21.05.2015
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Pädagogische Hochschulen

Sie haben sich durch Ihre eigene Schulzeit nicht abschrecken lassen? Ihr Entschluss ist gereift und Sie möchten tatsächlich Lehrer werden? Immerhin haben Sie eine konkrete Vorstellung Ihrer beruflichen Erwartungen: Unterricht vorbereiten, vor einer Klasse stehen und Klassenarbeiten korrigieren. Die verschiedenen Tätigkeiten der Pädagogen sind letztendlich unverändert, aber die Unterrichtsmethoden und die Didaktik haben sich dem jeweiligen Stand der Forschung angepasst.

Besonderheiten

Pädagogische Hochschulen gibt es nur in Baden-Württemberg. In den anderen Bundesländern findet die Lehrerausbildung ausschließlich an den Universitäten und Fachhochschulen statt. Der Studienschwerpunkt bei den Pädagogischen Hochschulen ist, wie es schon der Name ausdrückt, die pädagogische Ausbildung der Lehrkräfte, während beim Lehramtsstudium an den Universitäten die Pädagogik zugunsten der fachspezifischen Studieninhalte stark in den Hintergrund rückt. Inwieweit später in der beruflichen Praxis pädagogische Aufgaben mit in den Unterricht einfließen, hängt zum einen vom Schultyp und zum anderen von der jeweiligen Klassenstufe ab.

Die Einteilung der Lehramtsstudiengänge entspricht der Gliederung des Schulwesens in Grund-, Haupt-, Realschulen, berufliche Schulen und Sonderschulen. An den Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg kann das Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschule sowie das Grundstudium für das Lehramt an Sonderschulen studiert werden. Die Ausbildung zum Gymnasiallehrer findet ausschließlich an den Universitäten statt. Aufgrund der großen länderspezifischen Unterschiede kann man während des Studiums und auch später im Lehrberuf nur in Ausnahmefällen zwischen den Bundesländern wechseln. Die Kultushoheit liegt maßgeblich in dem Kompetenzbereich der Länder, so dass es bislang noch keine länderübergreifenden und einheitlichen Ausbildungsrichtlinien für Lehrkräfte gibt.

Studienvoraussetzungen

Voraussetzung für die Zulassung zum Lehramtsstudium an den Pädagogischen Hochschulen ist die allgemeine Hochschulreife oder die fachgebundene Hochschulreife, die ausdrücklich die Studienberechtigung an einer Pädagogischen Hochschule einschließt. Falls Sie sich für die Fächer Kunst, Musik oder Sport interessieren, müssen Sie eine Eignungsprüfung ablegen, bevor Sie zum Studium zugelassen werden können. Informationen hierzu erhalten Sie bei den Studien- und Berufsberatungen der Arbeitsämter sowie direkt bei den einzelnen Hochschulen.

Aufbau des Studiums

Die Lehrerausbildung umfasst immer eine theoretische Ausbildung - das Studium, das mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen wird - sowie den praktischen Vorbereitungsdienst, der mit dem Zweiten Staatsexamen die Ausbildung beendet.

Das Studium ist unterteilt in das dreisemestrige Grundstudium, das mit der akademischen Zwischenprüfung abschließt, und das Hauptstudium. Dieses dauert beim Lehramt an Grund- und Hauptschulen drei Semester, beim Lehramt an Realschulen vier Semester, bei Sonderschulen fünf Semester. Während des Studiums sind mehrere Blockpraktika in der vorlesungsfreien Zeit und Tagespraktika während des Semesters eingebaut, die der Einführung in die Unterrichtstätigkeit dienen. Die schulpraktische Ausbildung bezieht sich auf pädagogische, fachliche, didaktische, soziokulturelle sowie methodische Fragen des Unterrichts.

Im Anschluss an das Hochschulstudium ist ein Vorbereitungsdienst von drei Unterrichtshalbjahren zu absolvieren. Dieses Referendariat findet an einem staatlichen Seminar für schulpraktische Ausbildung statt. An öffentlichen Schulen stehen spezielle Ausbildungslehrer zur Verfügung, die die Referendare während der Vorbereitungszeit betreuen. Der Vorbereitungsdienst beginnt einmal jährlich zum 1. Februar.

Lehramt an Grund- und Hauptschulen

Im Rahmen des Studiengangs für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen entscheiden sich die Studierenden bereits zum Studienbeginn für einen der beiden Schwerpunkte Grundschule oder Hauptschule. Unabhängig vom gewählten Schwerpunkt können Absolventen in beiden Schularten eingesetzt werden.

Studierende, die sich für den Schwerpunkt Grundschule entschieden haben, wählen entweder Deutsch oder Mathematik als Unterrichtsfach. Ein zweites Fach muss aus der Gruppe Englisch, Französisch, Heimat- und Sachunterricht, Mathematik, evangelische oder katholische Theologie, Deutsch oder ästhetische Erziehung und Bewegungserziehung (Kunst, Musik, Sport, Textiles Werken) gewählt werden.

Studierende, die sich für den Schwerpunkt Hauptschule entscheiden, haben die Auswahl zwischen Deutsch, Englisch, Mathematik oder Französisch. Ein weiteres Fach kann gewählt werden aus der Gruppe: Geografie, Biologie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Französisch, Haushalt, Kunst, Mathematik, Physik, Musik, Sport, Technik, evangelische oder katholische Religionslehre, Informatik und Wirtschaftslehre.

Nach dem Ersten Staatsexamen können Erweiterungsprüfungen in den Fächern des fachwissenschaftlich-fachdidaktischen Bereichs abgelegt werden. Außerdem ist ein Erweiterungsstudium in Informatik, Medienpädagogik, interkultureller Bildung, Erziehung und Beratung möglich.

