit denen einer GmbH: Das heißt, eine GmbH tritt als persönlich haftende Komplementärin ein. Unter dem Strich bleibt damit die Haftung wie bei einer GmbH auf die Einlage beschränkt.

Die Gesellschafter der GmbH sind meistens die Kommanditisten der KG. Ansonsten sind Sie in der Gestaltung Ihrer Firma völlig frei. Sie gestalten die Höhe der Fremdeinlagen, die Entscheidungsbefugnisse und natürlich auch die Beteiligung am Gewinn. Die GmbH & Co KG ist ideal, wenn Sie eine KG führen möchten, aber nicht das hohe Haftungsrisiko eingehen wollen. Aus diesem Grund begegnen potenzielle Geschäftspartner der Gesellschaftsform oft mit Misstrauen.

Von der Höhe der Vermögenseinlage der GmbH als Komplementärin und den jeweiligen Kommanditisten hängen die Entscheidungsbefugnisse und die Verteilung von Gewinn und Verlust ab.