Lehramt an Realschulen

Wie im Studiengang Lehramt an Grund- und Hauptschulen sind vom Studierenden des Lehramts an Realschulen zwei Unterrichtsfächer zu wählen. Dabei muss ein Fach Deutsch, Englisch, Mathematik oder Französisch sein. Ein weiteres Unterrichtsfach kann aus der Gruppe: Geografie, Biologie, Chemie, Deutsch, Englisch, Geschichte, Politikwissenschaft, Französisch, Haushalt, Kunst, Mathematik, Physik, Musik, Sport, Technik, evangelischer oder katholischer Religionslehre, Ethik, Informatik und Wirtschaftslehre.

Erweiterungsprüfungen können in den oben aufgelisteten Prüfungsfächern des fachwissenschaftlich-didaktischen Bereichs abgelegt werden. Außerdem ist ein Erweiterungsstudium in Informatik/Datenverarbeitung, Medienpädagogik, interkultureller Bildung, Ausländerpädagogik, bilinguales Lernen, europaorientierte Studien und Beratung möglich.

Lehramt an Sonderschulen

An Sonder- oder Förderschulen werden sprachbehinderte, körperbehinderte, lernbehinderte, sinnesgeschädigte und verhaltensauffällige Schüler unterrichtet. Die psychischen und pädagogischen Anforderungen an die Lehrkräfte sind an diesen Schulen relativ hoch. Meist wird versucht, Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung an allgemeinen Schulen zu unterrichten. In diesem Fall beraten Sonderpädagogen die Lehrkräfte und unterstützen die betroffenen Schüler.

Der Studiengang Lehramt an Sonderschulen dauert in der Regel acht Semester und gliedert sich in zwei Abschnitte. Das Grundstudium verläuft weitgehend inhaltsgleich zur Ausbildung der Grund- und Hauptschullehrkräfte. Daher ist an allen Pädagogischen Hochschulen des Landes Baden-Württemberg eine Zulassung zum Grundstudium möglich. Auch ein Wechsel aus dem Studiengang für Grund- und Hauptschullehrer in die Ausbildung für Sonderschullehrer und umgekehrt ist möglich, soweit die entsprechenden Kapazitäten vorhanden sind. Das Hauptstudium wird nur von Pädagogischen Hochschulen für Sonderpädagogik angeboten.

Im Hauptstudium müssen zwei sonderpädagogische Fachrichtungen gewählt werden. Sie haben die Alternative zwischen Blinden- und Sehbehindertenpädagogik, Gehörlosen- und Schwerhörigenpädagogik, Geistigbehindertenpädagogik, Körperbehindertenpädagogik, Pädagogik für Lernförderung, Sprachbehindertenpädagogik oder Pädagogik für Erziehungshilfe.

Das Studium schließt mit dem ersten Staatsexamen ab. Im Anschluss findet ein dreisemestriger Vorbereitungsdienst an einem staatlichen Seminar für Schulpädagogik statt, der mit der Zweiten Staatsprüfung endet. Auch für die Absolventen des Lehramtes für Sonderschulen gelten die Regelungen der Erweiterungsprüfung. Sie können sich dadurch in einem Unterrichtsfach, das gemäß der Grund- und Hauptschullehrerprüfung studiert werden kann, zusätzlich qualifizieren.

Umgekehrt können Studierende, die das Erste Staatsexamen für ein Lehramt oder die Diplomprüfung und die Zweite Staatsprüfung für ein Lehramt absolviert haben, neben der sonderpädagogischen Ergänzungsprüfung auch ein Aufbaustudium für das Lehramt an Sonderschulen belegen. Das Aufbaustudium erfolgt in vier Semestern und orientiert sich im Wesentlichen am Hauptstudium des Lehramtes an Sonderschulen.

Highlight aus den Lehramtsstudiengängen

In Freiburg und Karlsruhe kann seit dem Wintersemester 1999/2000 der Studiengang Europalehramt an Grund- und Hauptschulen sowie Europalehramt für Realschulen studiert werden. Die Regelstudienzeit beträgt acht Semester einschließlich eines obligatorischen Auslandssemesters. Die Europalehrkräfte werden für das fächerübergreifende Unterrichten ausgebildet. Sie können mindestens ein Unterrichtsfach - natürlich außer Englisch oder Französisch - in einer Fremdsprache unterrichten und vermitteln kulturelle und landeskundliche Zusammenhänge, die mit der Fremdsprache in Verbindung stehen.

Studienfächer A-Z

B

  • Biologie

C

  • Chemie

D

  • Deutsch

E

  • Englisch
  • Erdkunde/Geografie
  • Ethik/Philosophie
  • Evangelische Religionslehre

F

  • Französisch

G

  • Geografie/Erdkunde
  • Geschichte

H

  • Haushalt/Textiles Werken
  • Heimat- und Sachunterricht

I

  • Informatik

K

  • Katholische Religionslehre
  • Kunst/Kunsterziehung

M

  • Mathematik
  • Musik/Musikerziehung

P

  • Philosophie/Ethik
  • Physik
  • Politikwissenschaft

S

  • Sonderpädagogik - Blindenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Gehörlosenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Geistigbehindertenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Körperbehindertenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Lernbehindertenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Schwerhörigenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Sehbehindertenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Sprachbehindertenpädagogik
  • Sonderpädagogik - Verhaltensbehindertenpädagogik
  • Spanisch
  • Sport

T

  • Technik
  • Textiles Werken/Haushalt

W

  • Wirtschaftslehre